Online bestellen oder im Laden kaufen? Der Nachhaltigkeits-Test

Im Netz bestellen oder doch im Laden kaufen? Erster Reflex ist bei den meisten wohl: stationärer Handel ist umweltfreundlicher als e-commerce. Ganz einfach weil wir immer mehr Paketzusteller wahrnehmen und uns denken “das kann ja nicht gut sein” Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn so pauschal ist die Frage nicht zu beantworten.
Auch jeder Einkauf im Laden ums Eck erfolgt keineswegs CO2-Neutral und vergrößert deinen ökologischen Fußabdruck. Jeder Store muss mit Energie versorgt, geheizt, gekühlt und beleuchtet werden. Das gilt auch für diverse Zwischenlager und Logistikzentren die entlang der Wertschöpfungskette notwendig sind. Die CO2-Bilanz hängt zusätzlich davon ab, wie wir uns als Kundinnen und Kunden zum Geschäft bewegen – im Idealfall zu Fuß oder mit dem Fahrrad, oft aber klimaschädlich mit dem PKW.
Das Umweltbundesamt verweist darauf, dass nach gegenwärtigem Kenntnisstand der Unterschied zwischen isoliert betrachtetem Online- und Offline-Handel „in der Tendenz unklar bis schwach ist„.

Der Vergleich ist also schwierig, weil er von vielen individuellen Faktoren abhängt. Hier siehst du die CO2 Bilanz eines Schuhkaufs im Vergleich.

Die CO2-Bilanz eines Schuhkaufs im Vergleich

Angaben in Gramm Kohlenstoffdioxid, Quelle: SZ-Grafik mit Daten des Öko-InstitutsSehen wir uns an, welche sieben Stellschrauben wir als Händler und als Konsumenten drehen können, um den Einkauf im Internet so nachhaltig wie möglich machen zu können:

1. Umweltfreundliche Verpackung

Beim Onlineshopping sind nicht nur die gekauften Produkte verpackt, sie werden auch Einweg-Kartons geliefert. Diese Überverpackung produziert Müll. Ein Mehrweg- oder Pfandsystem wäre an dieser Stelle sinnvoll. Bis erste Ideen dazu marktreif und überzeugend sind, verwenden wir bei Conflictfood wenn es möglich ist Verpackungen mehrmals. Wir befüllen plastikfrei aus Resten und wählen die Verpackung so klein als möglich. Das selbe kannst du auch machen: Verwende die Schachteln für deinen nächsten Versand wieder! 

2. Bestellungen bündeln

Erstelle Listen mit Dingen, die du nicht sofort benötigst. So kannst du mehrere Bestellungen vielleicht zu einer zusammenfassen und sparst damit an Versandkosten, CO2 und Verpackungsmaterial. Sprich dich mit deinen Freunden, Kollegen und Nachbarn ab und organisiere gemeinsame Bestellungen.
Übrigens: Extra angeführte Versandkosten, die dem tatsächlichen Aufwand entsprechen, führen dazu, dass Einkäufe möglichst gesammelt vorgenommen werden.  Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, die Versandkosten extra anzuführen und nicht im Produktpreis zu “schlucken”.

3. Direkt beim Anbieter

Versuche Bestellungen bei großen Online-Marktplätzen wie Amazon & Co zu vermeiden sondern bestelle direkt beim Anbieter. Auch viele lokale Läden und Boutiquen haben mittlerweile ihren eigenen Onlineshop. Dadurch haben kleine Läden bessere Chancen zu überleben.

4. Klimaneutral versenden

Achte bei der Händlerauswahl auf Kriterien wie grünen Versand und transparente Lieferketten. Dein Paket von Conflictfood wird dir übrigens klimaneutral zugestellt, durch den Transport entstehende Treibhausgase  werden durch Klimaprojekte ausgeglichen.

5. Kühl ist nicht gleich cool

Bestelle keine Ware die gekühlt werden muss, sondern versuche diese im Supermarkt vor Ort zu kaufen, denn die hierfür benötigten Kühlakkus und Isoliermaterialien führen zu noch mehr Verpackung.

6. Doch nicht daheim?

Wähle eine Lieferadresse, an der du oder eine Vertrauensperson das Paket auch tatsächlich entgegennehmen kann. Falls das nicht klappt, kannst du auch an eine Packstation liefern lassen oder direkt ins Büro – unsere Erfahrung zeigt, hier klappt die Zustellung meist beim ersten Versuch.
Tipp: Über die Paketankündigung und die DHL Sendungsverfolgung kannst du bis 00:00h vor dem Tag der geplanten Zustellung einen Wunschort oder Wunschnachbarn wählen und den Zustelltag um bis zu 6 Tage verschieben.7. Brauch ich das wirklich?

Wie viel CO2-Emissionen ein Einkauf kostet, hängt natürlich auch davon ab, ob es zu einer Retoure kommt oder nicht. Das Recht auf Rückgabe ist wichtig, doch in Deutschland wird beinahe jedes sechste Paket zurückgesandt. Im Jahr 2018 waren das 280 Mio. Pakete! Diese absurd hohe Zahl stellt eine zusätzliche Mehrbelastung für Mensch und Umwelt dar. Wähle deine Bestellungen also mit Bedacht. Sammle möglichst viele Informationen vor dem Kauf, lasse dich gegebenenfalls via Email beraten und kaufe erst, wenn du vom Produkt überzeugt bist. Genau das tun die Conflictfood-Kunden bereits, die Quote der Rücksendungen liegt bei 0,1 Prozent!Wer also umweltfreundlich einkaufen möchte, sollte bewusst kaufen, sich Zeit für seine Entscheidungen nehmen und auf Händler setzen, denen Nachhaltigkeit am Herzen liegt. Zu guter Letzt ein großes Dankeschön an alle PaketzustellerInnen, LagermitarbeiterInnen und all jene, die unsere Lieferungen möglich machen – Ihr seid großartig!

Hier gehts zum Onlineshop

Uralte Heilkunst – Tee und Ayurveda

Ayurveda ist eine traditionelle indische Heilkunst und gilt als das älteste, konstant praktizierte Medizinsystem der Welt. Als verschriftlichte Wissenschaft lässt sich Ayurveda bereits ab Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. nachweisen, die mündlich überlieferte Heilkunst ist hingegen bereits über 5000 Jahre alt. Der Legende nach brachte Brahma, der Schöpfer der hinduistischen Trinität, das medizinische Wissen um Ayurveda zu den Menschen, die es seither bewahren und weiterentwickeln.

Worum geht’s bei Ayurveda?

Übersetzt heißt Ayurveda so viel wie „Wissen vom Leben“, und der Name ist Programm: Das Wissen um drei Lebensenergien – oder Doshas – ist die Basis der ayurvedischen Medizin und maßgeblich für die Herstellung des physischen und seelischen Gleichgewichts. Doshas können als Energien im Körper verstanden werden und in jedem Menschen befinden sich alle drei Doshas, wobei häufig eine dieser Energien besonders ausgeprägt ist. Nur wenn die drei Lebensenergien Vata (das Bewegungsprinzip), Pitta (das Feuer- bzw. Stoffwechselprinzip) und Kapha (das Strukturprinzip) im Gleichgewicht sind, bleibt der ayurvedischen Lehre zufolge der Mensch gesund. Krankheiten hingegen sind das Ergebnis eines individuellen Ungleichgewichts dieser drei Doshas.

Durch Verhaltensänderung, Therapien der inneren und äußeren Anwendung und vor allem durch die richtige Ernährung soll dieses Ungleichgewicht behoben, die Gesundheit wiederhergestellt und dauerhaft erhalten werden. Durch ständige Weiterentwicklung mithilfe der Erkenntnisse neuester medizinischer Forschung und dank des reichhaltigen Erfahrungsschatzes ist Ayurveda noch heute eines der bedeutendsten Lebens- und Heilprogramme. Ursprünglich aus Südindien stammend konnte Ayurveda längst auch die westliche Welt für sich einnehmen, was sicherlich nicht zuletzt an der ganzheitlichen Ausrichtung der Heilkunst liegt: Der Mensch als Individuum, der in seiner Physiologie von unterschiedlichen Veranlagungen und Faktoren beeinflusst wird, steht im Mittelpunkt der Lehre.tee und Ayurveda
Tee als Heißgetränk spielt im Ayurveda allgemein eine wichtige Rolle, da sich viele Menschen zu kalt ernähren. Das ist durchaus wortwörtlich zu verstehen: Viele Lebensmittel kommen aus dem Kühlschrank und führen zu einer Abnahme des heißen Feuerelements, das die Prozesse im Körper steuert. Heiße und warme Getränke können diese Imbalance wieder aufheben. Je nach Zusammensetzung können Tees ganz unterschiedliche Wirkungen entfalten. Dabei ist zwischen regulärem Tee und ayurvedischem Tee zu unterscheiden. Basis des klassischen Tees sind stets Teeblätter. Unterschiede zwischen den üblichen Sorten wie Grün- und Schwarztee resultieren aus verschiedenen Fermentierungsgraden. Aus ayurvedischer Sicht sind in erster Linie unfermentierte oder nur leicht fermentierte Teesorten vorzuziehen, denn fermentierte Lebensmittel wirken gemäß Ayurveda reizend und können Entzündungen begünstigen.

Ayurvedischer Tee hingegen entsteht durch das Überbrühen von Kräutern, Blüten und Gewürzen und enthält in der Regel kein Koffein oder Tein. Er besteht aus genau aufeinander abgestimmten Kräutern und Gewürzen und je nach Dosha-Typ, unterscheiden sich die empfohlenen Teemischungen deutlich voneinander. Für Vata-Typen empfehlen sich wärmende, scharfe aber auch süße Gewürze wie Nelken oder Zimt, der Pitta-Typ sollte sich eher an frische und kühlende Inhaltsstoffe wie Minze halten. Für Kapha-Typen empfehlen sich hingegen anregende Zutaten wie Ingwer. Viele Teesorten im Supermarkt oder Biohandel tragen inzwischen die Aufschrift „ayurvedisch“, aber hier solltest du genau aufpassen: Oftmals sind die Zusammensetzungen dieser Tees aus ayurvedischer Sicht nicht sinnvoll und die Bezeichnung dient bloßen Werbezwecken.

Für einen ayurvedisch wirksamen Tee sollten die jeweiligen Zutaten ihren Eigenschaften entsprechend abgestimmt werden, damit du die für dich erwünschte Wirkung erzielst. Grüner Tee (z.B. der Bio-Grüntee ‚Silver Shan‘ aus Myanmar) ist wenig fermentiert und eignet sich besonders gut als Basis für eine ayurvedische Teemischung. Wenn du den zweiten Aufguss trinkst, wird auch der Koffeingehalt deutlich reduziert was die Wirkung im Ayurveda optimiert.

Mehr zum Thema gibts hier.

Unsere wundervollen Tees gibt es hier

Fotoausstellung – Drei Blicke: Afghanistan

Drei Blicke: Afghanistan

Die drei Fotograf*innen Rada Akbar, Christina Feldt und Gernot Würtenberger werfen in ihren Arbeiten einen Blick auf die tiefe Verletztheit und die aufstrebende Hoffnung Afghanistans.

29. Mai- 27. Juni 2019, Mi.-Fr. 14:00-20:00 Uhr
Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns auf Deinen Besuch.

Rada Akbar

Rada Akbar ist freiberufliche Fotografin, sie lebt und arbeitet in Kabul. Schon immer nutze sie die Kunst als Medium um sich selbst auszudrücken und die Geschehnisse um sie herum zu erklären. Die Karriere der visuellen Kunst Rada Akbars begann als malende Künstlerin. Ihre Gemälde hingen in diversen Ausstellungen national und international. Später tauschte sie Pinsel und Palette ein gegen die Fotokamera ein. Dabei entdeckte sie ihre Leidenschaft, das Alltagsleben der Menschen in Afghanistan festzuhalten und zu dokumentieren. Von ihrer Kunst sagt Rada selbst, sie fotografiere keine Objekte, sondern das Gefühl, dass sie ihr vermitteln. 2015 gewann sie den UNICEF Fotowettbewerb „Foto des Jahres“. Teile dieser prämierten Fotostrecke hat die Künstlerin für die Ausstellung „Drei Blicke: Afghanistan“ als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Bild: Rada AkbarBild: Rada AkbarBild: Rada Akbar

Christina Feldt

Christina Feldt ist freiberufliche Fotografin und lebt in Berlin. Sie absolvierte ihr Studium in  International Business, war aber seit ihrer Jugend von der Fotografie fasziniert. In Barcelona belegte Christina einen Fotojournalismus Kurs an der Schule RUIDO Photo, es folgten weltweite Foto Expeditionen mit renommierten Fotografen. Mittlerweile hat Christina mehr als 40 Länder weltweit mit ihrer Kamera bereist. Ihre großen Leidenschaften sind Fotoreportagen und Dokumentationen aus der ganzen Welt, insbesondere die Schicksale und Geschichten von Menschen interessieren sie sehr. Christina hat für zahlreiche Medien und internationale Organisationen – wie die Vereinten Nationen, Save the Children, Care, Handicap International, etc. – bewegende Themen in Afrika, Asien und auch Afghanistan fotografiert. 2014 reiste sie für 2 Wochen nach Afghanistan, wo sie im Auftrag der Vereinten Nationen fotografierte. Sie blickt auf ein wunderschönes Land mit bewegenden Momenten und besonderen Menschen zurück.

Bild: Christina FeldtBild: Christina FeldtBild: Christina Feldt

Gernot Würtenberger

Gernot Würtenberger hat in Wien und Berlin viele Jahre als Architekt gearbeitet. 2015 gründete er das Sozialunternehmen Conflictfood mit der Idee, Handelsbeziehungen zu Bauern in Konfliktregionen aufzubauen. Die Kamera im Gepäck begleitete ihn zu Flüchtlingslagern in Palästina, Rohingya-Ghettos in Myanmar und zu Opiumfelder in Afghanistan.
An der Fotografie begeistert ihn der eine und unwiederbringliche Moment, das Schmunzeln im Gesicht oder die Hoffnung in den Augen. Diese Begeisterung zeigt sich in seinen Bildern.

Bild: Gernot WürtenbergerBild: Gernot WürtenbergerBild: Gernot WürtenbergerVeranstaltet wird die Ausstellung von Cultivating Peace e.V., Gastgeber sind Conflictfood und selo – The Next Generation Coffee
Wir freuen uns auf Deinen Besuch!

Weihnachten hat eine Hauptstadt: BETHLEHEM

Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, an dem Kirchenglocken läuten und nur hundertfünfzig Meter entfernt der Ruf des Muezzins erschallt. In Palästina, im Zentrum Bethlehems liegt der Manger Platz mit der Geburtskirche und ihr gegenüber der Omar-Moschee. Hier leben Muslime und Christen friedlich zusammen.

Der Manger-Platz in Bethlehem. Für ein 360°-Erlebnis, klicke auf das Bild!

Conflictfood hat während der Reise durch Palästina eine Woche lang Bethlehem erkundet. Das traditionsreiche Stadtbild Bethlehems wurde von den verschiedenen Mächten, die dort herrschten, geprägt. Wenn man durch die jahrhundertealten Gassen schlendert, trifft man auf imposante Kirchen, ehrwürdige Klöster und Moscheen. Hier vermischen sich arabische, byzantinische, türkische, römische Stile und bilden ein einzigartiges Fundament für den multi-religiösen Knotenpunkt Bethlehem.

Bedeutungsvolles Bethlehem

2012 nahm die UNESCO die Geburtskirche sowie den uralten Pilgerweg, der von Jerusalem den Berg hinauf nach Bethlehem führt, ins Weltkulturerbe auf. Und auch trotz des umgebenden Nahostkonfliktes pilgern über das ganze Jahr Millionen Menschen an diesen spirituellen Ort.

Kurz vor Weihnachten herrscht in der Geburtskirche eine besonders festliche Stimmung. Erbaut um das Jahr 326 n. Chr. an der vermeintlichen Stelle wo Jesus Heiligabend geboren wurde, markiert sie den Mittelpunkt christlichen Glaubens zum Weihnachtsfest. Fast jeder hier kennt die Geschichte von Maria und Josef, die zur Volkszählung von Nazareth nach Bethlehem kamen und dort ihren Sohn, die Leitfigur des Christentums, zur Welt brachten. Heute markiert diese Stelle ein  unscheinbares sternförmiges Loch im Boden der Grotte sowie  der Schriftzug „Hic de Virgine Maria Jesus Christus Natur est„.

Sechs Checkpoints, eine acht Meter hohe Mauer und ein Versammlungsverbot hätten den Weg von Josef und Maria jetzt wohl noch etwas beschwerlicher gemacht.

Im glanzvollen Gewölbe der Geburtskirche. Für ein 360°-Erlebnis, klicke auf das Bild!

Freundschaft und Gemeinsamkeiten

Die Stadt im palästinensischen Bergland ist eine Pilgerstätte, nicht nur für Christen sondern für Menschen von vielen Religionen: in jüdischen Erzählungen ist sie bekannt als Heimat des legendären Königs David und der Prophet Muhammad soll auf seinem Weg nach Jerusalem hier gebetet haben.Heute leben rund 30.000 Menschen in Bethlehem, das seit 1995 zum Palästinensischen Autonomiegebiet gehört. Nur ein Fünftel davon sind Christen. Laut einer Umfrage des Palestinian Centre for Research and Cultural Dialogue, gaben 90 % der christlichen Bevölkerung Bethlehems an muslimische Freunde zu haben; 73 % glauben, dass die Palästinensische Autonomiebehörde das christliche Erbe in der Stadt mit Respekt behandelt.

Eine arabische Bibel

Bethlehems bunte Gassen

Im Islam ist Jesus von Nazareth, Sohn von Maria (Īsā ibn Maryam), ein wichtiger Prophet, weshalb Muslime seine Geburtsstätte ebenso ehren. Vielleicht ist es dieser gemeinsame religiöse Spirit, der die Geburtskirche beinahe eineinhalb Jahrtausende vor Zerstörung beschützt und bewahrt hat.

Genau diese Besinnung auf religiöse Gemeinsamkeiten und geteilte Werte stiftet Frieden. In diesem Sinne wünschen wir euch eine besinnliche Weihnachtszeit, oder wie man in Bethlehem sagt:‘Ein glorreiches Geburtsfest’, Eid Milad Majid!

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#17Ziele

#17Ziele – Lass uns gemeinsam handeln!

Bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen, Umweltverschmutzung, globale Ungerechtigkeiten und Armut sind aktuelle Herausforderungen unserer Zeit. All diese Probleme lassen sich auch für uns nicht mehr länger unter den Teppich kehren.

Genau deshalb haben die Vereinten Nationen einen ehrgeizigen Aktionsplan für die nächsten 15 Jahre entworfen. Am 25. September 2015 wurde auf dem Weltgipfel der Vereinten Nationen in New York die sogenannte Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung in Kraft gesetzt. Die Regierungschefs von 193 Mitgliedsstaaten verabschiedeten 17 klar definierte Sustainable Development Goals (SDGs), welche bis 2030 von der internationalen Gemeinschaft umgesetzt werden sollen. Die SDGs sind ein mehrdimensionaler Ansatz, berücksichtigen die ökologischen Grenzen unseres Planeten und ihre Forderungen sollen sowohl im globalen Norden, als auch im globalen Süden realisiert werden. Bereits der Titel „Transformationen unserer Welt“ weist darauf hin, dass die Agenda umfassende und universelle Veränderungen anstoßen soll.

Deshalb sind sich alle darüber einig, dass die 17 Ziele nicht ausschließlich von Regierungen umgesetzt werden können.

Insgesamt bleibt jedoch auch für Deutschland noch viel zu tun, um die SDGs zu erreichen. Zur Umsetzung der Agenda 2030 ist eine umfassende Transformation in allen Lebensbereichen notwendig. Dafür bedarf es auch einer neuen Kultur der Nachhaltigkeit.

Bundesregierung (2016): Bericht der Bundesregierung zum High-Level Political Forum on Sustainable Development 2016. BerlinKlar ist auch, dass ein ganzheitlicher Ansatz notwendig ist, um entscheidende Weichenstellung in Richtung nachhaltige Entwicklung garantieren zu können. Die SDGs holen alle Bereiche der Nachhaltigkeit mit ins Boot: die Umwelt, das soziale Miteinander und die Wirtschaft.

 

Wir von Conflictfood unterstützen diese Agenda voll und ganz und möchten mit unserem Handeln etwas zu der Umsetzung der Ziele beitragen. Für diese Bemühungen wurden wir mit dem iF Social Impact Prize ausgezeichnet.

 

Ganz besonders die Folgenden SDGs bestimmen unseren Arbeitsalltag:

#SDG 1: Keine Armut

Gerechte und angemessene Bezahlung ist uns wichtig. Deshalb unterstützen wir das SDG #1.

Oberstes Ziel der Agenda ist die Bekämpfung von Armut in all ihren Formen und Dimensionen. Besonders die Bekämpfung von „Extremer Armut“, als größte globale Herausforderung steht im Mittelpunkt, da sie eine unabdingbare Voraussetzung für alle anderen Bereiche der nachhaltigen Entwicklung darstellt.

#SDG 2: Kein Hunger

Durch die intensive Partnerschaft mit unseren Agrarkooperativen, haben wir erfahren wie unglaublich wichtig der Einfluss von Ernährung auf unsere zukünftige Entwicklung ist.

Hunger ist dabei nicht nur das größte Gesundheitsrisiko, sondern es trägt zu Flucht und Vertreibung bei, fördert Perspektivlosigkeit und Gewalt. Das Groteske dabei ist, dass weltweit schon genügend Lebensmittel produziert werden um alle Menschen ausreichend zu versorgen.

#SDG 12: Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster

Unser Konsum ist immer politisch. SDG #12 richtet sich in besonderem Maße an die Industrieländer. Im Zuge einer nachhaltigen Entwicklung ist es unbedingt notwendig, dass wir die ökologischen Grenzen unseres Planeten respektieren. Unsere Konsumgewohnheiten und Produktionstechniken müssen sich ändern.

#SDG 16: Friedliche und inklusive Gesellschaften für eine nachhaltige Entwicklung

 

„Friede ist nicht die Abwesenheit von Krieg. Friede ist eine Tugend, eine Geisteshaltung, eine Neigung zu Güte, Vertrauen und Gerechtigkeit.“ (Baruch de Spinoza)

Damit geht SDG#16 über die üblichen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (Soziales, Wirtschaft und Umwelt) hinaus und widmet sich Aspekten der Gewaltfreiheit und Rechtstaatlichkeit. Genau dazu möchten wir als Conflictfood in unseren Partnerländern beitragen.Für die internationale Gemeinschaft sind die 17 Ziele ein Meilenstein in Richtung nachhaltiger Entwicklung. Für uns als kleines Social Start-up dienen sie als Richtlinie um auch in Zukunft das Große und Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.

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iF Social Impact Prize!

Juhuu – Conflictfood gewinnt den iF Social Impact Prize!

Sie haben eine neue Nachricht:

“Congratulations –  14 jury members from Taiwan, China, Brazil, Korea, Spain, The Netherlands and Germany have decided to support your project “Conflictfood” to help you continue the good work!“Ein lautes “Juhuu”, denn die Freude ist groß: wir haben den weltweit anerkannten iF SOCIAL IMPACT PRIZE 2018 gewonnen und sind überaus stolz auf diese Auszeichnung.

Conflictfood teilt sich den mit 50.000 Euro dotierten Preis mit vier weiteren sozialen Projekten aus der ganzen Welt. Mit dabei ist die Rescue Foundation aus Mumbai in Indien, das Projekt Garbage Clinic Insurance aus Malang in Indonesien, X-runner aus dem schweizer Küsnacht und das Projekt Girls Not Wives aus Kaduna, Nigeria.Der iF Industrie Forum Design, ist bekannt dafür, dass er seit 1954 mit dem renommierten iF DESIGN AWARD Leistungen im Bereich Design und Produktgestaltung aus der ganzen Welt auszeichnet.

Der iF hat sich neben diesem auch die Unterstützung sozialer Projekte auf die Fahne geschrieben – insbesondere, wenn Design eine wichtige Rolle spielt.
Seid 2017 wird der IMPACT PRIZE an eindrucksvolle Projekte und Initiativen vergeben, die das Zusammenleben der Menschen positiv beeinflussen. Soziale Projekte von Unternehmen, Designstudios, NGOs, Stiftungen sowie öffentlichen und private Einrichtungen weltweit haben sich zum iF Social Impact Prize angemeldet.

Kriterium für die Auszeichnung ist, dass sich das eingereichte Projekt mit mindestens einem der Ziele für Nachhaltige Entwicklung oder auch SDG (Sustainable Development Goals) widmet. Ein 2015 von der UN verabschiedeter Versuch der internationalen Staatengemeinschaft globale Herausforderungen gemeinsam zu lösen. 17 nachhaltige Entwicklungsziele wurden aufgestellt, welche bis 2030 erfüllt werden sollen. Diese wurden zwar ausschließlich von Regierungsvertretern ratifiziert, jedoch spielt die Privatwirtschaft eine maßgebliche Rolle.Wir freuen uns riesig über diese Auszeichnung, die unser Projekt mit einer Förderung bezuschusst um dieses fortzusetzen und weiterzuentwickeln.

Und was wir mit dem Preisgeld anstellen? – Na da weitermachen, wo wir aufgehört haben, denn es gibt noch viel zu tun!

Unsere nächste große Reise nach Afghanistan steht schon vor der Tür.

Wir packen schon fleißig unsere Koffer. Und sind froh, dass durch das gewonnene Preisgeld die Finanzierung der Reise und der Aufbau neuer Handelsbeziehungen gesichert ist. Konkret werden wir in den nächsten Wochen unterschiedliche Bäuerinnen und Bauern in Afghanistan besuchen und eine Vielzahl von Köstlichkeiten verkosten dürfen. Nur aus den besten schnüren wir dann unsere Friedenspakete, die du dann in unserem Shop finden kannst.What a great honor to win the iF SOCIAL IMPACT PRIZE 2018! We are very thankful and happy that iF is joining Conflictfood’s journey – literally: the support we have received helps us to make this year’ s trip to farmers in Afghanistan. Through fair and direct trade we can open up new markets to them and tackle poverty at the root. Thank you, iF!

Die Conflictfood Bestseller

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Myanmar – wohin geht’s?

Myanmar – wohin geht’s?

Myanmar – Wohin Geht’s?

Der Weg in Richtung Demokratie ist für Myanmar ein steiniger. Wie steht es aktuell um das faszinierende Land? Welche Rolle spielen Wirtschaft und Handel, Politik und Menschenrechte? Wir wollen das Bild des Landes schärfen und die Frage klären, in welche Richtungen sich Myanmar entwickeln kann.

Um diese Aspekte auszuloten organisierte Cultivating Peace e.V. das Symposium:

 

„Myanmar – wohin geht’s ?“

12.02.2018, 16:00 bis 20:00 Uhr

Unicorn.Berlin, Brunnenstraße 64, 13355 Berlin

 

Die Veranstaltung war bis auf den letzten Platz ausgebucht. 130 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten unserer Einladung.

 

Die Moderation übernahm  Sven Hansen, Asien-Redakteur der taz. die tageszeitung, Berlin.

Dr. Hans-Bernd Zöllner

Freiberuflicher Südostasienwissenschaftler, Research Fellow des Numata Zentrums für Buddhismuskunde, Hamburg

„IS small MORE BEAUTIFUL IN MYANMAR? Einige Bemerkungen zur (Wirtschafts-)Geschichte des Landes“

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Richard Roewer

Doktorand Leibniz Institut für Globale u. Regionale Studien & DPhil Candidate, University of Oxford

„Neue Demokratie oder neuer Autoritarismus? Myanmar im Wandel“

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Jella Fink

Ethnologin, TU Dortmund & Myanmar-Institut e.V., Berlin

„Entrepreneurship in Myanmar: Unternehmerinnen und ihre Innovationsstrategien von Yangon bis Kengtung“

Download der Präsentation

Simon Welte

Mitgründer & Geschäftsführer Alsharq Reise & Consultant in der EZ, Berlin

„Politische Studienreise nach Myanmar – Erfahrungen aus der Praxis“

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Ulla Kroeber

Gründerin Hla Day, Yangon

„Running a social business in present day Myanmar“

Download der Präsentation

Bilder des Symposiums

Kurzfilme

Begleitet wurde das Symposium von zwei Kurzfilmen der Yangon Film School.

Traditional leg rowing at Inle Lake„, Regie: El Win Htein, Khu Sae Yal, El Than Soe Aung, El Myo Htet Aung, El Zin Ko Latt, Mal Ngway Taryi

„Made in Mandalay“, Regie: Nay Linn Htun

Fotoausstellung

Für die Dauer des Symposiums gab es 20 Großformatige Fotografien von Conflictfood /Gernot Würtenberger und Salem El-Mogaddedi zu sehen.

Buffet

Auch das Buffet wurde ausgerichtet von Conflictfood, mit Zutaten aus direktem und fairem Handel mit Kleinbauern aus Konfliktregionen. Mit dabei waren unter anderem kulinarische Köstlichkeiten aus Myanmar.

Programm Handout

Download Programm Handout

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Die Tragödie der Rohingya, Interview

Ethnische Spannungen prägen den Vielvölkerstaat Myanmar. Besonders traurig erscheint die fast rassistische Verachtung, die einer ganz bestimmten Volksgruppe entgegengebracht wird: Die Rohingya, eine Minderheit, die anders glaubt, anders betet und anders aussieht, als die buddhistische Mehrheit.

Ca. 1,2 Millionen Rohingya leben teilweise gefangen hinter Stacheldraht in Camps oder sind auf der Flucht. Die Vereinten Nationen sehen in den Rohingya die weltweit am stärksten verfolgte Minderheit. Ein trauriger Rekord, der sich durch das Entziehen der Staatsbürgerschaft 1982 aufbaute, 2015 in Massenfluchten mit Schiffen eskalierte und heute wieder dazu führt, dass Tausende getötet werden und Hunderttausende von ihnen auf der Flucht sind.

Der burmesischen Armee werden Morde, Brandschatzung und Massenvergewaltigungen vorgeworfen. Auch radikale buddhistische Mönche haben aus ihrer Religion eine aggressive und ultranationalistische Ideologie gemacht. In ihrer Vereinigung mit dem Namen Ma Ba Tha schüren sie den Hass auf die Rohingya und schrecken nicht vor Gewalt zurück.

Ca. 1,2 Millionen Rohingya leben teilweise gefangen hinter Stacheldraht in Camps oder sind auf der Flucht. 

Im Gespräch mit…

Kyaw Soe Aung ist selbst Rohingya und vertritt die Positionen seiner Volksgruppe in der Partei Democratic and Human Rights Party. In Yangon treffen wir ihn zu einem Gespräch.

Herr Kyaw, wie ist die Situation für Sie in Myanmar?

Als Rohingya leben wir staatenlos und sind in unserer Heimat nicht anerkannt. Wir bekommen keinen Ausweis oder Pass, eine Geburtenregelung  erlaubt uns nicht mehr als zwei Kinder zu bekommen. Unsere muslimischen Geburtsnamen dürfen wir auch nicht tragen. Wenn wir heiraten wollen, müssen wir um staatliche Erlaubnis bitten, auf diese warten wir oft viele Jahre. Legal ausreisen dürfen wir sowieso nicht. Sollte uns dies doch gelingen, dürfen wir nicht wieder zurück in die Heimat.

Die meisten Rohingya leben im Bundesstaat Rakhine. In der Hauptstadt Sittwe leben die meisten wie in einem Freiluftgefängnis, abgeriegelt in einem Ghetto. Oder in einem der vielen sogenannten IDP-Camps, also Lager für Binnengeflüchtete.

Wie ist die Situation in diesen Lagern?

Die Lage ist katastrophal! Die Menschen haben kaum Zugang zu Trinkwasser, viel zu wenig Nahrungsmittel, Zelte, Decken und fast keine sanitäre Anlagen. Es gibt keine Schulen, keine Ärzte, nichts. Viele Kinder leiden zum großen Teil unter Darm- sowie auch ansteckenden Hautkrankheiten. Die Kindersterblichkeit ist hoch, doppelt so viele schwangere Frauen sterben hier als in gesamt Myanmar. Die Behörden regulieren den Zugang für internationale NGOs sehr streng. Viele Hilfsorganisationen werden sogar aus der Region verwiesen. Unser Volk ist nicht sicher.

Gibt es Sicherheit in den Nachbarländern?

Zehntausende von uns fliehen regelmäßig mit Booten in Richtung Bangladesch, Thailand und Malaysia. Dafür gilt es zuerst die Polizei an der Küste zu bestechen, die Schmuggler zu bezahlen und eine lange und gefährliche Reise auf einem überfüllten Fischerboot zu überleben. In Thailand, Indonesien und Malaysia werden viele als Arbeitssklaven oder teilweise Sexarbeiterinnen verkauft. Als staatenlose Menschen sind wir besonders gefährdet, Opfer von Menschenhandel zu werden. Wir werden nirgendwo offiziell vermisst.

Kyaw Soe Aung ist selbst Rohingya und vertritt die Positionen seiner Volksgruppe in der Partei Democratic and Human Rights Party.

Wie kam es zur Staatenlosigkeit?

Im Jahr 1982 beschloss die Regierung, jenen Volksgruppen die Staatsbürgerschaft abzuerkennen, die nicht vor 1824 in Myanmar ansässig waren. Obwohl historische Belege den Nachweis liefern, dass wir Rohingya seit Jahrhunderten Teil des Landes und der Gesellschaft sind, wurde uns die Staatsbürgerschaft entzogen. Es gibt zwar mindere Bürgerschaftsgrade und diese sind uns theoretisch zugänglich. In der Praxis allerdings wird der Zugang durch schikanöse Bestimmungen blockiert und de facto unmöglich gemacht. Daher die Staatenlosigkeit. Wir sind der Willkür von Polizei, Militär und Behörden weitgehend schutzlos ausgeliefert.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir Frieden zwischen den Religionen und den hier lebenden Völkern. Doch leider ist die Situation soweit eskaliert, das es ohne den Druck der internationalen Gemeinschaft schwer wird, die rechtliche Situation der Rohingya  aber auch anderer Minderheiten zu verbessern. Die Welt muss auf die Regierung von Myanmar Druck ausüben. Wir haben große Hoffnungen auf Aung San Suu Kyi gesetzt aber sie ist zu schwach gegenüber den Militärs und den radikalen Buddhisten-Gruppen im Land. Eine Blauhelm-Mission wäre ein erster wichtiger Schritt, um unserem Volk eine sichere Zukunft zu ermöglichen.

Und den NGOs muss wieder uneingeschränkter Zugang in die Geflüchteten-Camps gewährt werden, sodass die humanitäre Katastrophe endlich ein Ende hat.

Danke.

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Fasten & Gesundheit

Kunstwerk von Daniel Spoerri

Eine Exkursion in die Welt des Fastens

Detox und Entschlackung sind Begriffe, über die man zur Zeit häufig stolpert. Das Fasten scheint für viele Menschen, gerade hier im Westen, immer mehr in Mode zu kommen. Sogar die Linderung von diversen chronischen Krankheiten wird dem Fasten zugesprochen, sodass viele Heilpraktiker und Ärzte dem Ganzen sehr positiv gegenüber stehen.

Seinen Körper zu entgiften und sich von alten Essgewohnheiten zu verabschieden ist aber keineswegs neu. Fasten ist ein uraltes Ritual der verschiedensten Religionen und naturheilkundliche Therapieform zugleich.

Was hat das Fasten mit den großen Religionen dieser Welt zu tun? Und wie wird das Fasten aus medizinischer Sicht betrachtet? Hat es auch Auswirkungen auf die Psyche? Eine kleine Exkursion in die Welt des Fastens soll hier ein wenig Klarheit bringen.

Fasten in den verschiedenen Religionen

 

Fasten ist tatsächlich ein fester Bestandteil der meisten Religionen. Der Gläubige soll sich durch das Fasten wieder mehr auf seinen Glauben konzentrieren und Gott näherkommen. Alle großen Religionsstifter haben eine Phase des Verzichts erfahren. Mohammed fastete, bevor ihm der Koran offenbart wurde, Moses stieg auf den Berg Sinai und fastete 40 Tage, bevor er Gottes Wort empfing, und Jesus zog sich vor seinem öffentlichen Wirken 40 Tage zum Fasten in die Wüste zurück.

Christentum

 

Bei den Christen dauert die Fasten- oder Passionszeit von Aschermittwoch bis Karfreitag. In diesen 40 Tagen soll sich der Mensch durch Enthaltsamkeit neu besinnen, Buße tun und die Nähe zu Gott suchen. Christen denken in der Fastenzeit besonders über ihren Glauben und über ihre Lebensweise nach. Sie überlegen, was sie künftig besser machen können und wie sie anderen Menschen helfen können, denen es schlechter geht als ihnen selbst.

Es gibt heute keine strengen Regeln mehr bzw. sind diese regional recht unterschiedlich. Jeder kann für sich selbst entscheiden, ob und wie er die Fastenzeit gestalten will. Seit Jahren ruft z.B. die evangelische Kirche zu ihrer Aktion „7 Wochen ohne“ auf. Egal ob sieben Wochen ohne Fleisch, Alkohol, Nikotin, Süßigkeiten oder Fernsehen, die Menschen sollen die Zeit nutzen, ihren Lebensstil zu überdenken und neue Perspektiven zu finden.

Gernot, der Mit-Gründer von Conflictfood, hat 7 Wochen gefastet. Wir fragen nach:

Wie hast du gefastet?
Der Plan war, 7 Wochen auf Alkohol und Zucker zu verzichten.
Ist es dir gelungen?
Auf Alkohol zu verzichten, fiel mir leicht. Beim Zucker war ich anfangs sehr streng, ich habe sogar auf versteckten Zucker in Joghurts und dergleichen verzichtet. Leider habe ich bereits nach wenigen Tagen wieder aufgegeben und Zucker war schnell wieder auf meinem Speiseplan.
Warum hast du gefastet?
In meiner Kindheit war es üblich, kurz vor Ostern auf Fleisch und Alkohol zu verzichten. Ich wollte aber vor allem ausprobieren, ob ich mir ein Ziel stecken und fokussiert darauf hinarbeiten kann. Gelungen ist es dieses Jahr aber leider nur teilweise, ich versuche es aber bestimmt wieder.

Islam

Im Islam ist das Fasten ein göttliches Gebot, eine der fünf Säulen dieser Religion. Gefastet wird im Ramadan, dem neunten Monat des islamischen Mondjahres. Das Fasten hat den Charakter einer Bußübung. Die Seele soll gereinigt und geläutert, die Beziehung zu Gott und den Mitmenschen gefestigt werden.

30 Tage lang dürfen Muslime in dieser Zeit zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang nicht essen, trinken oder rauchen. Auch der Geschlechtsverkehr ist untersagt. Das abendliche Fastenbrechen findet in größeren Gruppen statt, so hat der Ramadan einen stark familiären und gemeinschaftsfördernden Charakter. Auch Gastfreundschaft und großzügige Spenden für die Armen sind während des Ramadans von großer Bedeutung. Die 30 Tage dienen auch der Reflexion: Man reflektiert die vergangenen 11 Monate versucht sich in mehr Achtsamkeit.

Salem, der Mit-Gründer von Conflictfood, fastet seit vielen Jahren im Monat Ramadan. Wir fragen nach:

Wie fastest du?
Ich faste jedes Jahr für 30 Tage. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang esse und trinke ich nicht.
Wann ist denn Ramadan genau?
Da der islamische Kalender sich nach dem Mond richtet, wandert der Monat Ramadan durch alle Jahreszeiten. Seit einigen Jahren ist es eine besondere Herausforderung weil die Sommertage so lange sind.
Warum tust du das? 
Nicht zu Essen und zu trinken sind nur die äußeren Erscheinungsmerkmale des Fastens.
Der Ramadan hat eine noch viel tiefer gehende, spirituelle Dimension. Es geht um Selbstbeherrschung und Konsumverzicht, die Materiellen Dinge des Lebens treten zurück.
Es ist nicht nur eine der Säulen meines Glaubens, es stärkt meinen Charakter und meine Willenskraft und tut Geist und Körper gut.

 

Kunstwerk von Daniel Spoerri

Buddhismus

 

Schaut man auf den Buddhismus so lehrte Buddha den Weg der Mitte, Selbstkasteiung lehnte er ab. Weder Völlerei noch Hunger sind danach empfehlenswert. Wenig essen erleichtert aber die Meditation auf dem Weg zum inneren Frieden und der Erleuchtung.

Deshalb verzichten buddhistische Mönche und Nonnen täglich nach zwölf Uhr mittags auf jegliche Nahrung. Daneben gibt es monatliche Fastentage.

Judentum

 

Im Judentum ist Jom Kippur der große Versöhnungs- und Fastentag. An diesem Tag darf weder gegessen, getrunken noch geraucht werden. Man wäscht sich nicht, ist sexuell enthaltsam und geht nicht zur Arbeit, alle zuvor begangenen Sünden sollen an diesem Tag gesühnt werden. Darüber hinaus gibt es fünf weitere allgemeine Fastentage, an denen die Juden traurigen Ereignissen der jüdischen Geschichte gedenken. An ihnen darf auch weder getrunken noch gegessen werden.

 

Fasten als Heilmethode

 

Betrachtet man das Fasten aus medizinischer Sicht, so findet man eine Vielzahl an Studien und Ratgebern, die dem Fasten eine positive Wirkung auf den menschlichen Körper nachsagen. Das Heilfasten beeinflusst ganz erheblich die Vorgänge in unserem Körper. Eine der bedeutendsten Wirkungen ist dabei die Stärkung unser körpereigenen Abwehrkräfte. Während im normalen Essalltag unser Immunsystem kräftig in den Verdauungsprozess mit einbezogen wird, kann es sich während einer Fasten-Phase deutlich stärker auf die Beseitigung krankmachender Eindringlinge stürzen. Heilfasten wird daher auch häufig als der innere, eigene Arzt bezeichnet. In den meisten Fällen ist es folglich auch eine absolut positive Reaktion des Körpers, wenn man während einer Krankheit keinen Appetit verspürt und nichts essen mag. Ein weiterer schöner Nebeneffekt des Fastens ist die zunehmende Sensibilisierung unserer Geschmacksnerven. Da kann es durchaus vorkommen, dass bereits der Geruch bestimmter ungesunder Lebensmittel plötzlich regelrecht abstoßend wirkt.

 

Entschlackung des Geistes

 

Darüber hinaus hat das Heilfasten auch eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf unsere Psyche. Nachdem die ersten, gelegentlich beschwerlichen Tage des Fastens vorüber sind, stellt sich häufig ein gewaltiger Energie-Schwung ein, der nicht nur die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit in die Höhe schnellen lässt, sondern auch den Gute-Laune-Pegel. Eine Heilfasten-Kur bringt uns nicht selten dazu, ein wenig innezuhalten und Abstand zu nehmen von der Hektik des Alltags. So können sich plötzlich lange angestaute Denkblockaden lösen oder ganz neue Ideen in den Kopf schießen.

Auch wenn diese positiven Effekte durch diversen Studien belegt werden konnten, sollte man nicht einfach so drauflos fasten. Auch wenn gesunde Menschen in der Regel zu Hause problemlos Fasten können, gibt es doch das ein oder andere, was man davor, währenddessen und danach beachten sollte.

 

Falls ihr nun neugierig geworden seid und euch selbst von der Kraft des Fasten überzeugen wollt, worauf wartet ihr?Kunstwerk von Daniel Spoerri

Hier gehts zum Shop

„Ein Ort, den es nicht geben sollte“

Im Halbstundentakt bringt „Le Shuttle“ seine Fahrgäste durch den Eurotunnel vom französischen Calais nach Dover im Vereinigten Königreich. Ungefähr 50 Euro kostet die Fahrt für jeden, der den richtigen Reisepass besitzt. Für ca. 10.000 Männer, Frauen und Kinder bleibt die Fahrt in das nur 50 Kilometer entfernte Wunschziel ein weit entfernter Traum. Seit Monaten sammeln sie sich am Stadtrand von Calais, auf einem ehemaligen Industriegelände und leben unter unzumutbaren Bedingungen in Zelten oder Containern.

Ronja Keifer hat bis vor zwei Wochen für viele Monate in Calais gelebt und als eine von vielen Freiwilligen im Camp gearbeitet. Heute wird der „Dschungel“, wie das Camp auch genannt wird- geräumt. Conflictfood traf sich zu diesem Anlass in Berlin mit Ronja zum Interview.

Was war der Grund für dich, nach Calais zu gehen?

Letztes Jahr im Sommer habe ich in den Medien erste Bilder vom Camp gesehen und bald eine gewisse Unruhe in mir gespürt. Als ich über die Gruppe L´Auberge des Migrants erfuhr, dass Freiwillige dringend gesucht wurden, fiel meine Entscheidung schnell. Ich fuhr einfach hin.

Was hast du in Calais vorgefunden?

Das Camp an diesem Ort gibt es seit April 2015. Als ich ankam, lebten im Camp etwa 3.000 Geflüchtete in improvisierten Behausungen und Menschen kamen mit Sach- und Kleiderspenden an, aber alles war sehr unsortiert und chaotisch. Bald formten sich Strukturen ähnlich wie in einem kleinen Dorf: improvisierte Moscheen, Kirchen, Schulen, Frauentreffpunkte, Handy-Ladestationen und dergleichen. Was fehlte, waren ausreichend Toiletten. Gemeinsam mit den Geflüchteten und Freiwilligen wurden Sachspenden gesammelt, sortiert und verteilt. Gemeinsam mit der Refugee Community Kitchen habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, die tägliche Versorgung mit warmen Mahlzeiten zu gewährleisten.

Wie sah der tägliche Alltag für dich in der Refugee Community Kitchen aus?

Morgens gegen acht beginnt die Arbeit in der Küche, durchschnittlich 120 Kilo Reis müssen erst gewaschen und dann gekocht werden, je nach Verfügbarkeit werden Gemüse und Hülsenfrüchte vorbereitet und zu einer warmen Mahlzeit verkocht. Auch frischer Salat wird täglich zubereitet. Jeden Tag, Montag bis Sonntag, haben wir ungefähr 2500 Portionen ausgeteilt.

Welche Rolle spielt das Essen für die Bewohner?

Eine sehr wichtige! Als „Lebensmittel“ dient es natürlich erst einmal dazu, den Hunger zu stillen, ist darüber hinaus aber auch immer mehr als nur ein einfaches Bedürfnis. Jeder Einzelne hat einen eigenen Geschmack und verbindet etwas Persönliches mit Essen. Mir ist vor allem auch bewusst geworden, dass für viele Menschen eigentlich bedeutender ist, wie gegessen wird, also zum Beispiel in großer Gesellschaft. Das was wird dann eher zur Nebensache, wobei es auch hier viele Unterschiede gibt, etwa, wie scharf ein Essen sein sollte. Im Camp selbst habe ich Essen als etwas sehr Verbindendes und Friedliches erlebt, oftmals saßen Menschen unterschiedlicher Nationen an einem Tisch, Eritreer neben Äthiopiern, Christen neben Moslems. Als das Camp immer weiter gewachsen ist, und irgendwann um die 10.000 Bewohner hatte, habe ich das Essen stärker als Notwendigkeit erlebt. Es gab mehr Druck bei der Verteilung.

Wie ging es den Bewohnern im Camp?

Die lange Zeit im Camp ist für jeden zermürbend. Neuankömmlinge kamen mit viel Hoffnung, die Tag für Tag kleiner wurde. Das nagt an der psychischen Verfassung jedes einzelnen. Es gab immer wieder Streitereien. Im Camp gab es lange Zeit keine Polizei, es gab „community leader“-System – das waren meist jene, die gut Englisch sprachen. Aufgrund der hohen Fluktuation gab es aber keinerlei Konstante, alle kommen und gehen.

Wie sah die staatliche Hilfe im Camp aus?

Staatliche Hilfe gab es viel zu wenig. Neben Sanitären Einrichtungen, Wasserstellen und Müllentsorgung gab eine Essensausgabe für ungefähr 2000 Portionen. Zwischendurch wurden Container ergänzt, in denen etwa 2000 Menschen lebten. Im Allgemeinen wurde die Notlage von der Regierung nicht rechtzeitig anerkannt. Ohne die Hilfe der vielen Freiwilligen wäre es wahrscheinlich längst schon zu einer Katastrophe gekommen.

Warum zieht es viele nach ihrem langen Weg durch Europa nach England?

Nicht alle im Camp in Calais wollen nach England, viele haben in Frankreich Asyl beantragt und bisher keinen Platz in einer offiziellen Unterkunft bekommen. Für Sudanesen ist die Chance auf Asyl in England größer, das Verfahren geht viel schneller als etwa in Deutschland oder Frankreich. Viele wollen auch aus familiären Gründen nach England, auch die Sprache ist ein Bonus weil viele Geflüchtete eher Englisch als Deutsch oder Französisch sprechen.

Gelangen Geflüchtete denn auch über den Kanal?

Manche ja, es gibt mafiöse Strukturen, die halsbrecherische Methoden anbieten. Bis zu 5.000 Euro werden für den Schmuggel verlangt. Viele versuchen sich in LKWs über die Grenze zu bringen. Für manche enden diese Versuche tödlich.

Hast auch du dich in den Monaten in Calais verändert?

Ja! Die Zeit im Camp hat mich sehr stark geprägt. Das Camp wurde schnell ein Stück weit Heimat und ich habe es wegen der Menschen sehr wertgeschätzt. Verändert hat sich für mich auch die Idee des Teilens. Anfangs hatte ich diesen „Wahn“ zu geben, ohne Ende zu arbeiten. Über die Monate habe ich gelernt, dass zum Geben auch ein Nehmen gehört – so wird es zur Chance für beide. Also habe ich begonnen, Einladungen zum Tee, zum Essen oder einfach zum Gespräch dankend anzunehmen.

Gerade wird das Camp von der Polizei geräumt. Wie geht es dir damit?

Ich habe dabei gemischte Gefühle. Einerseits denke ich mir: Endlich tut sich was, denn so ging es nicht mehr weiter. Dieser Ort sollte nicht existieren! Andererseits habe ich Sorge um die einzelnen Menschen und ihre Schicksale. Ich hoffe auf eine friedliche Räumung und dass jeder eine sichere Heimat findet.

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Conflictfood & Slowfood

Slow Food statt fast Food

Essen ist Genuss – geschmacklich und verantwortungsbewusst. Darum sucht Conflictfood kulinarische Spezialitäten in Konfliktregionen mit dem Ziel die Strukturen vor Ort zu stärken.

Der Aufbau solcher Handelsbeziehungen ist keine Aufgabe, die man von heute auf morgen erledigt. Sie erfordert Fingerspitzengefühl und ist ’slow‘! Slowfood, eine Organisation die vor 30 Jahren als Gegenbewegung zum Fastfood gegründet wurde hat es sich zur Aufgabe gemacht, unsere wertvolle Kultur des Essens und Trinkens am Leben zu erhalten.Der Maßstab von Slowfood ist: gut, sauber und fair! Geschmacklich einwandfrei und nachhaltig erzeugt mit einer fairen Entlohnung für die getane Arbeit. Die Lebensmittel sollen so produziert werden, dass weder Mensch, Natur noch Tier dabei zu schaden kommen und das passiert nicht im Geschwindigkeitsrausch. Genau dafür steht die Weinbergschnecke, das Logo von Slowfood: Qualität braucht Zeit. Dazu gehört nun mal auch eine nachhaltige und umweltfreundliche Lebensmittelproduktion, die auch unsere biologische Artenvielfalt schützen soll.

Deswegen haben die Slowfood Genießer vor 10 Jahren ein weiteres Projekt ins Leben gerufen: Die Arche des Geschmacks. Diese schützt weltweit über 3.000 regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen und Verschwinden, die unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen am Markt nicht bestehen oder „aus der Mode“ gekommen sind. Mit dem Wissen, dass biologische Vielfalt regionale Wurzeln besitzt, bewahrt die „Arche des Geschmacks“ das kulinarische Erbe der Regionen. Schwerpunkt der Arbeit ist das aktive Sammeln, Beschreiben, Katalogisieren und Bekanntmachen der Passagiere. Das Motto lautet: Essen, was man retten will! Denn: Was nicht gegessen wird, wird nicht nachgefragt, kann also nicht verkauft werden und wird deshalb nicht hergestellt. Die „Arche des Geschmacks“ ist ein eingetragenes Warenzeichen von Slow Food International. Das Projekt wurde 1996 ins Leben gerufen, in Deutschland gibt es zur Zeit 58 Arche-Passagiere.

Die Biodiversität Palästinas

Auf dem diesjährigen Festival Stadt Land Food haben wir von Conflictfood uns mit Slowfood Berlin zusammengetan und die kulinarische Vielfalt Palästinas verkostet.Unsere vielfältige Ernährung ist eng verbunden mit unserer kulturellen Identität. Was nicht nachgefragt wird, wird nicht produziert und ein großer Teil unseres Kulturguts geht verloren. Identität spielt für das Leben und Überleben der Palästinenser eine wichtige Rolle. Auch in der palästinensischen Küche sind zahlreiche identitätsstiftende und traditionelle Kulturgüter zu finden: Beispielsweise Akkoub und Loof. Beide Pflanzen gelten als Delikatessen – wenn man weiß, wie man sie richtig zubereitet. Akkoub ist eine Wildpflanze, die in Berglandschaften zu finden ist. Seine Vorbereitung wurde sogar einst als Ritual gefeiert. Ebenso wie Loof! Die Zubereitung von Loof ist besonders schwierig, da die Pflanze roh giftig ist und schnell einen starken bitteren Geschmack hervorrufen kann. Wegen dieser Schwierigkeiten sind beide Pflanzen in Gefahr aus der kulinarischen Welt zu verschwinden.

Akkoub

Freekeh

Ein weiterer Passagier, der einen Ehrenplatz auf der Arche einnimmt, ist Freekeh. Freekeh ist ein grün geernteter und über Flammen gerösteter Weizen mit jahrtausendalter Tradition. Das Wort Freekeh kommt aus dem Arabischen und bedeutet „reiben“. Denn die Geschichte besagt, dass Freekeh durch einen Zufall entdeckt wurde. Bei einem Angriff auf ein Dorf wurden junge Weizenfelder in Brand gesetzt. Die Dorfbewohner versuchten verzweifelt ihre Ernte zu retten indem sie den verbrannten Teil abrieben. Heraus kam ein gerösteter, köstlicher Kern! Und somit erhielt das Weizen seinen Namen. Es gilt als Spezialität in vielen arabischen Ländern, insbesondere in Palästina und viele traditionelle Gerichte werden mit dem Weizen kombiniert. Denn es ist ein natürlicher Gesundheits-Booster, eine Proteinquelle und reich an Ballaststoffen. Es ist die ideale Ergänzung für Sportler und sogar sehr gut für Diabetiker geeignet! Und das Wichtigste: Es ist super lecker.

 

In Syrien, Palästina uns Jordanien steht das besondere Korn schon seit vier Jahrtausenden auf dem Speiseplan. In Europa ist es noch weitgehend unbekannt. Im Norden der Westbank, der Kornkammer Palästinas, hat Conflictfood eine Gruppe von Bio-Bauern getroffen, die Freekeh nach alter Tradition anbauen und ernten. Diesen Bauern möchten wir neue Absatzmärkte eröffnen und ihnen durch direkten und gerechten Handel eine stabile wirtschaftliche Perspektive bieten.Get Freekeh!Unser Konsum hat Auswirkungen auf andere Menschen auf der Welt. Wir möchten gemeinsam mit dir neue Wege gehen und zeigen, dass soziale Verantwortung und Handel betreiben, sich nicht ausschließen, sondern zusammengehören. Conflictfood ist deine Alternative. Wie begegnen unseren Partnern respektvoll und auf Augenhöhe.

Lasst uns gemeinsam mit der Arche des Geschmacks das Kulturgut Freekeh vor der Vergessenheit bewahren und gleichzeitig die Bauern aus der Westbank unterstützen. Damit wir unser Essen in vollen Zügen genießen können: geschmacklich und verantwortungsbewusst.

Hier gibt es unser Conflictfood Freekeh

Kuriose Fakten über Afghanistan Vol. 1

Conflictfood möchte euch eine andere Perspektive auf Krisenregionen jenseits des dominanten Krisenimages bieten.

In unserer Reihe Kuriose Fakten versorgen wir euch regelmäßig mit einer Dosis an spannenden, amüsanten und skurrilen Infos aus allen Lebensbereichen unserer Partnerländer.

Volume 1 kombiniert Sport, Diversität und Bling Bling – schon gespannt? Los geht’s, mit den ersten drei Fakten…

habt ihr gewusst, dass beim afghanischen nationalsport eine tote ziege eine Rolle spielt? 

Buz“ ist das Wort für „Ziege“ in Dari. Der Sport Buzkashi meint also wortwörtlich „Ziege ergreifen„.

Der Sport ähnelt einer wilden Form des Rugby, ausgetragen auf dem Rücken von Pferden. Ziel ist es den von Wasser durchtränkten, kopflosen Kadaver einer Ziege von der einen Seite des Spielfeldes zur einem festgelegten Punkt auf der anderen zu bringen.

Vor dem Spiel wird die tote Ziege in Wasser eingeweicht, damit der Körper härter und zäher wird. Dann wird sie in einem Kreidekreis auf dem Boden platziert. Nach dem Startschuss versuchen beide Teams den Kadaver zu ergattern und zu einer Kreidemarkierung auf der anderen Seite des Feldes zu bringen. Gewonnen hat das Team, dass den größten zusammenhängenden Teil der Ziege zuerst dorthin bringt.

Man munkelt, dass sich Buzkashi bei der Invasion von Dschingis Khan 1219-21 entwickelt hat, als die plündernden Mongolen auf ihren Pferden im Galopp durch die afghanischen Gemeinden fegten.

Viele Afghanen würden Buzkashi gerne bei den Olympischen Spielen sehen. Schon einige Male wurde der Sport dem Olympischen Komittee vorgestellt. Aber, obwohl erst kürzlich neue Regeln aufgestellt wurden und Buzkashi von Afghan Airlines und verschiedenen Geschäftsleuten gesponsert wird, sieht es wohl nicht danach aus, dass das Reiterspiel in naher Zukunft in den olympischen Kanon aufgenommen wird.

Fliegende Hufe, scharfe Peitschen, wildes Gerangel und ein Gemenge von großartigen arabischen Pferden – beim knallharten Sport gewinnen nur die rauhesten Reiter.

Habt ihr gewusst, wie ethnisch vielfältig die afghanische bevölkerung ist? 

In Afghanistan leben vielfältige ethnische Gruppen mit unterschiedlichen linguistischen und religiösen Identitäten. Lange Zeit sorgte die afghanische Topografie dafür, dass Gemeinschaften voneinander isoliert blieben. Dies änderte sich jedoch durch den zunehmenden Verkehr auf der Seidenstraße. So wurde Afghanistan zum Transitland für Händler, die ihre Waren von China in die westliche Welt brachten. Die Straße förderte eine nomadische Entwicklung im Land, wodurch sich Menschen von unterschiedlicher Identität miteinander vermischten. Mit dem Ausbau des Kommunikations- und Straßensystems und der Konsolidierung des Staats verstärkte sich der Kontakt zwischen den Gruppen im Laufe des 20. Jahrhunderts. Trotz der zunehmenden Gewalt und der Stagnation der Entwicklung während des jahrzehntelangen Konfliktes blieben die diversen Ethnien miteinander verbunden.

Paschtunen bilden die größte Stammesgemeinde weltweit und sind auch in Afghanistan die größte ethnische Gruppe. Etwa 40% der afghanischen Bevölkerung sind Paschtunen. Die meisten von ihnen sind Sunniten. Bereits seit dem 18. Jahrhundert sind sie in Afghanistan an der Macht.

Tadjiken sind ebenfalls größtenteils Sunniten, aber sie sprechen Dari. Sie machen 30% der afghanischen Bevölkerung aus. Für eine lange Zeit waren sie die am stärksten urbanisierte Gruppe. Heute leben viele jedoch sehr verstreut in nord und nord-östlichen Gebieten, wie Badakhstan und in der Provinz Herat entlang der Grenze zum Iran.

Hazaras folgen an dritter Stelle (15% der Bevölkerung). Die Mehrheit lebt in Hazarajat, einer Region in den zentralen Hochgebirgen, die sie bis zum Ende des 19 Jahrhunderts autonom regierten. Viele gehören den Schiiten (Zwölferschiiten) an. Sie sprechen Hazaragi, einen Dialekt, der Dari nahesteht und viele türkische und mongolische Ausdrücke verwendet.

Usbeken und Turkmenen bilden 10% der afghanischen Bevölkerung. Sie sind Suniiten und stammen ursprünglich von nomadischen Stämmen aus Zentralasien ab. Ihre Sprache entwickelte sich aus der türkischen Sprachfamilie. Traditionell werden sie mit dem Areal nordwestlich des Hindu Kusch, in der Nähe der Grenze zu Usbekistan und Turkmenistan assoziiert.

Aimaqs bilden mit 5% der Bevölkerung die kleinste Gruppe. Sie sind Sunniten und sprechen Dari, verwenden jedoch viele Begriffe, die dem Türkischen entlehnt sind. Ihre Gemeinden sind hauptsächlich im Westen des Hindu Kusch angesiedelt, östlich von Herat und westlich von Hazarajat.

Farsiwanen leben im Westens Afghanistans, in der Nähe der iranischen Grenze. Sie sprechen einen persischen Dialekt, ähnlich dem Dari und gehören zu den Zwölferschiiten.

Nuristani siedeln in den östlichen afghanischen Gebirgen. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit der Landwirtschaft und Viehzucht. Sie sind Sunniten und sprechen eine sehr alte Sprache, die Elemente aus dem Persischen und Hindi miteinander verbindet. Ihre Heimat sind die isolierten Täler und unwegsames Gelände. Ursprünglich haben Nuristanis eine besondere Kultur basierend auf einer politheistischen Religion, aber Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie von einfallenden Stämmen dazu gezwungen zum Islam zu konvertieren.

Kirgisen sind eine türkisch-sprachige Gruppe. Vor dem Krieg lebten die meisten im Pamir Wakhan Korridor – dem langen dünnen Streifen, der sich von der nordöstlichen Provinz Badakshan bis zur Grenze zu China zieht. Sie züchten Yaks, Ziegen und Kamele. Leider leben nur noch wenige Kirgisen heute in Afghanistan, da viele im Zuge der sowjetischen Besatzung in die Türkei, China und Pakistan flüchten mussten.

Daneben gibt es noch weitere kleinere ethnische Gruppen, wie die Pashayi, Baloch, Pamiris, Brahuis, Mongolen, Qizilbash, Hindus, Kohistani, Gujars und Sikhs.Habt ihr gewusst, dass die Ägyptischen PharaoNen Afghanischen Bling Bling liebten?Der dunkelblaue Lapislazuli ist einer von Afghanistans einzigartigsten und schönsten Schätzen. Die Pharaonen im alten Ägypten liebten es sich mit Juwelen aus diesem kostbaren Material zu schmücken. Deshalb fanden sie Wege um die Edelstein aus den fernen Minen zu importieren.

Afghanistan war die Quelle des Lapilazulis für antike ägyptische und mesopotamische Zivilisationen, ebenso wie für die Griechen und Römer.

Man findet den Edelstein im Kalkstein des Kokcha Flusstales in der Badakhshan Provinz im Nordosten des Landes, dort wo die Sar-e-Sang Minen seit mehr als 6000 Jahren arbeiten.

Daneben verfügt Afghanistan auch über natürliche Ressourcen an Zink, Gold, Kupfer und Eisen, die zumeist im Südosten abgebaut werden. Außerdem wurden kürzlich Erdöl und Gasvorkommen im Norden gefunden, die sich als wichtige Quelle erweisen könnten. Weitere Ressourcen des Landes sind Uran, Kohle, Salze u.a..

Kuriose Fakten Volume 2 folgt in Kürze – bleibt dran und unterstützt Conflictfood!

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Poppy Trails – Vielseitige Abhängigkeiten vom afghanischen Mohn

Poppy, das englische Wort für Mohn, klingt harmlos, beinahe niedlich und das weiß-rosa bis knallrote Blütenmeer eines Mohnfeldes, vermittelt eine romantische Atmosphäre. Dass die Realität nach der Ernte der Mohnfelder brutal anders aussieht, zeigen Robert Knoth und Antoinette de Jong mit ihrer Kunst-Installation ‚Poppy – Trails of Afghan Heroin’, die derzeit im c/o Berlin Ausstellungshaus für Fotografie Interessierten die Augen öffnen soll.

Über zwei Jahrzehnte lang haben die beiden Künstler die Routen des afghanischen Heroins verfolgt, die von Afghanistan in alle Himmelsrichtungen verlaufen, über Russland nach Westeuropa und China, nach Ostafrika und Dubai. Ihre multimediale Installation dokumentiert die dunkle Seite der Globalisierung: brutale Bandenkriege, illegale Geldwäsche, Korruption, Frauenhandel und tödliche Sucht – ein beeindruckendes Kaleidoskop von Kriminalität, Krise und Chaos.

Einst war die durch Afghanistan verlaufende Seidenstraße ein berühmter Handelsweg über den Güter, Kulturen und Religionen ausgetauscht wurden. Heute werden über die Trasse vielmehr Drogen geschmuggelt und Chaos geliefert. Dort wo Konflikt und Kriege herrschen gedeiht auch der Opiumhandel, „er liebt smuta, das russische Wort für Chaos und Verwirrung. Wo immer die Heroin-Karawane vorbeikommt, entsteht organisiertes Verbrechen. Es wird so viel Geld damit gemacht, dass ganze Nationalstaaten untergraben werden“ erklärt eine resigniert wirkende Frauenstimme zu den wechselnden Bildern von Dealern, Gefangenen, Prostituierten, Grenzsoldaten, Polizisten und Kindern. In Konfliktregionen regiert Smuta und Drogen sind ein integraler Antrieb der Unordnung.

Afghanistans Abhängigkeiten

 

Afghanistan produziert über 90 % des gesamten Opiums weltweit, es ist ein Zentrum des globalen Drogen-Netzwerkes. 50 Milliarden US-Dollar werden jährlich mit afghanischem Heroin verdient. Den Löwenanteil sahnen dabei definitiv nicht die Kleinbauern ab, die den Mohn produzieren. Am meisten profitieren korrupte Staatsbeamte, mächtige Warloards und in Afghanistan die Taliban. Nichtsdestotrotz bildet die Opiumproduktion die Lebensgrundlage vieler Landwirte. Obwohl ihre Lage in der Schattenökonomie alles andere als rosig ist, würde der Alltag ohne die rosaroten Blumen wohl momentan noch düsterer aussehen. Denn, wie ein Gouverneur aus Kandahar, einer der Hochburgen des Schlafmohnanbaus und der Taliban, im Jahr 2014 der ARD erklärte:

„Der Bauer profitiert vom Mohnanbau mehrfach. Für Mohn braucht er keine Straße, kein Kühlhaus, keinen Traktor, die Bauern können ihre zehn Kilo Schlafmohn selber zu ihren Lagern tragen oder wo immer sie die Ware verkaufen wollen. Und das Beste: Die Einkäufer kommen sogar zu ihnen, um den Mohn zu kaufen.“ Opium und Heroin sind wirtschaftlich potente Güter, die in harten Deals verhandelt werden, aber mit dem Gebrauch Gesellschaft und Menschen schwächen und in unwiderruflich in Abhängigkeiten führen. Insgesamt konsumieren weltweit etwa 15 Millionen Menschen Heroin, produziert aus afghanischem Mohn. Laut des UN-Büros für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung (UNODC) sind acht Prozent der afghanischen Bevölkerung drogenabhängig, das sind etwa eine Million der 15- bis 64-Jährigen und damit doppelt so viele wie der weltweite Durchschnitt. Viele Nutzen Heroin und Opiate als Medikation gegen die Tristesse des Lebens in der Krise.Drogenkonsum auf den Straßen KabulsBereits seit Jahrhunderten wird Opium als Beruhigungs- und Schmerzmittel verwendet. Aber, erst im Laufe der 1980er Jahre stieg Afghanistan als Drehscheibe der globalen Versorgung auf. Während der sowjetischen Besatzungszeit wurden Heroin und Opium geschmuggelt, um mit dem Erlös Waffen im Krieg gegen die Sowjetunion zu finanzieren. Nach dem Ende der Besatzungszeit kämpften verschiedene Mujaheddin-Gruppen um die Handelswege. Wer den Opiumhandel kontrollierte sicherte sich Macht. 1999 sorgte eine Reform der Taliban für die Zerstörung von 90% der Anbauflächen, künstlich erhöhten sie dadurch die Preise der Droge. Erst mit dem Fall der Taliban nach dem 11. September und der amerikanischen Intervention in Afghanistan stieg die Produktion wieder rasant an. Zwischen 2001 und 2007 erhöhten sich die Ernten von 185 Tonnen auf 8200 Tonnen.

Das globale Netzwerk

 

Diese Zunahme der Produktion verdeutlicht auch, dass Afghanistan eine steigende internationale Nachfrage bedient. Mit einer riesigen Infografik veranschaulichen Knoth und de Jong, dass die Drogen-Route sich keineswegs auf die ehemalige Seidenstraße beschränkt, sondern über ein komplexes Netzwerk verläuft. Die darauf abgebildeten Handelsbeziehungen stehen musterhaft für den Zusammenhang von Konflikt, Schattenökononomie und Drogenhandel. Länder, die historisch an dem Afghanistan-Konflikt beteiligt waren, sind auch heute noch maßgeblich in den Drogenhandel involviert. Gegenwärtig ist Russland stärkster nationaler Abnehmer, mit 21% afghanischen Heroins, und auch nach Ostafrika fließen etwa 10% der Ernten (Hintergrund: Somalische Kämpfer unterstützten die Mujaheddin damals im Kampf gegen die Sowjets).Die in der Kunstinstallation dargestellte Komplexität des Drogennetzwerkes verdeutlicht, dass ein eindimensionaler War-on-Drugs, der einzig auf die Verhaftung der Dealer und Zerstörung von Ernten abzielt, keinen Erfolg haben kann. Als Teil der Schattenseite der Globalisierung ist der Heroin- und Opiumhandel historisch gewachsen und stark vernetzt, zu viele Puzzleteile ergeben das Gesamtbild, zu viel hängt von den bunten, berauschenden Mohnblüten ab.

 

Safran statt Opium!

 

Aber, man kann den afghanischen Kleinbauern eine Alternative bieten: Safran! Safran ist der perfekte Ersatz für Mohn, weil sein Anbau die gleichen Vorteile für die Bauern bietet: die Blüten bringen hohe Gewinnspannen und erfordern geringe landwirtschaftliche Infrastrukturen.

Deshalb importiert Conflictfood afghanischen Safran – um die Mohnproduktion zu entwurzeln. Mach mit und hilf uns dabei die Konfliktökonomie Afghanistans zumindest teilweise zu entwaffnen!

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Das Friedenshaus „Paiwand-e-Noor“

In Bildung investieren

 

Kinder sind die Zukunft eines jeden Landes. Deshalb gehört die Bildung von ihnen zu den nachhaltigsten Projekten, die eine Gesellschaft leisten kann – wenn sie es sich leisten kann. Conflictfood fördert mit einem Teil der Einnahmen Bildungsprojekte in den Herkunftsländern. Diese suchen wir sorgfältig aus und überzeugen uns persönlich von den Standards. Mit Conflictfood wird dein Kauf zu einem Schritt in Richtung Frieden!

In Afghanistan haben wir von Conflictfood ein ganz besonderes Projekt besucht – ein Kinderheim, dass zugleich Waisenhaus, Schule und Schutzraum ist – und kriegsversehrten Kindern ein Zuhause bietet, sie fördert und zugleich fordert. 103 Mädchen und Jungen haben an einem lichtdurchfluteten Ort am Rand von Kabul ihr Zuhause gefunden. Nicht umsonst trägt das Friedenshaus den Namen „Paiwand-e-Noor“ – auf Deutsch: „Quelle des Lichts“ – es bietet Kindern einen Zufluchtsort jenseits der Schatten des Krieges.

Vom Krieg gezeichnet

 

Das im Jahr 2005 errichtete Haus beherbergt nicht nur Waisen, sondern auch Kinder, die in ihren Familien nicht ausreichend versorgt oder gefördert werden können. Knapp die Hälfte der Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren hat keine Angehörigen mehr, oder stammt aus weit entfernten Provinzen. Die andere Hälfte der Mädchen und Jungen übernachtet noch bei ihren Familien. Sie werden morgens vom hauseigenen Fahrdienst abgeholt und abends wieder zurück gebracht.

Alle Kinder die hier spielen und lernen, sind schwer vom Krieg gezeichnet. Geboren in einem Land, in dem seit 38 Jahren Krieg herrscht, erlebten sie tagtäglich die dunkle Seite des Konflikts. Viele sind aufgrund von Kriegsverletzungen körperlich behindert und seelisch traumatisiert. Einige sind auf Minen getreten oder wurden durch Granaten versehrt, andere wurden von durch die, von der Sowjetarmee eingesetzten Schmetterlingsbomben verstümmelt – Bomben, die auf eine perfide Weise als Spielzeug oder Kugelschreiber getarnt sind, damit sie Kinder anlocken, die sie beim Spielen auslösen.

Wegen ihrer körperlichen und seelischen Probleme ist vielen Kindern und Jugendlichen eine Integration in die Gesellschaft erschwert. Ziel des Projektes ist, diese Kinder aufzufangen, ihnen ein familiäres Umfeld zu bieten und eine schulische und berufliche Ausbildung zu ermöglichen, damit sie ein selbstbestimmtes Leben führen können.

Bildungswege in eine unabhängige Zukunft

 

Konkret setzt sich „Paiwand-e-Noor“ dafür ein, dass die Kinder und Jugendlichen am regulären Schulunterricht in staatlichen Schulen teilnehmen und einen national anerkannten Schulabschluss erreichen. Danach können sie sich für eine handwerkliche Ausbildung oder einen höheren Bildungsweg entscheiden. Dabei achten die Betreuer darauf, dass Kinder mit physischen und psychischen Einschränkungen besonders gefördert werden. Sie und ehrenamtliche Nachhilfelehrer der privaten Universität Kabul begleiten ihre Schützlinge beim Lernen über den normalen Schulunterricht hinaus. In „Paiwand-e-Noor“ können sie Tischlern, Schreinern oder Schneidern lernen, handfestes Wissen, das ihnen einen Lebensunterhalt ermöglichen wird.

Träumen statt Traumata

 

Bei gutem Wetter tummeln sich die Kinder draußen auf dem kleinen Spielplatz oder dem Rasenfußballplatz. Durch eine Kooperation mit einem nationalen Sportclub können sie dessen Räumlichkeiten kostenlos nutzen und ihre Lieblingssportart dort ausüben. Bewegung ist ein emotionales Ventil und eine Möglichkeit der Verarbeitung ihrer traumatischen Vergangenheit. Egal, welche Einschränkungen sie durch den Krieg erleiden mussten – hier sind sie ein Team.

Um den Kindern bei der Bewältigung ihrer psychischen Traumata aktiv zu helfen, bekommt „Paiwand-e-Noor“ regelmäßigen Besuch von der Psychotherapeutin Karin Struck aus Deutschland. Während ihres Aufenthaltes in Kabul wohnt und arbeitet sie zusammen mit den Kindern. Da sie die lokale Sprache Dari spricht, kann sie sehr schnell Kontakt zu den Kindern knüpfen und helfen ihre psychische Verfassung zu stabilisieren und zu verbessern.

Gleichzeitig werden die Kinder von dem Arzt Dr. Gulab Gul betreut. Dr. Gul war selbst ein vom Krieg betroffenes Flüchtlingskind. Daher ist er mit Herz und Seele für die Kinder von „Paiwand-e-Noor“ da.

Gemeinschaft wird groß geschrieben

 

Die Vermittlung wichtiger Werte wie Verständnis, Freundschaft, Toleranz und geschlechtliche Gleichberechtigung sind Grundpfeiler der Erziehung von „Paiwand-e-Noor“. Familiäre Strukturen und Gemeinschaft bilden die Basis des Zusammenlebens. In den belebten Gemeinschaftsräumen ist immer viel los. Zusammen wird hier gebastelt, gehäkelt und gespielt. Die Schlafsäle sind so eingerichtet, das jedes Kind sein eigenes kleines Reich mit einem Bett und einem Schrank hat – das ist nicht viel, aber trotzdem mehr, als die meisten Familien ihnen zu Hause bieten könnten.

Trotzdem waren bis vor einigen Jahren die Lebensbedingungen im Haus nicht optimal. Das Dach war undicht, die Fenster zugig und der Putz bröckelte von den Wänden. Die eindringende Feuchtigkeit und Kälte begünstigten typische Wintererkrankungen, wie die Grippe. Im Jahr 2015 liefen endlich neue Renovierungsarbeiten an und die Kinder waren aktiv daran beteiligt und es wurde gemeinsam angepackt: Sie durften die neuen Farben aussuchen und bei den Handwerkern hospitieren, um praktisches Fachwissen für ihre Zukunft zu lernen. Jetzt ist das Haus für die stark schwankenden afghanischen Wetterbedingungen im Winter und Sommer gewappnet.

Der Beginn einer Erfolgsgeschichte

 

Zum Ende des Jahres 2014 haben 14 von den 111 Kindern die Schule erfolgreich abgeschlossen. Drei von ihnen haben ein Studium begonnen und eine arbeitet bereits in einer Gemeinschaftspraxis als Zahnärztin. Die anderen elf Absolventen haben ebenfalls erfolgreich ein Beschäftigungsverhältnis gefunden. Sie alle kommen ab und zu auf einen Besuch vorbei und fühlen sich immer noch ganz wie zu Hause.

Das Projekt „Paiwand-e-Noor“ ist ohne zeitliche Begrenzung angelegt. Abdul Saboor, der Projektleiter, ist verpflichtet in regelmäßigen Abständen Berichte an den Verein für Afghanistan Förderung Bonn zu senden. Damit, und durch regelmäßige Besuche, prüft der Verein die Entwicklung des Hauses. Dank der Förderung der Else Kröner-Fresenius-Stiftung hat sich „Paiwand-e-Noor“ seit 2014 hervorragend entwickelt. Durch drei verschiedene Ausstrahlungen im afghanischen Fernsehen ist das Projekt im Land sehr bekannt und beliebt geworden – bereits 200 Kinder stehen auf der Warteliste.

Allerdings ist der Förderungszeitraum im Frühjahr 2016 abgelaufen und die Zukunft des Hauses unsicher. Die finanzielle Zuwendung aus den Erlösen des Safran-Verkaufes von Conflictfood kommt also genau im richtigen Moment. Conflictfood möchte „Paiwand-e-Noor“ unterstützen, damit den Kindern auch in Zukunft ein stabiles Zuhause geboten werden kann. Neben der Deckung von Personal und Instandhaltungskosten soll auch in eine neue Computerausstattung investiert werden.

Projekte wie „Paiwand-e-Noor“ sind Gold wert, wenn wie im Fall von Afghanistan die finanziellen Mittel oder schlichtweg der soziale Rahmen fehlen, um Kinder angemessen zu fördern.Genau deshalb fördert Conflictfood den Fluss von finanziellen Mitteln nach „Paiwand-e-Noor“, damit die Quelle des Lichts nicht versiegt.

Mit den Kindern und den Betreuern drei Tage verbringen zu können, war eine enorme Bereicherung für uns! Wir durften mit den Kids Fußball spielen, sie beim Handarbeiten begleiten und uns zwei wunderbare Schals stricken lassen. Wir freuen uns auf das nächste Mal mit euch!

Helft uns mit dem Kauf des Conflictfood Safrans, das Friedenshaus zu unterstützen!

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Next Organic Startup Award Winner!

Wir sind total happy und freuen uns sehr, den Next Organic Startup Award gewonnen zu haben!

Genuss ist auch politisch und erfordert nachhaltiges Handeln und Denken! Darüber war sich die hochkarätige Jury mit Conflictfood einig und hat uns aus einem ganzen Berg toller Produkte zum besten Handels- und Vermarktungskonzept gekürt.Die Jury liest interessiert die Conflictfood BroschüreEine Fülle an tollen eingereichten ProduktenDie Jury wählt den Next Organic Startup GewinnerBesucht uns am 22. und 23. Mai auf der Next Organic. @STATION Berlin.

Ein herzliches Danke an das Team der Next Organic Berlin und an die Mitglieder der Jury Renate Künast Simone Blömer von der IHK Berlin, Milena Glimbovski von Original Unverpackt , Anna Theil von startnext, Martina Merz von der | mërz punkt | umweltorientierte designagentur, Werner Landwehr von der GLS Bank, Georg Kaiser von der BIO COMPANY GmbH, Norbert Kunz vom Social Impact Lab Berlin , Hendrik Haase/ wurstsack !

 

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Warum Conflictfood?

Die aktuellen Fluchtursachen und die Menschen die wegen Krieg und Elend nach Europa kommen sind der Auslöser für unser Projekt.

Conflictfood möchte einen Beitrag leisten, globale Fluchtursachen an der Wurzel zu bekämpfen. Denn die westliche Welt muss sich selber an der Nase nehmen, ist sie doch mitverantwortlich, dass weite Teile der Welt durch Kriege und Krisen strukturell geschwächt sind.

Unser Ziel ist es diese Regionen zu stärken und durch den Handel unsere/ eine andere Geschichte über das jeweilige Land zu erzählen. Dies sind Länder die in den Medien oftmals zu einseitig oder gar nicht behandelt werden.

Conflictfood möchte eine langfristige, wirtschaftliche Zusammenarbeit aufbauen und eine friedliche Perspektive eröffnen. Mittels Wertschätzung der Menschen, ihrer Arbeit, ihrer Produkte möchten wir eine Begegnung auf Augenhöhe ermöglichen.

Mach mit und unterstütze unsere Idee!

Conflictfood – Wir über uns

Wir haben Conflictfood 2015 gegründet, mit dem Ziel, eine langfristige, wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Menschen aus Konfliktregionen aufzubauen und ihnen eine friedliche Perspektive zu ermöglichen. Uns liegt am Herzen, eine andere Geschichte von Ländern und Menschen zu erzählen – eine Geschichte voller Vielfalt und Freude.

Wir möchten unseren Beitrag leisten, globale Fluchtursachen an der Wurzel zu bekämpfen. Flüchtlingshilfe in Europa ist richtig und notwendig, aber noch wichtiger ist, dass wir den Menschen in den Konfliktländern eine friedvolle Zukunft ermöglichen, damit sie nicht aus ihrer Heimat fliehen müssen.

Unser internationales Team lebt und arbeitet in Berlin. Jeder einzelne von uns bringt mit seiner beruflichen Vorgeschichte, seinen Wurzeln und seinem Wissen unterschiedliche Aspekte ein. Uns alle eint ein ausgeprägtes Interesse an politischen Zusammenhängen, globalen Lösungen – aber auch an gesunden Lebensmitteln und Essen als völkerverständigendes und über Nationalgrenzen hinausgehendes Gesellschaftsprinzip.

Salem El-Mogaddedi

Co-Founder, Idea & Communication

Salem kommt aus dem Bereich Mode, Verkauf und Marketing. Als freier Mitarbeiter hat er für NGO’s gearbeitet und war projektbezogen in Afghanistan und in Flüchtlingscamps in Pakistan vor Ort.

Zusätzlich hat er im Zuge eines UNESCO-Kunstprojektes mit zahlreichen Botschaften und diplomatischen Vertretungen in Berlin zusammengearbeitet.

Salem lebt seit fast zehn Jahren in Berlin; und er liebt es, die Stadt zu erkunden und sich jeden Tag aufs Neue überraschen zu lassen. Er geht oft auf Entdeckungstour nach geheimen und verlassenen Orten, aber auch nach neuen Restaurants und Cafés.

Gernot Würtenberger

Co-Founder, Strategy & Business

Gernot hat als Architekt und Stadtplaner in Wien und Berlin gearbeitet. Als ausgebildeter Mediator besitzt er tiefgreifende Kenntnisse im Bereich der Konfliktvermittlung.

Zudem hat er viele Jahre ehrenamtlich im „Weltladen“ gearbeitet, einem Fairtrade-Shop in Österreich.

Gernot fotografiert leidenschaftlich gerne, und wenn die Sonne scheint ist er in seinem Kayak auf der Spree zu finden.

Laura Hellwig

Projektleitung & Editorial

Laura zieht es immer wieder in die Ferne. Das Studium der Internationalen Entwicklung und Kommunikationswissenschaft führte sie nach Wien, Berlin und Perth. Zuvor engagierte sie sich in sozialen Projekten in der Dominikanischen Republik. Ihr Interesse an Friedens- und Konfliktforschung und ihre große Leidenschaft fürs Kulinarische brachten sie zu Conflictfood.

Conflictfood möchte Frieden kultivieren!

Dazu reisen wir persönlich in Krisen- und Konfliktregionen dieser Welt, um vor Ort die besten, landestypischen Agrarprodukte zu finden und einen direkten Handel mit Kleinbauern zu betreiben. Wir möchten unseren Partnern langfristig eine Perspektive schaffen und lokale Strukturen stärken.

Den Bauern oder kleinen Kooperativen kaufen wir Gewürze, Öle und Trockenfrüchte fair ab und bringen diese nach Berlin. Hier werden die Produkte in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung abgefüllt, in ansprechendem Design verpackt und für den Versand und Verkauf vorbereitet.Informationen über Länder und Konflikte liegen den Produkten in Form eines Booklets bei, Website und Blog dienen als Plattform für weiterreichende Information und Dialog. Über Social-Media laden wir ein zu öffentlichen Diskussionen.

Zusätzlich geht beim Kauf jedes Produktes 1 Euro an eine soziale Einrichtung des Herkunftslandes. Auch diese wird von uns persönlich besucht und der Geldfluss wird transparent dokumentiert.Durch den Kauf jedes Conflictfood Produktes kannst du aktiv dazu beitragen, die Welt ein Stück friedvoller zu gestalten.