Wir backen einen Safran-Hefezopf!

Feierst du Ostern?

Im Christlichen Jahreskalender ist Ostern ja eigentlich das wichtigste Fest. An Ostern feiern viele Gläubige den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus.

Aber Ostern ist auch Frühlingsanfang, Brauchtum und vor allem die Zeit traditionsreicher Speisen und ausgiebiger Festtagsessen.

Traditionell wird am Gründonnerstag gerne Grünes gegessen, Karfreitag Fisch und am Karsamstag wird gebacken: Osterfladen, Osterlämmer aus Biskuitteig und der traditionelle Osterzopf, der am Ostersonntag allerorts auf den reich gedeckten Tischen steht.

Die Fastenzeit ist vorüber, üppige und luxuriöse Speisen dürfen wieder gegessen werden – allen voran das kostbarste aller Gewürze: der Safran!

Safran-Hefezopf

Zutaten

 

0,2 g Conflictfood-Safran

¼ l lauwarme Milch

20 g frische Hefe

70 g Zucker

2 Bio-Eier

1 Prise Salz

500 g Mehl

80 g weiche Butter

1 msp. frisches Vanillemark

2-3 el Hagelzucker

 

Zeit 3 Stunden (inkl. Ruhe- und Backzeit)

Rezept für 6 Personen

Safran findest du hier:

Anleitung:

 

Die Safranfäden in 20 ml heißem Wasser einweichen.

Milch und Zucker in eine Schüssel geben, Hefe hineinbröckeln und glatt rühren.

Mehl, 1 Ei, Vanillemark, Salz und Safranwasser dazugeben und mit den Knethaken des Rührgeräts bei niedriger Stufe zum Teig verarbeiten.

Die Butter hinzufügen bei hoher Stufe weiterkneten bis ein glatter Teig entstanden ist.

Den Teig mit einem Tuch bedecken und an einem warmen Ort ruhen lassen.

Nach 1 Stunde den Teig kurz auf einer bemehlten Arbeitsfläche durchkneten und zugedeckt weitere 20 Minuten gehen lassen.

Ein Backblech mit flüssiger Butter bestreichen und mit Mehl bestäuben.

Den Teig nochmals durchkneten, in 3 gleiche Portionen teilen, zu Strängen formen und locker zu einem Zopf flechten. Auf das Backblech legen, warm und zugedeckt 40 Minuten gehen lassen.

1 Ei verquirlen, Hefezopf damit bestreichen mit Hagelzucker bestreuen und ab in den Ofen. Bei 180 °C im vorgeheizten Backofen auf mittlerer Schiene 25 Minuten goldbraun backen. Den Zopf herausnehmen, abkühlen lassen. Pur, mit Butter oder etwas Marmelade genießen –Lecker!

Frohe Ostern und viel Spaß beim Nachbacken !

Mehr Rezepte findest du hier:

Uralte Heilkunst – Safran und Ayurveda

Ayurveda ist eine traditionelle indische Heilkunst und gilt als das älteste, konstant praktizierte Medizinsystem der Welt.

Übersetzt heißt Ayurveda so viel wie „Wissen vom Leben“, und der Name ist Programm: Das Wissen um die drei Lebensenergien – oder Doshas – ist die Basis der ayurvedischen Medizin und maßgeblich für die Herstellung des physischen und seelischen Gleichgewichts. Wie das genau funktioniert, haben wir bereits in unserem Artikel ‚Uralte Heilkunst: Tee und Ayurveda‘ thematisiert. Jedoch spielt nicht nur Tee eine wichtige Rolle in der ayurvedischen Heilkunst, sondern auch Safran.

 Safran und Ayurveda
Safran kennst du sicherlich vor allem als teuerstes Gewürz der Welt. Darüber hinaus ist Safran allerdings ein wahres Wundermittel und eine wichtige Zutat in der ayurvedischen Küche. Ihm werden zahlreiche positive Eigenschaften zugesprochen. Er soll den Blutfluss beschleunigen, vitalisieren und die Verdauung stärken. „Agni“, das Verdauungsfeuer, ist ein wichtiges Element in der ayurvedischen Lehre, denn Unregelmäßigkeiten im Magen-Darm-Trakt gelten als Ursache zahlreicher Probleme. Außerdem beruhigt und harmonisiert Safran die drei Doshas, wirkt entzündungshemmend und regulierend auf den Menstruationszyklus. Safran hat nicht nur äußerlich die Farbe der Sonne – ihm wird auch Hitze erzeugende, euphorisierende und stimmungsaufhellende Wirkung nachgesagt. Daher eignen sich Safran-Rezepte vor allem für die dunkle und kalte Jahreszeit, denn auch der Eigenantrieb und die Bewegungslust werden dadurch gesteigert. Besonderer Beliebtheit erfreut sich das „rote Gold“ auch aufgrund seiner aphrodisierenden Wirkung: Safran kann die Libido steigern und wird auch bei Spermienmangel empfohlen. Eines solltest du allerdings unbedingt beachten: Eine zu hohe Dosierung von Safran kann gefährlich werden. Mehr als 5 Gramm solltest Du daher nicht auf einmal zu Dir nehmen. Halte dich bei der Verwendung von Safran daher immer an die im Rezept genannte Dosierung.

Mehr zum Thema gibts hier.

Unseren edlen Safran gibt es hier

Lichtblicke an der Seidenstraße

Gold, Edelsteine, teure Stoffe und kostbarer Safran – auf der sagenumwobenen Seidenstraße wurden allerlei wundersame Güter umgeschlagen. Das Netz aus Handelsrouten erstreckte sich vom fernen Peking bis hin nach Venedig. Das Herzstück dieser Route war das heutige Afghanistan. Karawansereien prosperierten und Reisende erzählten sich an den Lagerfeuern endlose Geschichten – die Märchen und Sagen aus 1001 Nacht.

Viele Jahrhunderte war Afghanistan ein Sehnsuchtsort für Künstler und Poeten, magisch zog das Land noch bis in die 1970er zahlreiche Reisende, Aussteiger und Hippies aus aller Welt an.

Bis das Blatt sich wendete und dunkle Zeiten eingeläutet wurden, die bis heute andauern sollten.

 Seit vier Jahrzehnten herrscht in Afghanistan Krieg.

Afghanistan ist mittlerweile das ärmste Land Asiens. Weltweit liegt das Land an letzter Stelle, was den Export betrifft – vom Opium abgesehen. Gefahr und Unsicherheit sind Teil des Alltags. Die Mehrheit der Jugendlichen ist ohne Arbeit und ohne Perspektive.

Und dennoch scheint in Afghanistan von der goldenen Zeit noch etwas übrig geblieben zu sein!

Die Menschen in den Straßen tragen ein stolzes Lächeln in ihren Gesichtern. Auf den Bazaren findet geschäftiges Treiben statt und die Menschen zelebrieren eine Gastfreundschaft, die einen beinahe beschämt. Aus den Kochtöpfen duftet es köstlich nach dem edlen Gewürz Safran. Genau jenes Gewürz, mit dem früher auf der Seidenstraße schon gehandelt wurde.In Herat, im Westen des Landes, baut ein unabhängiges Frauenkollektiv diesen kostbaren Safran an. Vor ein paar Jahren blühte noch der Schlafmohn auf ihren Feldern aber heute ernten sie das „Rote Gold“ nach alter Tradition und in reiner Handarbeit.

Auch du kannst zu dieser friedvollen Zukunft beitragen. Unterstütze die Frauen in Herat bei ihrer Arbeit: Ihr hochwertiger Safran ist nun bei Conflictfood erhältlich.

Hier gehts zum Conflictfood Safran

Die Safran-Frage: Echt oder gefälscht?

Ein exotisches Gewürz, das fast so viel wert ist wie Gold. Kein Wunder, dass es mehr Betrug mit Safran gibt als mit fast jedem anderen Produkt.

Safran ist das teuerste landwirtschaftliche Produkt der Welt – qualitativ hochwertiger Safran kostet rund 15-20 € pro Gramm, genau so viel wie 25 kg Weizenmehl im gleichen Supermarkt.
Das authentische und kostbare Gewürz Safran ist Teil der Blume Crocus Sativus, allgemein bekannt als der „Safran Krokus“. Safran Krokus wird bis zu 20-30 cm groß und trägt bis zu vier Blüten, jeweils mit drei lebendigen karminroten Narben. Die Griffel und Narben, Fäden genannt, werden gesammelt und getrocknet, um hauptsächlich als Gewürz- und Färbemittel in Lebensmitteln verwendet zu werden. Etwa 200.000 Safranblüten sind notwendig um 1 kg Safrangewürz zu erzeugen. Dieser sehr arbeitsintensive Prozess beantwortet somit die Frage, warum die Produktion dieses Gewürzes so teuer ist.

Natürlich lockt dieser Umstand auch Betrüger, die mit dem Verkauf von gefälschtem Safran ein lukratives Geschäft machen; eine Entwicklung, die man leider schon seit Ewigkeiten beobachten kann.Dabei gibt es verschiedene Arten von Betrug: Entweder man verkauft Produkte, die überhaupt kein Safran sind oder es wird Safran veräußert, der aus einem anderen Land kommt als auf dem Etikett angegeben.

Betrüger verkaufen oft den Saflor (Carthamus tinctorius) als Safran. Saflorblüten sehen denen von Safran sehr ähnlich, jedoch ist es eine Distel-ähnliche Pflanze, deren Blumen gelb-orange sind. Der Geruch von Saflor verrät aber seine Herkunft: er riecht überhaupt nicht wie echter Safran. Außerdem gibt es Kurkuma (Curcuma longa), bekannt als der Safran von Indien, der zur Familie der Zingiberaceae (Ingwer) gehört; aus dem Rhizom der Kurkuma-Pflanze gewinnt man das gelbe Kurkumapulver, ein Gewürz, das in der indischen und asiatischen Küche verwendet wird. Ein weiteres Produkt ist das Curcumin, eine gelbe Substanz, das in der Wäsche- und Chemieindustrie zum Einsatz kommt. Auf keinen Fall sollte Safran jedoch mit dem Colchicum (Colchicum herbstlich) verwechselt werden. Dies ist eine giftige Pflanze, deren Blüten dem Krokus sehr ähnlich sehen.

Eine weitere Möglichkeit der Fälschung besteht darin, den Stigmen der Krokusblume Fragmente von anderen Arten hinzuzufügen. Laien fällt es sehr schwer den Betrug zu erkennen, wenn echter Safran mit falschen vermischt wird.Es gibt jedoch einige Möglichkeiten und Anhaltspunkte, um echten Safran von falschem zu erkennen: Geschmack, Geruch, Aussehen und Preis.

Safran (in Fäden oder gemahlen) schmeckt nie süß. Wenn er dies doch tut, hast du sicherlich eine Fälschung gekauft. Echter Safran hat, auf die Zunge gelegt, einen bitteren und leicht trockenen Geschmack.
Eine weitere Eigenschaft ist das Aroma. Safran hat einen sehr starken Geruch. Während gefälschter Safran fast kein Aroma hat, wird die kleinste Menge an echtem Safran einen charakteristischen und intensiven Geruch haben. Um das Aroma zu identifizieren, musst du zuerst wissen, wie echter Safran riecht. Das echte Safran-Aroma lässt sich als eine Mischung aus Erde, Tabak, Vanille, Honig und salzig süß beschreiben. Merke dir einfach diese Regel: Der Geruch von echtem Safran ist immer süß, der Geschmack aber nie.

Echter Safran hat auch einen besonderes Aussehen: die Färbung ist einzigartig und die Fäden haben ein noch oben hin trichterförmiges Ende. Echter Safran verliert seine ursprüngliche Farbe nicht, wenn er in etwas Wasser gelegt wird. Nur der echte Safran wird seine ursprüngliche Farbe behalten, wenn man den Faden aus dem Wasser nimmt. Der gefälschte wird seine neue Farbe ganz verloren haben und wird nicht mehr gleich aussehen. Das Wasser mit dem reinen Safran wird honiggelb; das des Falschen wird dunkelrot. Wenn du die Safranfäden zwischen nassen Fingern reibst werden deine Finger rot / gold / orangen.

Kaufe niemals gemahlenen Safran. Viel zu oft ist er mit Kurkuma, Paprika und der oben erwähnten Rinde geschnitten. Auch wenn er von einem guten Gewürzhändler verkauft wird, verliert Safranpulver seinen Geschmack deutlich schneller als ganze Fäden.Die vier häufigsten Kennzeichen von gefälschtem Safran somit sind:
1. Geruch: Echter Safran riecht süß.
2: Wenn du ihn zwischen deinen feuchten Fingern reibst, werden die Finger orangen / rot / gelb.
3: Wenn er gemahlen ist, ist er wahrscheinlich falsch.
4: Preis: Wenn der Safran billiger ist als 10 Euro pro Gramm, ist er sehr wahrscheinlich eine Fälschung.

Aber es gibt eine Möglichkeit dir diese Mühen zu ersparen. Schau vorbei in unserem Online-Shop und kaufe den echten, hochwertigen Safran. Dieser ist von kreativen Köchen erprobt, im Labor erfolgreich getestet und von vielen zufriedenen Kundinnen und Kunden empfohlen! Und ganz nebenbei unterstützt du damit auch die Produzentinnen in Afghanistan. 😉

Echten Safran findest du hier:

Fotoausstellung – Drei Blicke: Afghanistan

Drei Blicke: Afghanistan

Die drei Fotograf*innen Rada Akbar, Christina Feldt und Gernot Würtenberger werfen in ihren Arbeiten einen Blick auf die tiefe Verletztheit und die aufstrebende Hoffnung Afghanistans.

29. Mai- 27. Juni 2019, Mi.-Fr. 14:00-20:00 Uhr
Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns auf Deinen Besuch.

Rada Akbar

Rada Akbar ist freiberufliche Fotografin, sie lebt und arbeitet in Kabul. Schon immer nutze sie die Kunst als Medium um sich selbst auszudrücken und die Geschehnisse um sie herum zu erklären. Die Karriere der visuellen Kunst Rada Akbars begann als malende Künstlerin. Ihre Gemälde hingen in diversen Ausstellungen national und international. Später tauschte sie Pinsel und Palette ein gegen die Fotokamera ein. Dabei entdeckte sie ihre Leidenschaft, das Alltagsleben der Menschen in Afghanistan festzuhalten und zu dokumentieren. Von ihrer Kunst sagt Rada selbst, sie fotografiere keine Objekte, sondern das Gefühl, dass sie ihr vermitteln. 2015 gewann sie den UNICEF Fotowettbewerb „Foto des Jahres“. Teile dieser prämierten Fotostrecke hat die Künstlerin für die Ausstellung „Drei Blicke: Afghanistan“ als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Bild: Rada AkbarBild: Rada AkbarBild: Rada Akbar

Christina Feldt

Christina Feldt ist freiberufliche Fotografin und lebt in Berlin. Sie absolvierte ihr Studium in  International Business, war aber seit ihrer Jugend von der Fotografie fasziniert. In Barcelona belegte Christina einen Fotojournalismus Kurs an der Schule RUIDO Photo, es folgten weltweite Foto Expeditionen mit renommierten Fotografen. Mittlerweile hat Christina mehr als 40 Länder weltweit mit ihrer Kamera bereist. Ihre großen Leidenschaften sind Fotoreportagen und Dokumentationen aus der ganzen Welt, insbesondere die Schicksale und Geschichten von Menschen interessieren sie sehr. Christina hat für zahlreiche Medien und internationale Organisationen – wie die Vereinten Nationen, Save the Children, Care, Handicap International, etc. – bewegende Themen in Afrika, Asien und auch Afghanistan fotografiert. 2014 reiste sie für 2 Wochen nach Afghanistan, wo sie im Auftrag der Vereinten Nationen fotografierte. Sie blickt auf ein wunderschönes Land mit bewegenden Momenten und besonderen Menschen zurück.

Bild: Christina FeldtBild: Christina FeldtBild: Christina Feldt

Gernot Würtenberger

Gernot Würtenberger hat in Wien und Berlin viele Jahre als Architekt gearbeitet. 2015 gründete er das Sozialunternehmen Conflictfood mit der Idee, Handelsbeziehungen zu Bauern in Konfliktregionen aufzubauen. Die Kamera im Gepäck begleitete ihn zu Flüchtlingslagern in Palästina, Rohingya-Ghettos in Myanmar und zu Opiumfelder in Afghanistan.
An der Fotografie begeistert ihn der eine und unwiederbringliche Moment, das Schmunzeln im Gesicht oder die Hoffnung in den Augen. Diese Begeisterung zeigt sich in seinen Bildern.

Bild: Gernot WürtenbergerBild: Gernot WürtenbergerBild: Gernot WürtenbergerVeranstaltet wird die Ausstellung von Cultivating Peace e.V., Gastgeber sind Conflictfood und selo – The Next Generation Coffee
Wir freuen uns auf Deinen Besuch!

Conflictfood besucht den Gärtner der Palastruine

Würde es florierenden Tourismus in Afghanistans Hauptstadt Kabul geben, so wäre vermutlich der Palast „Darul-Aman“ die Touristenattraktion schlechthin. Aber der Königspalast in Kabuls Zentrum ist ein Trümmerhaufen. Hierhin zieht es nur wenige Touristen. Uns von Conflictfood verschlägt es dennoch in die zerstörte Ruine. Wir treffen auf den betagten Mohammed Kabil, den ehemaligen Gärtner des Palastes. Königsgarten gibt es keinen mehr, dennoch gärtnert Mohammed seit Jahrzehnten mit Leidenschaft in den Gemäuern:

„ich habe selbst erlebt , wie könig amanullah khan diesen palast und garten im westlichen stil in den 1920er jahren planen und errichten ließ. zwei mal hat mir der könig persönlich für meine arbeit in seinem garten gedankt.“

Der Palast war später als Verteidigungsministerium umgenutzt worden. Mohammed kümmerte sich um den Gemüsegarten, der die dort residierenden Soldaten ernährte.

Auch heute noch steckt der ältere Herr sein ganzes Herzblut in die Hege und Pflege der unterschiedlichsten Pflanzen und Blumen. Er befördert die Samen der wildesten und farbenfrohesten Pflanzen in die sonst so trockenen Böden, bewässert die Erde, und betreut mit wachendem Auge ihr Wachstum. Dies schafft ein eindrucksvolles und zugleich surreales Bild: Blühende Blumen zwischen verfallenem und zerschossenem Gemäuer.

Historisch gesehen, sollte an dieser Stelle eigentlich Prunkvolles entstehen. Zu Zeiten von Ammanullah Kahn, König Afghanistans von 1926-1929, sollte „Darul Aman“, zugleich zukünftige Heimat des afghanischen Parlaments und repräsentative Zentrum eines modernen, unabhängigen und progressiven Afghanistans werden.

Diese kühnen Pläne fanden jedoch bald ein jähes Ende, als  König Kahn von der politischen Bühne zurücktrat. Stattdessen ist der Palast heute Symbol für ein Land in  Schutt und Asche. Jahrzehntelang war er nämlich Schauplatz von Gefechten, Feuer & Bombardements. Der Palast brannte 1969 vollkommen aus und auch nach der kommunistischen Machtübernahme 1978 stand er erneut in Flammen. Darüberhinaus hinterließen verschiedenste rivalisierende Truppen ihre Spuren.

Die afghanische Regierung hat durch Fundraising in den letzten Jahren bereits über 20 Millionen Euro für den Wiederaufbau gesammelt und plant unter anderem ein Museum, einen Park und ein Parlamentsgebäude. Rechtzeitig zum 100 jährigen Jubiläum der  afghanischen Unabhängigkeit soll das Gebäude und der Park im August 2019 wieder eröffnet werden.  Dies ist wohl auch der Traum des eifrigen Gärtner:

„es ist mein sehnlichster wunsch den Palast wiederaufgebaut zu sehen, durch die gärten zu spazieren und die grüne umgebung -die früchte meiner arbeit zu bewundern“

Video zu den aktuellen Restaurationsarbeiten am Palast „Darul-Aman“

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Safran wächst in Deutschland?

Ein Beitrag unseres Gastautors Benedikt Radloff

Das edle Gewürz Safran hat bekanntlich seinen Ursprung in Zentralasien. Aber wer hätte das gedacht: Auch in Deutschland wird Safran angebaut. Mittlerweile gibt es in ganz Deutschland etwa 12 Safranbauern. Einer von ihnen ist Boris Kunert, der das „Rote Gold“ auf einem Feld im beschaulichen Stolpen in der Nähe von Dresden kultiviert.

Überraschenderweise hat der Anbau hier sogar Tradition: Bis ins 16. Jahrhundert erblühte die Knollenpflanze, Crocus Sativus mit lateinischem Namen, auf den Äckern im Leipziger Umland. Bereits der sächsische Geschichtsschreibers Peter von Weiße berichtete von Safran südlich von Leipzig und in der Region zwischen Meißen sowie Dresden.

Originaltext Peter von Weiße, Meißnische Berg und Landchronik 1580

Wagemutig hat es sich der landwirtschaftliche Quereinsteiger Boris Kunert zur Aufgabe gemacht das dunkelrote Edelgewürz auf sächsischen Feldern zu kultivieren. Der ehemalige Journalist wurde bei Recherchen in Frankreich auf das weltweit bekannte Edelgewürz aufmerksam und war sofort angetan:

„Mich hat der Safran von da an einfach fasziniert. als ich herausfand, dass er unter anderem in österreich und der schweiz gedeiht, war ich überzeugt davon, dass es in sachsen auch funktioniert“

Man könnte meinen, dass Sachsen nicht die idealen klimatischen Bedingungen für den Safrananbau bietet, denn bekanntermaßen findet man die Kulturpflanze eher im vorderasiatischen Raum. Doch bestärkt durch den Klimawandel, bietet das Anbaugebiet in der Lausitz gute Wachstumsbedingungen: Die optimalen trocken, kontinentalen Klimaverhältnisse lassen das Krokusgewächs gedeihen.

Von anderen Bauern stets belächelt wagte er nach einer ersten Testphase im eigenen Garten 2014 den entscheidenden Schritt: Der Safranpionier beförderte auf einer Fläche von mehreren tausend Quadratmetern 30.000 Knollen des Safrangewächses in die Erde und siehe da, bereits im darauffolgenden Herbst trug sein wagemutiges Unterfangen Früchte. Zwischen 400 und 800 Gramm werden jedes Jahr eingebracht.

Genau wie in Afghanistan ist auch die Ernte in Deutschland mühevolle Handarbeit. Zunächst muss die violette Blüte gepflückt werden, bevor Kunert und seine Freundin die fragilen Safranfäden herauszupfen können. Anschließend werden die tiefroten Fäden behutsam im eigenen Ofen getrocknet bis der Safran das optimale Aroma entfaltet hat.

Hast du Lust auf einen Geschmackstest bekommen? Probiere doch mal die beiden köstlichen Safranvarianten unterschiedlicher Herkunft aus!

Viel Freude beim Vergleichen!

Erhältlich ist der Safran aus Sachsen hier.

Conflictfood Safran aus Afghanistan erhältst du hier.

Weitere Safranprodukte

Herkunft des Safrans

Wie der Safran nach Afghanistan kam

 

Der größte Produzent von Safran ist das afghanische Nachbarland, der Iran. Er beliefert über 90% des Weltmarktes, Mashad ist das Zentrum des Safrananbaues. In den Zeiten des Krieges gegen die russische Besatzungsmacht mussten Millionen Afghanen in den Iran fliehen. Viele fingen an bei Bauern zu arbeiten und sie erlernten dort den Anbau und die Kultivierung von Safran. Zum Teil kehrten die Familien zurück in ihre Heimat. Sie brachten Safran-Knollen mit und sie begannen das neue erworbene Wissen anzuwenden. NGOs wurden auf diese Entwicklungen aufmerksam und entdeckten die Möglichkeiten, dass gerade in ländlichen Gebieten der Safran eine echte und einträgliche Alternative bot und sogar das Potenzial hat den bislang großflächigen Opiumanbau vollständig zu ersetzen. Safran ist der beste Ersatz für Opium, weil er ähnlich hohe Erträge abwirft und einen ebenso guten Markt hat. Nach Abzug der Sowjetarmee und dem Fall des Taliban-Regimes, förderten unterschiedliche Organisationen Kleinbauern in ihrem Bestreben, weg vom Opium- hin zum Safrananbau. Sie wurden weiter geschult, ausgebildet und erhielten einen fundierten Einblick angefangen von dem Anbau über die Ernte bis hin zur Verarbeitung.

Chorasan – Die Perle des Ostens

 

Die antike Stadt Herat, im heutigen Afghanistan, befindet sich auf der ehemaligen Route der legendären Seidenstraße. Aber Herat hatte in seiner langen Geschichte auch noch andere Namen, man nannte die Stadt auch “das Florenz Asiens”. Sie war Teil des altpersischen Reichs und ein Zentrum für Handel, Kunst und Kultur. Im 6. Jahrhundert v. Chr. wurde ein neues Königreich ausgerufen und die ganze Region, Herat, Mashad und einige kleinere Städte, wurden zu “Khorasan”, der “Perle des Ostens”. Über Herat und seine Schätze erfahrt ihr demnächst mehr aber nun zurück zum Safran.

Es erklären sich jetzt die vielen Gemeinsamkeiten sprachlicher aber auch geisteswissenschaftlicher Natur auf beiden Seiten der afghanisch-iranischen Grenze. Doch die Verbindung zum Iran ist nicht nur kulturhistorisch, sondern auch ökologisch zu betrachten. Herat bietet die gleich guten Vorrausetzungen was Boden, Wasser und Klima anbetreffen wie Mashad, was keine vier Autostunden entfernt liegt. Der Safran aus der Provinz Herat hat eine hohe Qualität und der aus dem Ghorian-Distrikt soll sogar weltweit der Beste sein.

Safran aus Herat

 

Im Jahr 2008 haben sich einige Agraringenieure mit Safran-Bauern zusammengetan und ein gemeinsames Ziel definiert: Die Kultivierung von Safran! Unser Kontakt vor Ort ist die deutsche NGO Help- Hilfe zur Selbsthilfe e.V. und diese hat uns mit Agrarwissenschaftler der Universität in Herat zusammengebracht. Ihr Fachgebiet ist der ökologische Anbau von Safran. Ein Team der Uni berät nun die Kleinbauern in ihrer Tätigkeit und unterstützt diese in Fragen der Agrarkunde. 

Help e.V. forscht und arbeitet ebenso am Thema Safran als wirtschaftlicher Impulsgeber für strukturschwache Regionen in Afghanistan. Wir von Conflictfood pflegen einen engen Kontakt zu Help e.V. und haben von diesem wunderbaren Projekt erfahren und sind froh und dankbar, es fördern zu dürfen.

Frauenpower

 

Conflictfood hat sich für euch auf die Suche nach dem „Roten Gold“ gemacht und fand diesen auf dem Feld eines Frauenkollektives, westlich von Herat. In unserem nächsten Beitrag lernt ihr die Gruppe starker, afghanischer Frauen kennen, die ihr selbstverwaltetes Kollektiv gegründet haben!

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Saltos auf den Ruinen von Kabul

In Kabul bewegt sich etwas: Eine Gruppe Jugendlicher weigert sich, Arbeitslosigkeit und eine aussichtslose Zukunft zu akzeptieren. Die Kabul Parkour Boys sind afghanische Pioniere der Sportart Parkour und haben sich die Ruinen des ehemaligen Parlamentspalastes zum Spielplatz gemacht. Als Kabuls kleine Sensation sind sie sogar schon im nationalen Fernsehen aufgetreten. Während unserer Afghanistan-Reise haben wir einen beeindruckenden Tag mit den Bewegungs- und Überlebenskünstlern verbracht.

Beim Parkour werden urbane Hindernisse durch akrobatische Bewegungen überwunden, um möglichst schnell und kreativ von A nach B zu kommen. Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit wirbeln die Jungs in ihren bunten Sweatshirts durch die verlassenen Gebäude, springen die bröckelnden Wände hoch und schlagen Saltos – ein Kontrastprogramm zu wirtschaftlicher Stagnation, Hoffnungslosigkeit und Tristesse des Krieges.

Seit fünf Jahren trainieren die Gruppe der Jungs in unterschiedlichen Ecken der Hauptstadt. Am liebsten treffen sie sich aber in den Ruinen des Darul Aman Palastes. Der Prunkpalast wurde in den 1920er Jahren von König Amanullah errichtet und sollte ursprünglich das Parlament beherbergen. Aber der Aufstieg der Gegner der Monarchie vereitelte Amanullahs Modernisierungspläne. 1969 wurde das Gebäude durch einen Brand schwer zerstört und danach nie wieder in Betrieb genommen. Der Name des Palastes bedeutet so viel wie ‚Wohnsitz der Hoffnung’ – das Motto der Parkour Boys.

Aufwachsen in Perspektivlosigkeit

 

Afghanistan hat mit den klassischen Problemen – gemessen an westlichen Standards – der weltweit am wenigsten entwickelten Länder zu kämpfen: eine chronisch schwache Wirtschaft, ein schnelles Bevölkerungswachstum und ein mangelhaftes Sozialsystem. Für viele junge Afghanen sieht die Zukunft alles andere als rosig aus. Zwei Drittel der Bevölkerung sind unter 25 Jahren alt, fast acht von zehn Jugendlichen nennen Arbeitslosigkeit als eine ihrer größten Sorgen. Dass diese Perspektivlosigkeit dramatische Folgen haben kann, zeigt ein Bericht der afghanischen Regierung und der UN: Nirgendwo auf der Welt blühen so viele Mohnfelder, nirgendwo sind so viele junge Menschen von den national produzierten Drogen abhängig.

Mobilität als Überlebensstrategie

 

Mobilität und Bewegung sind seit Jahrzehnten afghanische Überlebensstrategien, um vor den Zerstörungen des Krieges und der daraus resultierenden Unsicherheit zu entkommen. In einer Umfrage der TV-Sender ARD, BBC und ABC gab die Hälfte der Bevölkerung an, dass sie sich bereits während der Stationierung von internationalen Truppen nicht ausreichend vor den Taliban geschützt fühlten. Nach dem schrittweisen Abzug der internationalen Truppen seit 2011 hat sich laut United Nations Assistance Mission in Afghanistan die Sicherheitslage im Land noch verschärft. Auch deshalb stoppten ausländische Investoren und Handelsunternehmen ihre Kooperation mit afghanischen Unternehmen, international gespeiste Geldquellen versiegten und die Arbeitslosigkeit stieg drastisch an.

 

Anders als im von westlichen Medien verbreiteten Szenario der drohenden Flüchtlingswellen gen Europa, entspricht die afghanische Bevölkerungsbewegung größtenteils einer Binnenmigration. Denn den höchsten Zustrom erfahren die afghanischen Städte selbst. 30 Prozent der afghanischen Bevölkerung leben derzeit in Städten. Obwohl die Lage der jungen – insbesondere weiblichen – Bevölkerung in ländlichen Regionen am aussichtslosesten ist, erhöht sich auch in den urbanen Zentren die Konkurrenz um rare Arbeitsplätze. Die Lebensbedingungen verschärfen sich. Jamil, der Gründer der Kabul Parkour Boys erzählte uns: „Die Hälfte von uns ist arbeitslos, studiert oder geht noch zur Schule. Unsere finanzielle Situation ist extrem schlecht“. Was die Zukunft bringt? Das weiß keiner von ihnen.

Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht

 

Trotzdem wollen sie der Welt zeigen, dass es hier in Kabul auch etwas anderes gibt als Terror, Krieg und Drogenhandel – wie es täglich in den Medien vermittelt wird. Mit ihrer Akrobatik wollen die Boys sich und die Welt bewegen. Jamil: „Jeden Tag trainieren wir hart in diesem gefährlichen Umfeld. Wir wollen jungen Afghanen die Möglichkeit bieten Sport zu machen, ohne ständig zu fürchten, das Opfer von Anschlägen zu werden. Parkour ist unser Leben. Wir wollen die Jugend hier inspirieren, ihre eigene Zukunft in die Hand zu nehmen.“

 

Bisher hat die Gruppe noch keinen Sponsor. Deshalb ist es ein wichtiges Ziel, Spenden zu sammeln, um Equipment zu kaufen und bald unabhängig von widrigen Wetterverhältnissen in einer Sporthalle trainieren zu können. Dann können in Zukunft auch Parkour Girls mitmachen.

 

Den Auftakt der Spendenreihe Make Saltos Not War macht das Benefiz-Dinner „Make Saltos Not War“ im Berliner „To Beef Or Not To Beef“ am 5. Februar 2017. Den Reinerlös wird Conflictfood im November 2017 den Kabul Parkour Boys in Afghanistan übergeben.

Mehr Infos sowie Tickets für das Benefiz-Dinner gibt es hier: Make Saltos Not War!

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Safran Kaufen und Gutes Tun

Mit dem Kauf jedes Conflictfood-Produktes förderst du nicht nur den direkten und fairen Handel sondern du unterstützt auch ein Bildungsprojekt in den Partnerländern. Diese suchen wir sorgfältig aus und überzeugen uns persönlich vor Ort von den Standards.

Ein Warmer Winter für die Kids von „Paiwand-e-noor“ in Kabul

Jede unserer Reisen nach Afghanistan führt uns somit auch immer an den Stadtrand Kabuls zu „Paiwand-e-Noor”: Ein Kinderheim, Waisenhaus, Schule und Schutzraum zugleich, welcher kriegsversehrten Kindern ein Zuhause bietet, sie fördert und zugleich fordert. Ungefähr 110 Mädchen und Jungen haben hier ihr Zuhause gefunden. Nicht umsonst trägt das Friedenshaus den Namen „Paiwand-e-Noor“ – auf Deutsch bedeutet  das „Quelle des Lichts“ – es bietet Kindern einen Zufluchtsort jenseits der Schatten des Krieges.Im Herbst 2016 durften wir den Spendenanteil aus den Verkäufen des Safrans zum ersten Mal an eine Bildungseinrichtung in Afghanistan übergeben. Das war ein wunderschönes Gefühl zu wissen, das Geld geht direkt dahin, wo es am nötigsten gebraucht wird. Man stellt sich selbst öfter die Frage, kommt meine Spende auch wirklich an, bewirkt sie etwas oder versickert sie in dunkle Kanäle. Und wir können mit ein wenig Stolz berichten, ja, die Spende kommt an. Mit dem Geld wurde das Holz für diesen Winter sowie ein Warmwasserboiler für eines der Waschräume gekauft und angeschlossen. Denn auch wenn man es kaum glauben mag, die Wintertemperaturen in Kabul erreichen oft Minusgrade. Ein afghanisches Sprichwort besagt: Möge Kabul ohne Gold sein, aber nicht ohne Schnee!

Das Heizen mit Brennholz ist also eine Möglichkeit der Kälte zu entfliehen aber das ist teuer. Und sowas wie eine Zentralheizung gibt es in den Häusern gar nicht und wenn dann können sich das nur sehr wenige Reiche leisten. Um so wichtiger ist der diesjährige Beitrag von Conflictfood gewesen. Gemeinsam mit dem Direktor des Heims haben wir besprochen, was dieses Jahr dringlich ist und die Entscheidung fiel schnell, denn die Heizsaison hatte begonnen

So haben wir gemeinsam das Holz gekauft, es zum Kinderheim gebracht und im Schuppen gelagert. Wir man sieht auch hier wieder fröhliche Gesichter. Eine Tugend, die einem auffällt, in einem Land welches nicht viel Grund zum Lachen gibt.

Kleine Überraschung

Eine kleine Überraschung wartete an diesem Tag auch noch auf die Kinder: Jedes der Kinder bekam den Abzug eines Fotos, das wir von ihm im Jahr zuvor aufgenommen haben. Schnell begann ein Vergleichen, tauschen und stolzes Herzeigen der Bilder, gemeinsam wurde gekichert und gelacht.

Grosses „Dankeschön“

Im Namen der Mädchen und Jungs des Kinderheimes „Paiwand-e-Noor“  möchten wir uns bei jeder Käuferin und jedem Käufer von ganzem Herzen bedanken!

Du möchtest die Mädchen und Jungs in Kabul auch unterstützen? – Das kannst du mit dem Kauf jedes Produktes im Conflictfood Online Shop tun!

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Kuriose Fakten über Afghanistan Vol. 2

Conflictfood möchte euch eine andere Perspektive auf Krisenregionen jenseits des dominanten Krisenimages bieten.

In unserer Reihe Kuriose Fakten versorgen wir euch regelmäßig mit einer Dosis an spannenden, amüsanten und skurilen Infos aus allen Lebensbereichen unserer Partnerländer. Volume 1 gab es hier zu lesen.

In Volume 2 geht es um afghanische Kultur, Kohle und Kommunikation. Neugierig? Dann unbedingt weiterlesen…

habt ihr gewusst, dass Afghanen quasi die erfinder des poetry slams sind? 

Dichtungen und Gedichte spielen eine ganz wichtige Rolle in der afghanischen Kultur. Seit über Tausend Jahren erzählen Afghanen ihre außergewöhnlichen Geschichten in poetischen Versen.

In Herat kommen seit Jahrzehnten jeden Donnerstag alle zusammen – Männer, Frauen und Kinder – um bis spät in die Nacht hinein alte und moderne Gedichte auszutauschen, um gemeinsam den traditionellen Klängen der Herati Musik zu lauschen und dabei süßen Tee und köstliches Gebäck zu naschen. Das ist Poetry Slam at it’s best!

kennt ihr den unterschied zwischen afghanen und afghanis?

In Afghanistan lebt eine Vielzahl von ethnischen Gruppen – aber wie bezeichnet man sie alle gemeinsam? Vorsicht! – bitte nicht als Afghanis, denn das ist die afghanische Währung! 100 Afghanis sind umgerechnet etwa 1,40 Euro – damit kann man eine Hand voll feinster Mandeln kaufen.

Achja, und außerdem gibt es dort keine Cents sondern die kleinste Geldeinheit nennt man Puls. In Bezug auf die aktuelle desaströse wirtschaftliche Lage vieler Menschen in Afghanistan erscheint diese sprachliche Bezeichnung des kleinen Geldes zutreffend – viele Menschen leben leider am „Puls der Zeit“.

Es klingelt! habt ihr gewusst, wie viele afghanen am handy kleben?

Schätzungen zufolge besitzen 90 Prozent der Bevölkerung ein Handy, gleichzeitig ist der Anteil der Bevölkerung mit einem regelmäßigen Zugang zu Elektrizität einer der niedrigsten der Welt!… sogar die Taliban nutzen Skype via Handy. Wie überall auf der Welt verändern auch in Afghanistan mobile Netzwerke die Alltagskultur. Handys haben einen Statussymbol-Charakter – wenn man genügend Geld hat, kann man sich eine besondere Rufnummer zuteilen lassen – zum Beispiel mit den Buchstaben des eigenen Namens oder einer persönlichen Glückszahl. Conflictsfood’s Nummer wäre dann die: 73223, P-E-A-C-E!Ihr wollt mehr? hier geht es zu Kuriose Fakten Volume 1!

Mehr lesen über Afghanistan

Eine Künstlerin am Auslöser: Momentaufnahmen der Hoffnung und der Realität.

Eine außergewöhnliche Frau die es schafft die Lebensfreude und Hoffnung eines Landes einzufangen –  trotz dunklen Alltags und täglicher Gewalt.

Rada Akbar, Colorful LifeRada Akbar sucht einen Weg sich auszudrücken, eine Geschichte zu erzählen und die Hoffnung eines Landes widerzuspiegeln.

Bis zum Jahr 2001 ist kaum Fotokunst aus Afghanistan aufzufinden. Der Ausdruck von Identität, Kultur und Geschichte mittels der Fotografie war zu Zeiten der Taliban verboten. Freier Journalismus und Fotografie sind nun eine neue und frische Bewegung Afghanistans, die begonnen hat die Geschichte seines Landes zu erzählen. Während unsere Medien nach berichtenswerten Ereignissen selektieren, bleibt ein großer Teil des Landes, wie seine Kultur, das Leben und die Herzlichkeit, der restlichen Welt verborgen. Mit ihren Bildern erzählt sie ihre Geschichte und die eines Landes.

“Ich fotografiere keine Motive. Ich fotografiere das Gefühl, das sie mir vermitteln.”

Rada Akabar, Carpet WeavingRada Akbar ist in Afghanistan geboren. Nachdem sie zunächst eine Karriere als malende Künstlerin begann, widmete sie sich schnell ihrem derzeitigen Lebenswerk: Das alltägliche Leben der Menschen in Afghanistan mit der Kamera zu dokumentieren. Immer auf der Suche nach neuen Wegen mit denen sie den Menschen ihre Gefühle vermitteln kann, begann sie die Realität vieler Afghanen darzustellen. Doch es geht nicht nur um Kunst, es geht darum jeden die Seele der einzelnen Bilder fühlen zu lassen.

Sie schafft es die Lebenslust der Menschen in Afghanistan festzuhalten und eine faszinierende Welt, voller Freude und Farben einzufangen und gleichzeitig die dunkle, politische Situation und die herrschende Gewalt zu thematisieren. Rada Akbar nutzt die Fotografie als ein Medium um auf die Situation in Afghanistan aufmerksam zu machen und zu bekämpfen.Rada Akbar, The boy with the gunAls Frau eigenständig in Afghanistan zu arbeiten ist nicht leicht und mit vielen Anfeindungen und Herausforderungen verbunden. Während die Taliban in Afghanistan vorherrschte, waren die Rechte der Frauen stark eingeschränkt. Möglichkeiten Universitäten oder Schulen besuchen und Berufe auszuüben, wurden stark erschwert. Eben wegen dieser extremen Prägung der vergangen Jahre, will Rada Akbar der Gesellschaft und vor allem den Frauen zeigen, dass es auch afghanischen Frauen möglich ist ihre Berufung auszuleben. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für ihr Land treibt sie weiter an – egal wie verflochten die Situation zum derzeitigen Zeitpunkt auch sein mag.Rada Akbar, Girl stands outside of the ruined bus

Rada Akbar, FootballersRada Akbars Bilder werden national und international ausgestellt. Eine Selektion ihrer schönsten Arbeiten, einschließlich aller Bilder in unserem Blogbeitrag, kannst du bei Photocircle als Wandbilder kaufen!Ähnlich wie Conflictfood, stellt auch Photocircle hohe soziale Ansprüche an sich. Das weltweit einzigartige Konzept von Photocircle ist es, den Menschen, die auf den wunderbaren Motiven zu sehen sind, etwas zurückzugeben. Mit jedem Kauf fließen bis zu 50% des Gesamtpreises in ein Bildungs- oder Entwicklungsprojekt in der Region, in der das Bild entstanden ist.  So schaffen wir es hochwertige Kunst zu genießen und gleichzeitig einen Beitrag zu leisten!Rada Akabar, After school timeRada Akbar wurde 1988 in Afghanistan geboren. Sie ist Fotografin und dokumentiert das alltägliche Leben in Afghanistan. Sie produzierte bereits zwei Dokumentarfilme um auf das Leben und die Herausforderungen afghanischer Frauen aufmerksam zu machen. Der Film „Shattered Hopes“ wurde im Jahr 2009 sogar für das Panorama Hindukusch-Filmfestival in Köln ausgewählt. 

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Willkommen in Herat – die Perle Khorasans

Wenn dich jemand fragt, welche die schönste der Städte ist,

du magst ihm richtig antworten, dass es Herat ist.

Denn die Welt ist wie das Meer,

und die Provinz Khorasan wie eine Perlenauster darin.

Die Stadt Herat, als Perle, in der Mitte der Auster.

Bereits der ruhmreiche Poet Rumi wurde in den Bann der Stadt Herat gezogen – nicht umsonst beschrieb er sie als „Perle Khorasans“. Heute erinnern nur noch wenige Gebäude an die ruhmreiche Geschichte von Herat. Reichtum und Schönheit wurden der Stadt an der Seidenstraße zum Verhängnis und machten sie zum umkämpften Terrain von zahlreichen Eroberern.

Trotz jahrtausendelangen Konjunkturen der Blüte und Zerstörung, hat die Stadt im Westen Afghanistans einen besonderen Charme behalten: Als wir Herat besuchten waren wir hingerissen von ihrer einzigartigen kulturellen Atmosphäre. Wir wollen diese unvergesslichen Eindrücke teilen und nehmen euch mit auf eine kleine Zeitreise und eine Entdeckungstour durch Herat.

Konjunkturen des Glanzes

 

Im 11. Jahrhundert herrschten die Könige von Ghor in Herat. Sie waren große Kunstmäzene und Förderer der persischen Literatur aber auch der Architektur und verwandelten die Stadt in eine prächtige Metropole – über 12.000 Geschäfte, prall gefüllt mit Waren aus aller Welt und 6000 Badehäuser, Karavansereien und Mühlen, eine halbe Million Häuser und 359 Schulen zierten das Stadtbild. Diese Blütezeit fand jedoch mit dem Einfall der Mongolen unter Dschingis Khan ein jähes Ende – die Stadt wurde damals praktisch dem Erdboden gleich gemacht.

Einige Zeit später im 15. Jahrhundert wurde das Stadtbild wiederbelebt als sich die mächtigen Herrscher der Dynastie der Timuriden dazu entschieden ihren Reichtum von Samarkand nach Herat zu bewegen. Unter ihrer Herrschaft wurde Herat für knapp ein Jahrhundert zur Hauptstadt Khorasans, bis die Stadt erneut von den Usbeken und Safawiden erobert wurde.

Nach diesem Muster wuchsen und schwanden Königreiche in Herat. Unter den jüngsten Konflikten wurde die Stadt schwer zerstört. Ihre Ruinen erinnern an die Gewalt britischer und russischer Invasoren und die Brutalität des ‚War on Terror‘ gegen die Taliban.

Herat heute

 

Die letzten Jahrzehnte der Unruhe und des Krieges haben tiefe Spuren hinterlassen. Der einst rege kulturelle und touristische Verkehr durch die Stadt ist zum Stillstand gekommen. Bei unserer Erkundungstour waren wir meistens die einzigen „Fremden“, die sich für die Kulturschätze interessierten.

Darauf, dass in der Stadt ein unglaubliches kulturelles Potential schlummert, verwies die UNESCO im Jahr 1974, als sie die Altstadt Herats als Weltkulturerbe einstufte. In jeder anderen Stadt wären Bauwerke, Straßen und Plätze von einer solchen kulturellen Vergangenheit wahre Touristenmagnete, Attraktionen auf dem Jahrmarkt der Weltgeschichte.

Die Freitagsmoschee

 

Die Freitagsmoschee in Herat ist über 800 Jahre alt. Sie ist eines der schönsten islamischen Bauwerke in Afghanistan und eines der größten in Zentralasien.

Die Moschee ist klassisch angelegt. Sie liegt auf vier Iwans – das ist arabisch und beschreibt eine offene Halle, welche von einem Tonnengewölbe überdeckt wird. Die Arkadenwände umschließen einen fast 100 Meter langen Innenhof. Zwei riesige Minarette flankieren den Haupt-Iwan. Die Minarette, mit ihren sich wiederholenden Bändern von stilisierten Blumen, Arabesken und geometrischen Mustern waren für uns einfach schwindelerregend.

Wie ein Chamäleon veränderte das Gebäude sein Äußeres. Im Zuge der Machtwechsel wurde das Erscheinungsbild an die jeweilige Dynastie angepasst. Ursprünglich wurde sie von dem Ghuriden Sultan Ghiyasuddin angelegt. So zierten zunächst typischen Ghuriden Ziegel und Stuckdekorationen das Bild der Moschee. Später folgten die hellen Mosaike der Timuriden-Herrscher. Die aufwendigen Mosaike, die jetzt das Bauwerk schmücken, sind das Produkt der moscheeeigenen Werkstatt und einem seit den 1940er Jahren laufenden Restaurierungsprojekts, das die timuridische Mosaiken mit eigenen Designs, Farben und Kaligraphien verband.

Dieser „Traditionell-trifft-Modern“-Ansatz machte die Moschee zu einem der Schmuckstücke des zeitgenössischen islamisch-abstrakten Expressionismus. Atemberaubende Mosaike bestimmen das Bild, umgeben von blauen Bändern mit Koranversen. Die leuchtenden Farben, die detailreichen Verzierungen sind eine Hymne, eine überbordende Lobpreisung an Allah. Die schlichten, weißgetünchten Iwans fügen dem Ganzen einen Hauch von Bescheidenheit hinzu.

Die Zitadelle von Herat

 

Mit ihrer 2000 Jahre alten brachialen Geschichte wurde die Zitadelle von Herat zum Symbol der Stadt. Man geht davon aus, dass die Zitadelle (das älteste Gebäude in Herat), auf den Fundamenten einer Festung steht, die von Alexander dem Großen ungefähr 330 v. Chr. erbaut wurde. Seit ihrer Erbauung diente sie als Machtsitz, war militärische Garnison und Gefängnis zugleich.

Im Jahre 2005 übergab die afghanische Armee den Komplex dem Ministerium für Information, Kultur und Tourismus und seit dem stehen auch Außenstehenden die Türen für einen Besuch offen. Dennoch, auf unserer Entdeckungstour waren wir praktisch allein – keine Eintrittschlangen und in dem ganzen riesengroßen Komplex befanden sich keine fünf Besucher.

Die Zitadelle wurde auf einem künstlichen Hügel errichtet. Die 18 Türme ragen über 30 Meter über dem Straßenniveau, mit bis zu 2 Meter dicken Wänden. Die derzeitige Struktur wurde weitgehend von Shah Rukh im Jahre 1415 erbaut. Zu dieser Zeit wurden die Außenmauern mit monumentalen Gedichtversen in kufischen Schriftzügen geschmückt. Sie verkündeten die Erhabenheit der Burg, die „nie von den Erschütterungen der umlaufenden Zeit beeinflusst wurde“.

Leider setzte sich dieses Motto nicht weiter durch. Im Jahr 1953 konnte der damalige König Zahir Shah nur knapp den kompletten Abriss verhindern. Die folgenden unruhigen Zeiten und Jahrzehnte der Vernachlässigung haben unweigerlich große Schäden an der Zitadelle verursacht. Immer wieder plünderten Siegermächte das Gebäude und Einheimischen veräußerten die wertvollen Dachbalken und gebrannten Ziegel. Allerdings haben kürzlich hunderte afghanische Handwerker das Gebäude mit Hilfe der finanziellen Unterstützung aus Deutschland und den USA restauriert. So wurde das wunderschön restaurierte Artefakt für alle Heratis wieder zum Symbol der Hoffnung.

Vom so genannten „Timuriden Turm“, einem der wenigen Plätze, der noch von antiken wunderbaren Mosaiken geziert wird, hatten wir einen fabelhaften Blick über das bunte Stadtleben, mit all seinen verwinkelten Gassen und den trubeligen Bazaren.

Der Musalla Komplex und das Mausoleum der Gawhar Shad

 

Der Gawhar Shad Musalla-Komplex wurde einst unter der Führung von Königin Gawharshad, fertiggestellt. Sie war die Frau des 1447 verstorbenen Timuriden-Herrschers Shah Rukh und herrschte nach seinem Tod über sein Imperium vom Fluss Tigris bis hin nach China. Der Komplex beinhaltet heute ein Mausoleum zu Ihrer Ehre.

Fünf Minarette und spärliche Überreste stehen noch auf dem gesamte Gelände – der Komplex ist ein Schatten seiner selbst. Der einst wunderschöne Bau wurde 1885 von den Briten zerstört. Mehrere Erdbeben taten außerdem ihr übriges.

Heute haben sich Opiumabhängige in die Höhlen und Katakomben häuslich eingerichtet. Ihre Sucht, so erzählt man, finanzieren sie sich durch den Verkauf von Artefakten und anderen Kunstgegenständen. Eigentlich würden solche antike Stücke ins Museum gehören – aber hier hat man andere Sorgen.

Gazar Gah

 

Für das Freitagsgebet machten wir uns auf den Weg zu einem der schönsten spirituellen Gebäude in Herat: dem 5 Kilometer vom Stadtkern entfernten Schrein Gazar Gah. Er ist bei weitem nicht so groß und auch nicht so überfüllt wie die Freitagsmoschee.

Hier befindet sich das Grab des Sufi-Dichters und Heiligen Khwaja Abdullah Ansari, der im 11. Jahrhundert in Herat gelebt hat. Täglich kommen hunderte Pilger aus dem ganzen Land um zu beten und sich zu reinigen. Gazar Gah bedeutet soviel wie, “Ort der Entfärbung” und ist eine mystische Anspielung auf die Reinigung der Seele bevor man vor Allah tritt.

Aktuell wird der Grabkomplex restauriert, damit er wieder in alter Pracht erstrahlen kann.

Die Welt ist wie das Meer – sie muss die Auster nähren…

 

Obwohl die gut erhaltene Altstadt heute noch immer vom früheren Glanz erzählt, hält zunehmend die Moderne Einzug – historische Denkmäler zerfallen und die Perle droht ihren Glanz zu verlieren. Dass die Heratis trotz Geldmangel und Jahren des Konfliktes immer wieder weiter renovieren, zeugt von ihrem unermüdlichen Kampfgeist.

‚Die Provinz Khorasan ist wie eine Perlenauster’ sie hat das Potential wunderschöne Perlen zu produzieren. Mit dem Kauf unseres Safrans unterstützt du die Provinz und die Menschen wirtschaftlich – damit auch ihre Perle Herat irgendwann wieder in vollem Glanz erstrahlen kann!

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Kuriose Fakten über Afghanistan Vol. 1

Conflictfood möchte euch eine andere Perspektive auf Krisenregionen jenseits des dominanten Krisenimages bieten.

In unserer Reihe Kuriose Fakten versorgen wir euch regelmäßig mit einer Dosis an spannenden, amüsanten und skurrilen Infos aus allen Lebensbereichen unserer Partnerländer.

Volume 1 kombiniert Sport, Diversität und Bling Bling – schon gespannt? Los geht’s, mit den ersten drei Fakten…

habt ihr gewusst, dass beim afghanischen nationalsport eine tote ziege eine Rolle spielt? 

Buz“ ist das Wort für „Ziege“ in Dari. Der Sport Buzkashi meint also wortwörtlich „Ziege ergreifen„.

Der Sport ähnelt einer wilden Form des Rugby, ausgetragen auf dem Rücken von Pferden. Ziel ist es den von Wasser durchtränkten, kopflosen Kadaver einer Ziege von der einen Seite des Spielfeldes zur einem festgelegten Punkt auf der anderen zu bringen.

Vor dem Spiel wird die tote Ziege in Wasser eingeweicht, damit der Körper härter und zäher wird. Dann wird sie in einem Kreidekreis auf dem Boden platziert. Nach dem Startschuss versuchen beide Teams den Kadaver zu ergattern und zu einer Kreidemarkierung auf der anderen Seite des Feldes zu bringen. Gewonnen hat das Team, dass den größten zusammenhängenden Teil der Ziege zuerst dorthin bringt.

Man munkelt, dass sich Buzkashi bei der Invasion von Dschingis Khan 1219-21 entwickelt hat, als die plündernden Mongolen auf ihren Pferden im Galopp durch die afghanischen Gemeinden fegten.

Viele Afghanen würden Buzkashi gerne bei den Olympischen Spielen sehen. Schon einige Male wurde der Sport dem Olympischen Komittee vorgestellt. Aber, obwohl erst kürzlich neue Regeln aufgestellt wurden und Buzkashi von Afghan Airlines und verschiedenen Geschäftsleuten gesponsert wird, sieht es wohl nicht danach aus, dass das Reiterspiel in naher Zukunft in den olympischen Kanon aufgenommen wird.

Fliegende Hufe, scharfe Peitschen, wildes Gerangel und ein Gemenge von großartigen arabischen Pferden – beim knallharten Sport gewinnen nur die rauhesten Reiter.

Habt ihr gewusst, wie ethnisch vielfältig die afghanische bevölkerung ist? 

In Afghanistan leben vielfältige ethnische Gruppen mit unterschiedlichen linguistischen und religiösen Identitäten. Lange Zeit sorgte die afghanische Topografie dafür, dass Gemeinschaften voneinander isoliert blieben. Dies änderte sich jedoch durch den zunehmenden Verkehr auf der Seidenstraße. So wurde Afghanistan zum Transitland für Händler, die ihre Waren von China in die westliche Welt brachten. Die Straße förderte eine nomadische Entwicklung im Land, wodurch sich Menschen von unterschiedlicher Identität miteinander vermischten. Mit dem Ausbau des Kommunikations- und Straßensystems und der Konsolidierung des Staats verstärkte sich der Kontakt zwischen den Gruppen im Laufe des 20. Jahrhunderts. Trotz der zunehmenden Gewalt und der Stagnation der Entwicklung während des jahrzehntelangen Konfliktes blieben die diversen Ethnien miteinander verbunden.

Paschtunen bilden die größte Stammesgemeinde weltweit und sind auch in Afghanistan die größte ethnische Gruppe. Etwa 40% der afghanischen Bevölkerung sind Paschtunen. Die meisten von ihnen sind Sunniten. Bereits seit dem 18. Jahrhundert sind sie in Afghanistan an der Macht.

Tadjiken sind ebenfalls größtenteils Sunniten, aber sie sprechen Dari. Sie machen 30% der afghanischen Bevölkerung aus. Für eine lange Zeit waren sie die am stärksten urbanisierte Gruppe. Heute leben viele jedoch sehr verstreut in nord und nord-östlichen Gebieten, wie Badakhstan und in der Provinz Herat entlang der Grenze zum Iran.

Hazaras folgen an dritter Stelle (15% der Bevölkerung). Die Mehrheit lebt in Hazarajat, einer Region in den zentralen Hochgebirgen, die sie bis zum Ende des 19 Jahrhunderts autonom regierten. Viele gehören den Schiiten (Zwölferschiiten) an. Sie sprechen Hazaragi, einen Dialekt, der Dari nahesteht und viele türkische und mongolische Ausdrücke verwendet.

Usbeken und Turkmenen bilden 10% der afghanischen Bevölkerung. Sie sind Suniiten und stammen ursprünglich von nomadischen Stämmen aus Zentralasien ab. Ihre Sprache entwickelte sich aus der türkischen Sprachfamilie. Traditionell werden sie mit dem Areal nordwestlich des Hindu Kusch, in der Nähe der Grenze zu Usbekistan und Turkmenistan assoziiert.

Aimaqs bilden mit 5% der Bevölkerung die kleinste Gruppe. Sie sind Sunniten und sprechen Dari, verwenden jedoch viele Begriffe, die dem Türkischen entlehnt sind. Ihre Gemeinden sind hauptsächlich im Westen des Hindu Kusch angesiedelt, östlich von Herat und westlich von Hazarajat.

Farsiwanen leben im Westens Afghanistans, in der Nähe der iranischen Grenze. Sie sprechen einen persischen Dialekt, ähnlich dem Dari und gehören zu den Zwölferschiiten.

Nuristani siedeln in den östlichen afghanischen Gebirgen. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit der Landwirtschaft und Viehzucht. Sie sind Sunniten und sprechen eine sehr alte Sprache, die Elemente aus dem Persischen und Hindi miteinander verbindet. Ihre Heimat sind die isolierten Täler und unwegsames Gelände. Ursprünglich haben Nuristanis eine besondere Kultur basierend auf einer politheistischen Religion, aber Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie von einfallenden Stämmen dazu gezwungen zum Islam zu konvertieren.

Kirgisen sind eine türkisch-sprachige Gruppe. Vor dem Krieg lebten die meisten im Pamir Wakhan Korridor – dem langen dünnen Streifen, der sich von der nordöstlichen Provinz Badakshan bis zur Grenze zu China zieht. Sie züchten Yaks, Ziegen und Kamele. Leider leben nur noch wenige Kirgisen heute in Afghanistan, da viele im Zuge der sowjetischen Besatzung in die Türkei, China und Pakistan flüchten mussten.

Daneben gibt es noch weitere kleinere ethnische Gruppen, wie die Pashayi, Baloch, Pamiris, Brahuis, Mongolen, Qizilbash, Hindus, Kohistani, Gujars und Sikhs.Habt ihr gewusst, dass die Ägyptischen PharaoNen Afghanischen Bling Bling liebten?Der dunkelblaue Lapislazuli ist einer von Afghanistans einzigartigsten und schönsten Schätzen. Die Pharaonen im alten Ägypten liebten es sich mit Juwelen aus diesem kostbaren Material zu schmücken. Deshalb fanden sie Wege um die Edelstein aus den fernen Minen zu importieren.

Afghanistan war die Quelle des Lapilazulis für antike ägyptische und mesopotamische Zivilisationen, ebenso wie für die Griechen und Römer.

Man findet den Edelstein im Kalkstein des Kokcha Flusstales in der Badakhshan Provinz im Nordosten des Landes, dort wo die Sar-e-Sang Minen seit mehr als 6000 Jahren arbeiten.

Daneben verfügt Afghanistan auch über natürliche Ressourcen an Zink, Gold, Kupfer und Eisen, die zumeist im Südosten abgebaut werden. Außerdem wurden kürzlich Erdöl und Gasvorkommen im Norden gefunden, die sich als wichtige Quelle erweisen könnten. Weitere Ressourcen des Landes sind Uran, Kohle, Salze u.a..

Kuriose Fakten Volume 2 folgt in Kürze – bleibt dran und unterstützt Conflictfood!

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Poppy Trails – Vielseitige Abhängigkeiten vom afghanischen Mohn

Poppy, das englische Wort für Mohn, klingt harmlos, beinahe niedlich und das weiß-rosa bis knallrote Blütenmeer eines Mohnfeldes, vermittelt eine romantische Atmosphäre. Dass die Realität nach der Ernte der Mohnfelder brutal anders aussieht, zeigen Robert Knoth und Antoinette de Jong mit ihrer Kunst-Installation ‚Poppy – Trails of Afghan Heroin’, die derzeit im c/o Berlin Ausstellungshaus für Fotografie Interessierten die Augen öffnen soll.

Über zwei Jahrzehnte lang haben die beiden Künstler die Routen des afghanischen Heroins verfolgt, die von Afghanistan in alle Himmelsrichtungen verlaufen, über Russland nach Westeuropa und China, nach Ostafrika und Dubai. Ihre multimediale Installation dokumentiert die dunkle Seite der Globalisierung: brutale Bandenkriege, illegale Geldwäsche, Korruption, Frauenhandel und tödliche Sucht – ein beeindruckendes Kaleidoskop von Kriminalität, Krise und Chaos.

Einst war die durch Afghanistan verlaufende Seidenstraße ein berühmter Handelsweg über den Güter, Kulturen und Religionen ausgetauscht wurden. Heute werden über die Trasse vielmehr Drogen geschmuggelt und Chaos geliefert. Dort wo Konflikt und Kriege herrschen gedeiht auch der Opiumhandel, „er liebt smuta, das russische Wort für Chaos und Verwirrung. Wo immer die Heroin-Karawane vorbeikommt, entsteht organisiertes Verbrechen. Es wird so viel Geld damit gemacht, dass ganze Nationalstaaten untergraben werden“ erklärt eine resigniert wirkende Frauenstimme zu den wechselnden Bildern von Dealern, Gefangenen, Prostituierten, Grenzsoldaten, Polizisten und Kindern. In Konfliktregionen regiert Smuta und Drogen sind ein integraler Antrieb der Unordnung.

Afghanistans Abhängigkeiten

 

Afghanistan produziert über 90 % des gesamten Opiums weltweit, es ist ein Zentrum des globalen Drogen-Netzwerkes. 50 Milliarden US-Dollar werden jährlich mit afghanischem Heroin verdient. Den Löwenanteil sahnen dabei definitiv nicht die Kleinbauern ab, die den Mohn produzieren. Am meisten profitieren korrupte Staatsbeamte, mächtige Warloards und in Afghanistan die Taliban. Nichtsdestotrotz bildet die Opiumproduktion die Lebensgrundlage vieler Landwirte. Obwohl ihre Lage in der Schattenökonomie alles andere als rosig ist, würde der Alltag ohne die rosaroten Blumen wohl momentan noch düsterer aussehen. Denn, wie ein Gouverneur aus Kandahar, einer der Hochburgen des Schlafmohnanbaus und der Taliban, im Jahr 2014 der ARD erklärte:

„Der Bauer profitiert vom Mohnanbau mehrfach. Für Mohn braucht er keine Straße, kein Kühlhaus, keinen Traktor, die Bauern können ihre zehn Kilo Schlafmohn selber zu ihren Lagern tragen oder wo immer sie die Ware verkaufen wollen. Und das Beste: Die Einkäufer kommen sogar zu ihnen, um den Mohn zu kaufen.“ Opium und Heroin sind wirtschaftlich potente Güter, die in harten Deals verhandelt werden, aber mit dem Gebrauch Gesellschaft und Menschen schwächen und in unwiderruflich in Abhängigkeiten führen. Insgesamt konsumieren weltweit etwa 15 Millionen Menschen Heroin, produziert aus afghanischem Mohn. Laut des UN-Büros für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung (UNODC) sind acht Prozent der afghanischen Bevölkerung drogenabhängig, das sind etwa eine Million der 15- bis 64-Jährigen und damit doppelt so viele wie der weltweite Durchschnitt. Viele Nutzen Heroin und Opiate als Medikation gegen die Tristesse des Lebens in der Krise.Drogenkonsum auf den Straßen KabulsBereits seit Jahrhunderten wird Opium als Beruhigungs- und Schmerzmittel verwendet. Aber, erst im Laufe der 1980er Jahre stieg Afghanistan als Drehscheibe der globalen Versorgung auf. Während der sowjetischen Besatzungszeit wurden Heroin und Opium geschmuggelt, um mit dem Erlös Waffen im Krieg gegen die Sowjetunion zu finanzieren. Nach dem Ende der Besatzungszeit kämpften verschiedene Mujaheddin-Gruppen um die Handelswege. Wer den Opiumhandel kontrollierte sicherte sich Macht. 1999 sorgte eine Reform der Taliban für die Zerstörung von 90% der Anbauflächen, künstlich erhöhten sie dadurch die Preise der Droge. Erst mit dem Fall der Taliban nach dem 11. September und der amerikanischen Intervention in Afghanistan stieg die Produktion wieder rasant an. Zwischen 2001 und 2007 erhöhten sich die Ernten von 185 Tonnen auf 8200 Tonnen.

Das globale Netzwerk

 

Diese Zunahme der Produktion verdeutlicht auch, dass Afghanistan eine steigende internationale Nachfrage bedient. Mit einer riesigen Infografik veranschaulichen Knoth und de Jong, dass die Drogen-Route sich keineswegs auf die ehemalige Seidenstraße beschränkt, sondern über ein komplexes Netzwerk verläuft. Die darauf abgebildeten Handelsbeziehungen stehen musterhaft für den Zusammenhang von Konflikt, Schattenökononomie und Drogenhandel. Länder, die historisch an dem Afghanistan-Konflikt beteiligt waren, sind auch heute noch maßgeblich in den Drogenhandel involviert. Gegenwärtig ist Russland stärkster nationaler Abnehmer, mit 21% afghanischen Heroins, und auch nach Ostafrika fließen etwa 10% der Ernten (Hintergrund: Somalische Kämpfer unterstützten die Mujaheddin damals im Kampf gegen die Sowjets).Die in der Kunstinstallation dargestellte Komplexität des Drogennetzwerkes verdeutlicht, dass ein eindimensionaler War-on-Drugs, der einzig auf die Verhaftung der Dealer und Zerstörung von Ernten abzielt, keinen Erfolg haben kann. Als Teil der Schattenseite der Globalisierung ist der Heroin- und Opiumhandel historisch gewachsen und stark vernetzt, zu viele Puzzleteile ergeben das Gesamtbild, zu viel hängt von den bunten, berauschenden Mohnblüten ab.

 

Safran statt Opium!

 

Aber, man kann den afghanischen Kleinbauern eine Alternative bieten: Safran! Safran ist der perfekte Ersatz für Mohn, weil sein Anbau die gleichen Vorteile für die Bauern bietet: die Blüten bringen hohe Gewinnspannen und erfordern geringe landwirtschaftliche Infrastrukturen.

Deshalb importiert Conflictfood afghanischen Safran – um die Mohnproduktion zu entwurzeln. Mach mit und hilf uns dabei die Konfliktökonomie Afghanistans zumindest teilweise zu entwaffnen!

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‘A nation stays alive when its culture stays alive’

Was machst du an einem verregneten Wochenende denn so? In Berlin gehen Salem und Gernot, die Gründer von Conflictfood, ganz gerne mal ins Museum. Aber in Kabul? Gibt es überhaupt Museen in Afghanistan? Ja – und zwar eines mit einer Geschichte, die spannender ist, als jeder Krimi, den du je gelesen hast! Begleite das Team von Conflictfood bei einem Spaziergang durch das Nationalmuseum Kabul.

Die Schätze des Afghanischen Nationalmuseums

 

Einen Steinwurf entfernt vom komplett zerbombten Präsidentenpalast steht das ehrwürdige, knapp 100 Jahre alte Museumsgebäude des Afghanischen Nationalmuseums. Unser Wagen ist der einzige auf dem weitläufigen Parkplatz vor dem Haus, auch im Museum werden wir an diesem Tag, neben 5-6 Schülern des naheliegenden Gymnasiums, die einzigen Gäste sein. Die Eingangshalle ist großzügig gestaltet und auch sonst ist das Gebäude sehr weitläufig. Allerdings ist es beinahe leer. Nur wenige Exponate der eigentlich sehr reichen Geschichte des Landes sind zu sehen. Ein Raum widmet sich einem sehr kuriosen Objekt, zu sehen ist Präsident Hamid Karsais altes Nokia Handy. Im ersten Augenblick erschien uns das als absurd, doch wenn man die Geschichte des Hauses kennt, ergibt es Sinn.

Kaum haben wir unseren Rundgang begonnen überrascht uns ein Stromausfall, der das ganze Museum ins Dunkel taucht. Nichts ungewöhnliches in Kabul, das Netz ist einfach überlastet. Hier im Museum aber hat das noch weitreichendere Folgen, auch das Sicherheitssystem wird lahmgelegt. Bis zum Schluß leuchten wir uns nun den Weg durch die Räume mit unseren eigenen Handys.

In den späten 1970er Jahren stellte das Nationalmuseum Afghanistans noch über 100’000 Objekte aus. Aber der jahrzehntelange Bürgerkrieg und Konflikte hatten fatale Auswirkungen auf den Bestand der Ausstellung. Zu Zeiten der sowjetischen Besatzung wurde das Haus vom Militär überwacht, zahlreiche seiner Schätze fanden schleunigst ‚neue’ Besitzer. Es sollte noch schlimmer kommen. Während des Bürgerkrieges wurden das Dach und die Lagerräume bei einem Raketenangriff völlig zerstört. Tausende Artefakte sind danach abhanden gekommen und wurden geplündert. Bis Mitte der 1990er Jahre konnten nur noch 4’000 sichergestellt werden. Danach kamen die Taliban mit einer Verordnung von 2001 welche die Zerstörung von abgöttischen, unreligiösen Werken befahl. Die Folgen waren verheerend – 2’500 Kunstwerke verloren.

Ein goldenes Zeitalter für Afghanistan

 

Damals, in 1978, war Kabul mit rund einer halben Million Einwohnern eine belebte Drehscheibe Zentralasiens. Genau in diesem Jahr begann der Direktor des Nationalmuseums Dr. Omara Khan Masoudi hier zu arbeiten. Er ließ die Wörter am Eingang in den Stein meißeln – für die Ewigkeit. Spannende Jahre des Aufbruchs sollten folgen. Nur zwei Jahrzehnte zuvor wurde Kabuls Flughafen in Betrieb genommen, 1975 fand das allererste Rockmusik-Festival statt und die afghanische Frauenrechtsorganisation ‚The Revolutionary Association of the Women of Afghanistan’ wurde gegründet.

Ein goldenes Zeitalter für die Archäologie

 

1966 regte die Entdeckung von goldenen Schalen mesopotamischen Designs weitreichende archäologische Exkursionen in der Region an, während derer die Bedeutung Afghanistans auf antiken Handelsrouten untermauert wurde. 1978 brachte der Archäologe Viktor Sarianidi einen der weltweit wichtigsten Funde ans Licht. An den Berghängen von ‚Tillya Tepe’ im nördlichen Afghanistan grub er den Schatz der Baktrier aus: mehr als 20’000 Fundstücke aus Gold und Edelmetallen, inklusive der Krone einer nomadischen Prinzessin, Goldspangen, Brosche und Tausenden von Juwelen, die den unglaublichen kulturellen Reichtum des Landes belegen.

Das Ende des goldenen Zeitalters

 

Trotzdem wandte sich das Blatt noch im selben Jahr für die Afghanen. In den frühen Morgenstunden des 28. April 1978 ermordeten die Truppen der kommunistischen Demokratischen Volkspartei den Präsidenten Mohammad Daoud Khan und einen Großteil seiner Familie. Der Putsch wurde bekannt als ‚Saur Revolution‘, obwohl die Tat nichts mit einem bürgerlichen Aufstand gemein hatte. Im Dezember 1979 marschierten die sowjetischen Truppen ein, um das kommunistische Regime in ihrem Kampf gegen die Mujahideen zu unterstützen – dies war der Beginn einer Dekade des Guerillakrieges.

Ein sicherer und geheimer Ort

 

Aus gegebenem Anlass sollte die wertvolle Sammlung kurzfristig in Sicherheit gebracht werden. Unbezahlbare Artefakte, einschließlich von hellenischen Marmor- und Bronze-Statuen, Goldschalen, zerbrechlichen Glasarbeiten, frühen islamischen Schnitzereien, buddhistische Elfenbeinskulpturen und eine umfangreiche Sammlung an antiken Münzen wurden vorübergehend umgelagert. Hastig, ohne die erforderliche Sorgfalt, wurden die Kunstwerke abgebaut, verfrachtet und in das Haus des ehemaligen Ministers Sardar Mohammad Naim Khan gebracht. Im Oktober 1980 gab die kommunistische Regierung das Gebäude zurück und baute das Museum wieder auf.

Als sich die Sowjet Truppen nach zehn Jahren des Krieges bereit zum Abzug machten, sah sich das Museum mit einer zunehmend schlechteren Sicherheitssituation konfrontiert. Deshalb wurde gemeinsam mit dem Ministerium für Kultur entschieden, die wertvollsten Artefakte in der Stadt an unterschiedlichen Orten zu verteilen, um die Chancen von Diebstahl zu verringern. Die teuersten Stücke wurden in geheimen Tresoren im Keller der Kabul Bank verschlossen – diese Schätze wurden zu Legenden.

Die langen Jahre des Krieges machten das Leben von Kabuls Bevölkerung zur Hölle. Kulturstätten lagen in Schutt und Asche und Privateigentum wurde geplündert. Tausende afghanische Familien mussten das Land verlassen und ein desaströses Zeitalter für das Museum wurde eingeleitet. Das Museum wurde erneut zum Militärstützpunkt und die Gebäude wurden von zahlreichen Mujahideen-Gruppierungen besetzt. Jedes Mal, wenn gegnerische Soldaten vertrieben wurden, plünderten sie bei ihrem Abzug alles was sie tragen konnten. Bis heute weiß niemand was mit der gestohlenen Kunst passierte. Wahrscheinlich wurden viele auf dem Schwarzmarkt verkauft oder eingeschmolzen. Schließlich, in einem Anschlag im Mai 1993 beschädigten Raketen obere Teile des Gebäudes, was dazu führte, dass das Dach einstürzte.

1996 kamen die Taliban an die Macht. Überraschenderweise schützten sie zunächst die Sammlung. Die Türen des Museums blieben zwei Jahre verschlossen. Schließlich begann eine kleine, zurück gebliebene Gruppe an Museumsangestellten 1996 mit einer Inventarisierung, in der sie die 4’000 Objekte katalogisierten – nur noch 4 % von der ursprünglichen Kollektion.

2001 veranlassten die Taliban die Zerstörung von abgöttischen, unreligiösen Bildern. Unter dem Einsatz von Raketenwerfern und Panzern wurden 2’500 Werke sowie zwei enorme Buddha Statuen aus dem 6. Jahrhundert zerstört. Diese barbarische Vorgehensweise erfüllte die Herzen vieler Afghanen mit Wut. Weder die kommenden Generationen von Afghanen, noch die Geschichtsbücher werden diese Ära der Tyrannei jemals vergessen.

Glücklicherweise lagen die Herzstücke des Kunstschatzes sicher versteckt im Untergrund.

Der Beginn eines neuen Weges

 

Am 11. September 2001 krachten zwei entführte Flugzeuge in das World Trade Centre in Manhattan. Weil sich die Taliban beharrlich weigerten, Osama bin Laden und weitere Schlüsselfiguren von Al-Qaida an die USA auszuliefern, starteten die USA ihren Einmarsch in das Land im Oktober des gleichen Jahres. Der anschließende Fall des Regimes machte die Rückkehr nach Kabul für einige Einwohner sicherer, schnell wuchs die Bevölkerung der Hauptstadt auf fünf Millionen Menschen an. Obwohl die Sicherheitslage prekär blieb, ermöglichte internationale Hilfe den Wiederaufbau des Museums und seiner Sammlung.

Im Jahr 2003 beschloss das Ministerium für Information und Kultur die verborgenen Schätze wieder auszustellen und eine Delegation wagte sich wieder in die Tresore. Damals erklärte Präsident Hamid Karzai: “Es war wie in einem Film. Wir mussten mit dem Aufzug drei Stockwerke unter den Palast fahren, ein Tunnelsystem mit eingebauten Fallen passieren und dann durch eine Tür mit sieben oder acht Codes, die alle von unterschiedlichen Leuten behalten wurden.“ Der Schatz war erhalten geblieben! 324 Artefakte, die Herz und Seele von Afghanistan, wurden in den Boxen gefunden.

Dennoch nicht einmal 0,3 % des 100’000 Stücke umfassenden Schatzes aus Gold, Silber und Edelsteinen war erhalten geblieben.

Auch wenn es nicht mehr viel zu sehen gibt, die wenigen Stücke sind von unschätzbarem Wert und haben uns sehr beeindruckt und stehen für einen Neubeginn des Landes. Wir verlassen das Museum und entdecken eine Inschrift die unsere Hoffnung zum Ausdruck bringt.

Am Tor des Museums sind auf Arabisch und Englisch folgende Worte in Stein graviert: ‘a nation stays alive when its culture stays alive.’

Die 324 wunderbaren Kunstwerke in Kabuls Museum bereichern nicht nur verregnete Wochenenden – ihre unglaublichen Geschichten sind es wert, jeden Tag in der Woche erzählt zu werden!

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Das Friedenshaus „Paiwand-e-Noor“

In Bildung investieren

 

Kinder sind die Zukunft eines jeden Landes. Deshalb gehört die Bildung von ihnen zu den nachhaltigsten Projekten, die eine Gesellschaft leisten kann – wenn sie es sich leisten kann. Conflictfood fördert mit einem Teil der Einnahmen Bildungsprojekte in den Herkunftsländern. Diese suchen wir sorgfältig aus und überzeugen uns persönlich von den Standards. Mit Conflictfood wird dein Kauf zu einem Schritt in Richtung Frieden!

In Afghanistan haben wir von Conflictfood ein ganz besonderes Projekt besucht – ein Kinderheim, dass zugleich Waisenhaus, Schule und Schutzraum ist – und kriegsversehrten Kindern ein Zuhause bietet, sie fördert und zugleich fordert. 103 Mädchen und Jungen haben an einem lichtdurchfluteten Ort am Rand von Kabul ihr Zuhause gefunden. Nicht umsonst trägt das Friedenshaus den Namen „Paiwand-e-Noor“ – auf Deutsch: „Quelle des Lichts“ – es bietet Kindern einen Zufluchtsort jenseits der Schatten des Krieges.

Vom Krieg gezeichnet

 

Das im Jahr 2005 errichtete Haus beherbergt nicht nur Waisen, sondern auch Kinder, die in ihren Familien nicht ausreichend versorgt oder gefördert werden können. Knapp die Hälfte der Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren hat keine Angehörigen mehr, oder stammt aus weit entfernten Provinzen. Die andere Hälfte der Mädchen und Jungen übernachtet noch bei ihren Familien. Sie werden morgens vom hauseigenen Fahrdienst abgeholt und abends wieder zurück gebracht.

Alle Kinder die hier spielen und lernen, sind schwer vom Krieg gezeichnet. Geboren in einem Land, in dem seit 38 Jahren Krieg herrscht, erlebten sie tagtäglich die dunkle Seite des Konflikts. Viele sind aufgrund von Kriegsverletzungen körperlich behindert und seelisch traumatisiert. Einige sind auf Minen getreten oder wurden durch Granaten versehrt, andere wurden von durch die, von der Sowjetarmee eingesetzten Schmetterlingsbomben verstümmelt – Bomben, die auf eine perfide Weise als Spielzeug oder Kugelschreiber getarnt sind, damit sie Kinder anlocken, die sie beim Spielen auslösen.

Wegen ihrer körperlichen und seelischen Probleme ist vielen Kindern und Jugendlichen eine Integration in die Gesellschaft erschwert. Ziel des Projektes ist, diese Kinder aufzufangen, ihnen ein familiäres Umfeld zu bieten und eine schulische und berufliche Ausbildung zu ermöglichen, damit sie ein selbstbestimmtes Leben führen können.

Bildungswege in eine unabhängige Zukunft

 

Konkret setzt sich „Paiwand-e-Noor“ dafür ein, dass die Kinder und Jugendlichen am regulären Schulunterricht in staatlichen Schulen teilnehmen und einen national anerkannten Schulabschluss erreichen. Danach können sie sich für eine handwerkliche Ausbildung oder einen höheren Bildungsweg entscheiden. Dabei achten die Betreuer darauf, dass Kinder mit physischen und psychischen Einschränkungen besonders gefördert werden. Sie und ehrenamtliche Nachhilfelehrer der privaten Universität Kabul begleiten ihre Schützlinge beim Lernen über den normalen Schulunterricht hinaus. In „Paiwand-e-Noor“ können sie Tischlern, Schreinern oder Schneidern lernen, handfestes Wissen, das ihnen einen Lebensunterhalt ermöglichen wird.

Träumen statt Traumata

 

Bei gutem Wetter tummeln sich die Kinder draußen auf dem kleinen Spielplatz oder dem Rasenfußballplatz. Durch eine Kooperation mit einem nationalen Sportclub können sie dessen Räumlichkeiten kostenlos nutzen und ihre Lieblingssportart dort ausüben. Bewegung ist ein emotionales Ventil und eine Möglichkeit der Verarbeitung ihrer traumatischen Vergangenheit. Egal, welche Einschränkungen sie durch den Krieg erleiden mussten – hier sind sie ein Team.

Um den Kindern bei der Bewältigung ihrer psychischen Traumata aktiv zu helfen, bekommt „Paiwand-e-Noor“ regelmäßigen Besuch von der Psychotherapeutin Karin Struck aus Deutschland. Während ihres Aufenthaltes in Kabul wohnt und arbeitet sie zusammen mit den Kindern. Da sie die lokale Sprache Dari spricht, kann sie sehr schnell Kontakt zu den Kindern knüpfen und helfen ihre psychische Verfassung zu stabilisieren und zu verbessern.

Gleichzeitig werden die Kinder von dem Arzt Dr. Gulab Gul betreut. Dr. Gul war selbst ein vom Krieg betroffenes Flüchtlingskind. Daher ist er mit Herz und Seele für die Kinder von „Paiwand-e-Noor“ da.

Gemeinschaft wird groß geschrieben

 

Die Vermittlung wichtiger Werte wie Verständnis, Freundschaft, Toleranz und geschlechtliche Gleichberechtigung sind Grundpfeiler der Erziehung von „Paiwand-e-Noor“. Familiäre Strukturen und Gemeinschaft bilden die Basis des Zusammenlebens. In den belebten Gemeinschaftsräumen ist immer viel los. Zusammen wird hier gebastelt, gehäkelt und gespielt. Die Schlafsäle sind so eingerichtet, das jedes Kind sein eigenes kleines Reich mit einem Bett und einem Schrank hat – das ist nicht viel, aber trotzdem mehr, als die meisten Familien ihnen zu Hause bieten könnten.

Trotzdem waren bis vor einigen Jahren die Lebensbedingungen im Haus nicht optimal. Das Dach war undicht, die Fenster zugig und der Putz bröckelte von den Wänden. Die eindringende Feuchtigkeit und Kälte begünstigten typische Wintererkrankungen, wie die Grippe. Im Jahr 2015 liefen endlich neue Renovierungsarbeiten an und die Kinder waren aktiv daran beteiligt und es wurde gemeinsam angepackt: Sie durften die neuen Farben aussuchen und bei den Handwerkern hospitieren, um praktisches Fachwissen für ihre Zukunft zu lernen. Jetzt ist das Haus für die stark schwankenden afghanischen Wetterbedingungen im Winter und Sommer gewappnet.

Der Beginn einer Erfolgsgeschichte

 

Zum Ende des Jahres 2014 haben 14 von den 111 Kindern die Schule erfolgreich abgeschlossen. Drei von ihnen haben ein Studium begonnen und eine arbeitet bereits in einer Gemeinschaftspraxis als Zahnärztin. Die anderen elf Absolventen haben ebenfalls erfolgreich ein Beschäftigungsverhältnis gefunden. Sie alle kommen ab und zu auf einen Besuch vorbei und fühlen sich immer noch ganz wie zu Hause.

Das Projekt „Paiwand-e-Noor“ ist ohne zeitliche Begrenzung angelegt. Abdul Saboor, der Projektleiter, ist verpflichtet in regelmäßigen Abständen Berichte an den Verein für Afghanistan Förderung Bonn zu senden. Damit, und durch regelmäßige Besuche, prüft der Verein die Entwicklung des Hauses. Dank der Förderung der Else Kröner-Fresenius-Stiftung hat sich „Paiwand-e-Noor“ seit 2014 hervorragend entwickelt. Durch drei verschiedene Ausstrahlungen im afghanischen Fernsehen ist das Projekt im Land sehr bekannt und beliebt geworden – bereits 200 Kinder stehen auf der Warteliste.

Allerdings ist der Förderungszeitraum im Frühjahr 2016 abgelaufen und die Zukunft des Hauses unsicher. Die finanzielle Zuwendung aus den Erlösen des Safran-Verkaufes von Conflictfood kommt also genau im richtigen Moment. Conflictfood möchte „Paiwand-e-Noor“ unterstützen, damit den Kindern auch in Zukunft ein stabiles Zuhause geboten werden kann. Neben der Deckung von Personal und Instandhaltungskosten soll auch in eine neue Computerausstattung investiert werden.

Projekte wie „Paiwand-e-Noor“ sind Gold wert, wenn wie im Fall von Afghanistan die finanziellen Mittel oder schlichtweg der soziale Rahmen fehlen, um Kinder angemessen zu fördern.Genau deshalb fördert Conflictfood den Fluss von finanziellen Mitteln nach „Paiwand-e-Noor“, damit die Quelle des Lichts nicht versiegt.

Mit den Kindern und den Betreuern drei Tage verbringen zu können, war eine enorme Bereicherung für uns! Wir durften mit den Kids Fußball spielen, sie beim Handarbeiten begleiten und uns zwei wunderbare Schals stricken lassen. Wir freuen uns auf das nächste Mal mit euch!

Helft uns mit dem Kauf des Conflictfood Safrans, das Friedenshaus zu unterstützen!

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Game of Drones

Kampfdrohneneinsätze zwischen Videospiel und realer Brutalität

 

Zwei Sergeants der US-Airforce sitzen in gemütlichen Kunstledersesseln in einer klimatisierten Kabine im Fort Knox in Kentucky / USA. Das Steuerungspult wirkt wie das Cockpit eines Kampfjets. Im Unterschied zu regulären Kampfpiloten befinden sie sich jedoch in totaler Sicherheit. Die zahlreichen hochauflösenden Bildschirme zeigen eine Liveübertragung vom fernen Einsatzland Afghanistan aus der Vogelperspektive. Gerade überfliegen ihre Drohnen süd-östliche Provinzen nahe der Grenze zu Pakistan. Ihr Ziel: ‚bugsplat’ (Ungeziefer klatschen) – im gegenwärtigen US-Militärjargon eine gängige Bezeichnung für Drohnenschläge. Gejagt werden Terroristen im Rahmen der US Anti-Terrormission ‚Freedom’s Sentinel’.So oder ähnlich könnte sich die Situation vor dem gezielten Drohnenanschlag auf den Chef der afghanischen Taliban Akthar Mansur abgespielt haben, den das Pentagon vor knapp drei Wochen bekannt gab.

 

Afghanistan im Visier

 

Seit geraumer Zeit feuern die USA jede Woche mit ferngesteuerten Kampfdrohnen Bomben auf afghanische Provinzen, um Gegner wie Mansur zur Strecke zu bringen. Solche sog. ‚strategische Treffer’, sind von der US-Regierung bejubelt. Dafür werden zivile Todesopfer als Kollateralschäden gleichmütig hingenommen.

Derzeit ist Afghanistan das am meisten durch Drohneneinsätze zerbombte Land der Welt. Aufgrund seiner geopolitisch strategischen Lage im mittleren Osten ist das Land seit jeher eine Drehscheibe von internationalen Konflikten. Jahrzehntelang stand deshalb die afghanische Zivilgesellschaft unter Beschuss. Die Liste der Opfer ist endlos, das eingesetzte Arsenal an unmenschlichen Waffen sprengt jedes Vorstellungsvermögen. Seit der sowjetischen Besatzung ist das Land noch immer völlig vermint und ihre übriggebliebenen Schmetterlingsbomben, getarnt als Spielzeuge, zielten auf die Verwundung der Jüngsten ab.

Zielgenau? Treffsicher? Effektiv?

 

Drohnen werden seitens der USA – und anderer Befürwortern – als die humanitäre Waffen charakterisiert, weil sie im Gegensatz zur traditionellen Kriegsführung angeblich eine äußerst effektive, präzise Tötung einzelner Personen zulassen.

Einmal abgesehen von der grundsätzlichen ethischen Infragestellung der Legitimität der staatlich gesteuerten Tötung von Menschen, ist es ebenso fragwürdig, ob man vermeidliche Bösewichte im Angriffsfall überhaupt aus solchen großen Distanzen zuverlässig erkennen kann? Die von Präsident Obama geleitete Jagd nach Terroristen basiert auf einer Kategorisierung von Lebensmustern, wonach Personen als verdächtig eingestuft werden. Offiziellen Vertretern Obamas zufolge ist im Ernstfall jede männliche Person im kampffähigen Alter, die sich in den Drohneneinsatzgebieten aufhält, so lange potentiell verdächtig, bis ihre Unschuld bewiesen werden kann. Meistens jedoch sind die Kampfjets schneller als die Ermittlungen.

Mit der Veröffentlichung von geheimen Papieren über die drohnenbasierte US-Militärstrategie deckte das Nachrichtenportal ‚The Intercept’ auf, dass die Drohnenmorde alles andere als präzise sind. 90% von den Opfern der US-Drohnenoperation in Afghanistan waren keine ‚militärischen Ziele’. Allein im Jahr 2015 wurden in nur sechs Monaten mindestens 400 Menschen von Drohnenanschlägen getötet, darunter mehrheitlich Zivilisten. Diese hohe Anzahl von zivilen Opfern spricht gegen die Zielgenauigkeit und Treffsicherheit der Drohnenschläge. Auch ihre Effektivität gegen ‚den Terror’ ist anzuzweifeln – nach Mansurs Tod wurde das vorübergehende Machtvakuum seitens der Taliban schnell wieder gefüllt, zukünftig übernimmt sein Stellvertreter Haibatullah Achundsada die Leitung.

 

Aufstieg der Drohnen, Fall des Völkerrechts

 

Nach dem Startschuss der US-Mission ‚Freedom’s Sentinel‘ unter Friedensnobelpreisträger Barack Obama hat sich der Einsatz von Drohnen zwischen 2011 und 2015 von 5% zu 56% aller US-Operationen erhöht. Dieser Anstieg lässt sich mit den zunehmenden Legitimitätsproblemen der politischen Führungsgarden erklären: Kriege zu rechtfertigen ist grundsätzlich ein ethischer Balanceakt, insbesondere gegenüber der eigenen Bevölkerung. Wegen ihres vermeidlich minimal-invasiven Charakters passt die Drohne nun perfekt in den Rahmen der US-amerikanischen Doktrin der ‚guten Kriegsführung’, in der die USA als ‚Global Cop’ für Recht und Ordnung sorgt.

Aber, dahinter steckt ein klares Kalkül: die Drohne dient dem Schutz der eigenen Nation. Da Drohnen bequem von zu Hause aus gesteuert werden können, geht der Staat zumindest bezüglich der eigenen Bürger geringere Risiken ein. So wirbt auch die US-Air Force für eine Ausbildung zum Drohnenpiloten mit einem Video, dass den Drohnenkrieg, wie ein Computerspiel darstellt.In der Realität haben oftmals weder die entsprechenden Regierungen noch die betroffenen Gesellschaften eine Ahnung, wo genau gegenwärtig akute Gefahr aus der Luft heraus herrscht. So machen Drohnen, laut dem französischen Philosophen Grégoire Chamayou, die gesamte Welt zum Kriegsraum und den Krieg potentiell allgegenwärtig. Genau genommen sind damit die Grundprinzipien des Völkerrechts und der Kriegsethik umgeworfen: nationale Souveränität wird angegriffen und nicht der Schutz von Zivilisten, sondern vielmehr der Schutz der eigenen, involvierten Streitkräfte steht im Vordergrund des Kampfeinsatzes.

 

Folgenreiche Fernsteuerung

 

Letztlich sind die unbemannten Waffen möglicherweise auch für ihre Piloten gefährlich. Die extreme geografische Distanz täuscht eine eigene Unverwundbarkeit vor. Damit fördern Drohnen eine Videospielmentalität. Physisch mag das zutreffen, per Knopfdruck werden Morde ohne eigene körperliche Involvierung abgewickelt. Unklar ist allerdings derzeit noch inwieweit die Psyche der Soldaten langfristig angegriffen wird.

Klar ist, dass die Angriffe für eine Entfremdung der Opfer sorgen und Hass schüren. Die zunehmende Betroffenheit der Zivilgesellschaft und ausbleibende Gegeninitiativen seitens der aktuellen afghanischen Regierung unter Ashraf Ghani erhöhen die Rekrutierungsmöglichkeiten der bewaffneten Opposition, sprich: auch der Taliban. Vielleicht bieten Drohnen Alternativen zur allgegenwärtigen Zerstörung im totalen Krieg. Aber, durch Drohnenschläge getötete Terroristenführer allein eröffnen definitiv keine Wege in Richtung Frieden. Der Fall Mansur verdeutlicht, dass er sozusagen nur der ‚Kopf der Hydra’ ist – ein neuer führender Kopf bildet sich schnell heraus und erfährt womöglich noch mehr Solidarität.Dass Drohnen tatsächlich auch für humanitäre Zwecke eingesetzt werden können, zeigen junge Unternehmen wie Zipline International, deren Drohnen zukünftig überlebenswichtige Medikamente in Kriegsregionen wie Ruanda liefern sollen.

So werden die unbemannten Kriegsflieger zu Friedensboten!

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Kriegsteppiche

Nomadische Völker des heutigen Afghanistans haben die Kunst des Teppichknüpfens perfektioniert – der afghanische Teppich ist jedem ein Begriff.

Invasionen und Kriege brachten jedoch eine ganz neue und skurrile Variante der Knüpfkunst hervor!

Was haben Kalaschnikows und Bomben auf Teppichen zu suchen? Und was hat das mit Conflictfood zu tun?

Geknüpfte Geschichte

 

Das Teppichknüpfen ist in Afghanistan eine jahrtausendealte Tradition. Afghanische Teppiche wurden weltweit geschätzt, sie waren ein wichtiges Exportgut des Landes.

Die ersten gewobenen Kelims und geknüpften Teppiche wurden damals von Nomaden als Ersatz für Tierfelle hergestellt. Sie waren ein praktisches und vielfältiges Möbelstück weil man sie gut einrollen, aufs Pferd oder Kamel packen und am neuen Rastplatz sofort wieder als gemütlichen Boden, “Wand” oder “Eingangstüre” benutzen konnte.

Jeder Stamm hat seit Generationen sein eigenes Muster und seine eigene Farbgebung, vergleichbar mit europäischen Familienwappen.

Die traditionelle Kunst des Teppichknüpfens gehört zu den ältesten kulturellen Leistungen der Menschheit und wurde 2010 sogar in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen.

 

Teppichmuster

 

Die ersten Muster von Web- und Flechtwerken waren denkbar einfach:

Die rechtwinkelige Struktur von Schuss und Kette im Webrahmen gibt – im Gegensatz zur Buchmalerei oder Keramik – alle Grundformen vor:

Streifen, Quadrate, Rechtecke, Sechs- und Achtecke dominierten Jahrtausende lang die Grundformen von Teppichen. Lauter Formen, die geflochtene Bänder als Bild wiederholen und deren reziprok entstehenden Zwischenräume (also deren Löcher und freien Stellen, Sechs- oder Achtecke im Flechtwerk) darstellen. Ein Blick auf das Geflecht eines Stuhles genügt, um dieses Prinzip zu verstehen.Die über Jahrhunderte und Jahrtausende nur geometrischen und durchgemusterten Teppiche integrierten mit der Zeit starke Merkmale des jeweiligen Klimas sowie Gedankengut aus Mythologie und Religion, aber auch aus dem täglichen Erfahrungs- und Lebensbereich der Künstler. Für den schriftkundigen Nomaden wird der Teppich mehr und mehr zum lesbaren Piktogramm, zum Kultobjekt oder Kulturgegenstand.

Die Vielfalt an Mustern und Motiven, die Vernetzung vieler Kulturen, die ethnologischen, aber auch klimatischen Eigenheiten führten zur traditionellen Verwendung bestimmter Farben, Motiven, sogar zur Verwendung bestimmter Techniken und Proportionen eines jeden Stammes oder Gebietes.

Im Laufe der Zeit erweiterte sich der Motivkanon. Das persische und osmanische Reich verwendete Designs, die aus der Buchmalerei und Keramik entsprungen sind – floraler, höfischer Prunk, üppige Kurven und Rosetten wurden dargestellt, Jagd- und Gartenmotive waren beliebt, erstmals wurden auch Seide und Baumwolle verarbeitet. Auch die kleinen, typischen Zeltformate wurden zum Teil durch riesige Palastformate ersetzt.Beide Seiten, die höfische und die traditionell nomadische Tradition bereicherten sich gegenseitig in ihrem Stil und ihrer Formensprache. Mit dem Niedergang der Osmanen und der afghanischen Invasion in Persien endete der höfische Stil abrupt.

 

Vom Luxus zur Massenware

 

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es zur zweiten entscheidenden Wende: Nicht zuletzt durch die Wiener Weltausstellung von 1873 wurde der Orientteppich weltweit auf breitester Basis vorgestellt. Der Handel und die Bestellungen erreichten bis 1900 ein unvorstellbares Ausmaß – der Orientteppich wurde zum Statussymbol, Material und Muster wurden von nun an vom Markt diktiert. In den 1920ern wurden Nomaden zum großen Teil sesshaft. Teppiche wurden seitdem bei großen Manufakturen bestellt und als Massenware gehandelt.

Ab 1960 entstanden Kopien traditioneller Muster auch in europäischen Drittländern wie Rumänien und Bulgarien, etwas später, circa ab 1970, in orientalischen Drittländern, und zwar in Pakistan und Indien, noch später sogar in China.

Somit stand und steht neuen Entwicklungen an Muster und Farbe nichts mehr im Wege. Mittlerweile entstehen alljährlich neue Teppicharten mit dem Versuch, Marktnischen zu nutzen und dem Kundengeschmack zu entsprechen.

 

Geknüpfter Krieg

 

In den 1980ern, während des sowjetisch-afghanischen Krieges, starben zwischen einer und anderthalb Millionen Menschen, fünf Millionen waren wegen des Krieges aus dem Land geflohen. Viele gingen nach Pakistan, wo eine Möglichkeit der Lebenssicherung das Teppichknüpfen war.

Dieser Krieg brachte auch eine neue, außergewöhnliche Kategorie der Gegenwartskunst. Auf afghanischen Knüpfteppichen erschienen nach der sowjetischen Invasion in den 1980ern erstmals radikal neue Bildmotive: Die Kriegsteppiche bzw. „War Rugs“ entstanden.

Statt Granatäpfeln zeigen sie Handgranaten, statt Blumen Flugzeuge und Kalaschnikows.Photo credit: Kevin Sudeith/Warrug.com ( https://www.warrug.com/index1.php?idr=1669 )Photo credit: Kevin Sudeith/Warrug.com (https://warrug.com)Bildeten die Waffen zunächst die Bordüre, so rückten sie bald als Hauptmotiv in die Mitte, um schließlich die ganze Fläche eines Teppichs zu bedecken.

Die Teppiche heroisieren nicht nur die eigenen Taten, sie führen oft die erdrückende Übermacht des Feindes der Weltöffentlichkeit vor Augen: Eine Moschee wird von einer Rotte von Kettenfahrzeugen eingekreist; ein Stadtviertel ist von feindlichen Truppen besetzt und schweren gegnerischen Angriffsgeräte stehen die eigenen leichten Feuerwaffen gegenüber.

Wie stark der Kriegsalltag mit der Kunst interagiert wird klar, wenn man sich die schnelle Weiterentwicklung der Motive genauer ansieht: Nach 2001 findet sich der Einmarsch der NATO auf den Teppichen wieder und ganze Editionen bilden den Anschlag auf die Zwillingstürme des World Trade Centers ab.Photo credit: Kevin Sudeith/Warrug.comhttps://warrug.com/November.php)Seit wenigen Jahren ergänzen Drohnen und Drohnenangriffe den Bilderkanon der Teppiche.

Obwohl diese geknüpften Bilder die Allgegenwart todbringender Waffen bezeugen und vom Leid der Menschen und ihren seelischen Verletzungen berichten, verweisen sie auch auf traditionelle Werte, die Hoffnung geben sollen und Frieden verheißen. Mit dieser “Kunst im Widerstand“ haben die Menschen eine Ausdrucksform gefunden, um sich mit den furchtbaren Kriegserlebnissen und ihrer Flucht aus der Heimat auseinanderzusetzen und sie zumindest ansatzweise psychisch zu verarbeiten. Psychogramme und Bilder gegen das Vergessen werden zu geknüpften Zeitdokumenten und halten diese neue Form der Teppichkunst am Leben.

 

Conflictfood führt die Tradition weiter

 

Auf unserer Reise durch Afghanistan fanden wir immer wieder Kriegsteppiche auf den Märkten und in Teppichläden. Allesamt waren bei genauerer Betrachtung maschinell gefertigte Billigware. Die älteren und somit wertvolleren Originale sind längst in den Händen von Sammlern weltweit und erzielen hohe Preise auf Auktionen.

Ob Kriegsteppiche Kitsch oder Traditionshandwerk sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf uns übten sie jedenfalls eine eigenartige Faszination aus und waren Inspiration für die grafische Umsetzung der Conflictfood – Safran –Verpackung.In der Tradition der Kriegsteppiche haben wir, gemeinsam mit unserer Grafikerin Lisa Baur, das Thema neu aufgegriffen. Viele Varianten sind dabei entstanden, wurden immer wieder verändert und verbessert, bis wir uns für den Druck dieses Motives entschieden haben:

Auf den ersten Blick erscheint das Muster ähnlich einer traditionell afghanischen Teppichstruktur. Erst auf dem zweiten Blick sieht man Granaten, Gewehre, Flugzeuge und Safranblüten.

Safran findest du hier

Safran

Safran, ein Schmuck für Götter, Könige und Helden

Von Zeus wird in einer Sage der griechischen Mythologie berichtet, er habe auf einem Bett aus Safran geschlafen. Und bereits die Phönizier verwendeten Safran als Heil- und Gewürzmittel. Kennengelernt hatten sie ihn vermutlich von den Indern und schon in der Antike war Safran ein Luxusartikel.

Im alten Ägypten wird er im «Papyrus Ebers» erwähnt und das «Hohelied Salomos» im Alten Testament rühmt den Safran als das kostbarste Gewürz.

Am Hofe des sumerischen Königs Gilgamesch hat nur der Hofadel safrangefärbte Kleider getragen. Sie gehörten auch zur typischen Tracht der Perserkönige.

Fest steht, dass es in vielen Kulturen Brauch war, den Hochzeitsschleier mit Safran gelb zu färben. Reiche Römer streuten Safranfäden auf ihre Hochzeitsbetten.

Alexander der Große schlug bei seiner Ankunft in Kaschmir sein Zeltlager in einer mit saftigem Gras bedeckten Ebene auf. In der Morgendämmerung entdeckte er seine Armee inmitten eines Meeres lilafarbener Blumen, die des Nachts sogar im Zelt erblüht waren. Die Blütenfäden färbten seine Kleider goldgelb. Er glaubte an Hexerei und kehrt kampflos um. So will es zumindest die Legende.Über die sagenumwobene Ost-West-Route der Seidenstraße, an der Afghanistan einer der wichtigsten Knotenpunkte war, gelangte das Gewürz gemeinsam mit Gold, Edelsteinen und kostbaren Stoffen nach Europa. Hier herrschte noch das finstere Mittelalter, als Karawansereien dort bereits prosperierten und zu Wohlstand kamen.

Auf den Handelswegen in Zentralasien lebten Menschen von verschiedenen ethnischen und religiösen Hintergründen in Eintracht: Heiden, Christen, Juden, Hindus, Zoroastrier, Buddhisten und später Muslime. Allerlei wundersame Güter wurden umgeschlagen, an den Lagerfeuern wurden endlose Geschichten erzählt und auf diese Weise entstanden auch die Märchen und Sagen aus 1001 Nacht.

Die Safranpflanze

Der Safran, aus dem arabisch/persisch زعفران, zaʿfarān, „Safran“ – der botanische Name lautet, Crocus Sativus – ist eine Krokusart und stammt aus der Familie der Schwertliliengewächse.

Die Knollenpflanze treibt im Herbst aus, ist Anfang November erntereif und überdauert das übrige Jahr wieder im Boden.

Die Pflanze kann keinen Samen bilden und vermehrt sich nur durch Teilung der Knollen. Etwa alle 4 Jahre muss die Knolle umgepflanzt werden, um gute Ernteergebnisse zu erzielen.Ausgewachsen erreicht die Safranpflanze eine Höhe zwischen 5 cm und 25 cm. Die Blüte selbst besteht aus 6 fliederfarbenen Blättern, die in der Blütenröhre münden. Innerhalb der Blütenröhre produziert die Pflanze einen hellgelben Griffel, dieser teilt sich in drei rote Stempelfäden. Diese drei süß-aromatisch duftenden Fäden werden mit mühevoller Handarbeit aus der Blüte entnommen und ergeben getrocknet das kostbare Gewürz Safran.

Das „Rote Gold“

 

Der Aufwand, der seit Menschengedenken mit dem Safran getrieben wird, sucht seinesgleichen. Die Ernte ist äußerst mühsam und zeitintensiv. Um ein Kilo des „Roten Goldes“ zu ernten, müssen unglaubliche 150.000- 200.000 Blüten gepflückt werden. Die tägliche Ernte beginnt sehr früh morgens, damit die Fäden keine zu massiven Sonnenstrahlen abbekommen. Noch am selben Tag müssen die Fäden vorsichtig entnommen und getrocknet werden – so schafft ein Pflücker es täglich höchstens 80g Safran zu gewinnen.

Ein weiteres Hemmnis großer Anbaugebiete ist, dass die Safranpflanze nur einmal im Jahr und dann für maximal 2 Wochen blüht. Der Rest des Jahres übt man sich in Geduld – die Felder können nicht zeitgleich anders genutzt werden. All dies sind Faktoren, warum Safran das teuerste Gewürz der Welt ist.

Opium für Kinder

Safran wird nicht nur als Gewürz verwendet, in der ayurvedischen Heilkunde und in der chinesischen Medizin wird es zu pharmazeutischen Zwecken genutzt. Safran soll den Kreislauf ankurbeln, den Stoffwechsel fördern und krampflösend wirken. Dem Safran wird auch eine aphrodisierende und stimmungsaufhellende Wirkung nachgesagt.

Im Altertum verwendetet man Safran als Beruhigungsmittel für Kinder, auch bei Husten und Darmkoliken wurde er verordnet. Und von Paracelsus stammt der Satz „ein fröhlich und gut Geblüt der Safran mache“.Diese Kombination von Wirkungen, krampflösend, schmerzstillend und stimmungsaufhellend, ist kennzeichnend für einen ganz besonderen Stoff: Opium! Arzneikundige aus lang vergangenen Zeiten bezeichneten den Safran als Ersatz für Opium oder als „Opium für Kinder“.

In einer Dosis von fünf Gramm wirkt Safran narkotisch, zwölf Gramm können bereits den Tod herbeiführen. Demnach ist er eine echte Droge. Es sind also auch die pharmakologischen Wirkungen, die diesem unscheinbaren Krokusfaden einen Platz in der Feinschmecker-Gastronomie verschafft haben: Safran macht Laune! Das erklärt unsere Bereitschaft, viel Geld für ein Produkt auszugeben.

Safran – Das Gewürz für Feinschmecker

 

Großer Beliebtheit erfreut sich Safran bei Feinschmeckern: Sein intensiver und dennoch leichter Geschmack hebt das Niveau vieler Speisen. Hinzu kommt, dass Safran die Gerichte schön gelb färbt – und allein dadurch Fröhlichkeit verbreitet und den Appetit anregt.In der persischen und afghanischen Küche wird Safran bei vielen Reisgerichten und Süßspeisen verwendet. Kennst du ihn nicht auch noch aus dem Kinderlied: “ Safran macht den Kuchen gel“…“?

Durch seinen feinen Geschmack und die leuchtend gelbe Färbung verleiht er dem Kuchen etwas ganz Besonderes! Und aus der spanischen Küche kennt man das Gewürz sicherlich vor allem auch in der Paella.Safran ist jedoch ein sehr intensives und starkes Gewürz – bei den Rezepten sind deshalb immer nur geringste Mengen notwendig, ansonsten werden die Gerichte schnell bitter! Er sollte grundsätzlich nicht lange gekocht werden – seine Aromen sind zum größten Teil „flüchtig“, also ist er am Besten erst in das fast fertige Gericht zu geben. Auch für Fischsuppen, Risotto, allerlei Gebäck und sogar zur Verfeinerung von Likören wird er verwendet.Man sollte folgende Regeln beim Kochen beachten:

Möchtest du eine besonders gelbe Farbe in deinem Gericht haben und ist dir das Aroma eher nebensächlich, dann solltest du die gemörserten Safranfäden von Beginn an mitkochen.

Möchtest du das besondere Safran-Aroma in deinem Gericht genießen, so solltest du die Fäden, wie vorher beschrieben etwas später dem Kochvorgang zufügen.

Aber genug der Theorie, im nächsten Beitrag gibt es ein geniales Rezept zum Nachkochen für euch!

Hier findest du unseren Safran

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Herat Frauenkollektiv

Der Frauenrat im Westen von Herat

 

Das afghanische Institut für ländliche Weiterentwicklung gründete 2008 die Vereinigung zur Kultivierung von Safran. Dieser wurde zunächst von Männern dominiert. In dem kleinen Örtchen 45 km von der Provinzhauptstadt Herat entfernt, wurden diese Männer von der Shura, dem Rat, gestellt. Ein kleine Gruppe von fünf Frauen waren Teil dieser Shura, denn sie wollten ein Mitsprachrecht in Angelegenheiten, die auch sie betrafen und sie hatten großes Interesse, die soziale Entwicklung ihrer Region aktiv mitzugestalten.Um die sozio-ökonomische Situation der Frauen zu verbessern, begann die NGO HELP e.V. mit einer Erhebung und Bewertung der aktuellen Lage. Nach vielen Sitzungen und Gesprächen mit Männern der Shura, mit dem Ziel eine autonome Frauen-Shura zu bilden, gelang es den Frauen tatsächlich sich abzutrennen. Sie formierten sich neu und unabhängig, zum ersten Frauenrat!

Von Frauen für Frauen

 

Die Frauen-Shura bedeutet Zugang zu Bildung, Arbeit und Information: Nun konnte dauerhaft ein Ort entstehen, an dem sich Frauen unabhängig austauschen können, wo Konferenzen abgehalten werden, wo Workshops und Fortbildungen nur für Frauen stattfinden. An dieses Frauenzentrum sollen ein Kinderspielplatz und ein Kindergarten angeschlossen werden sowie ein Internetcafé und ein Tee-Garten.Geschaffen wurde eine Vertriebsmöglichkeit für Agrarprodukte, im speziellen für Gemüse und für den Verkauf von Milcherzeugnissen. Der Safran gehört selbstverständlich auch dazu. Die Waren werden im vereinseigenen Shop und auf dem Markt gehandelt. Darüberhinaus gibt es Literatur-, Englisch- und Fotografiekurse, Ausbildungsmöglichkeiten am Computer und einen Schönheitssalon. Die Shura ist jetzt von der afghanischen Regierung als unabhängige Vereinigung offiziell anerkannt.Salem probiert die noch frischen „Quruti“Ein Mann aus dem Dorf sammelt Feuerholz

Wünsche, Hoffnungen, Ängste

 

Wir haben die Frauen-Shura nach ihren Visionen für die Zukunft gefragt: Sie haben ganz konkrete Ziele. Sie wollen den Gewinn wieder investieren, neue Geräte kaufen, mehr Land bestellen, um mehr Safran zu kultivieren. Aber mit Sorge schauen sie auf die jüngsten Entwicklungen im Land. Die wachsende Unsicherheit und ein Erstarken der Taliban-Milizen würde all das Erreichte wahrscheinlich vernichten.Wir von Conflictfood tun, was wir können, um den Menschen zumindest eine wirtschaftliche Perspektive zu bieten. Unser Ziel ist es, für die Menschen vor Ort eine sichere Existenz und ein gutes Einkommen zu schaffen. Damit sie einfach ein gutes Leben führen können. Im Länderranking der Weltbank belegt Afghanistan beim grenzüberschreitenden Handel den letzten Platz. Conflictfood eröffnet den Bauern neue Absatzmärkte – „made in Afghanistan“. Durch den Kauf von Safran kannst du das Frauenkollektiv aktiv unterstützen.

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Afghanistan – eine traurige Bilanz

Friede, Freude, Eierkuchen?

 

Eine Bilanz der vergangenen 15 Jahre Besatzung und Krieg offenbart wie grandios die USA und ihre Verbündeten in Afghanistan gescheitert sind. Der Krieg gegen Afghanistan hat die Welt nicht sicherer gemacht, sondern ist, wie auch der im Jahr 2003 gegen den Irak geführte Krieg, bis heute ein einziges Terrorzuchtprogramm. Und wie ist die Situation in Afghanistan jetzt?

1 Frieden

 

Von Frieden kann in Afghanistan keine Rede sein. Das Land war 2013 nach dem ‚Weltfriedens-Index‘ der angesehenen britischen Zeitschrift ‚The Economist‘ das unfriedlichste Land der Welt. Unfriedlicher als der Irak, Syrien und Somalia.

Unter den ‚gescheiterten Staaten‘ (Staaten in denen grundlegende Funktionen nicht erfüllt werden) nimmt Afghanistan in Asien Platz 1 und weltweit Platz 7 ein.

Über 100.000 Afghanen wurden laut „Ärzte gegen den Atomkrieg“ getötet. Unter anderem mit 1.228 Streubomben und mit je 295.000 Einzelsprengsätzen, die allein im ersten Kriegsjahr zum Einsatz kamen.

2 Taliban

 

Ähnlich wie beim Abzug der Sowjets im Jahr 1989 beherrschen die Taliban die ländlichen Regionen des Landes. Die nationalen afghanischen Truppen aber sitzen verunsichert in den großen Städten. Jedes Jahr desertiert ein Drittel. Die Taliban können fast nach Belieben zuschlagen.

3 Bildung

 

Die Lage im Bildungssektor ist katastrophal. Afghanistan hat den schlechtesten Durchschnittswert in Sachen Schulbesuchsdauer in ganz Asien.

47% der Schulen haben kein Schulgebäude, 75% keine Toiletten. Über zwei Drittel der schulpflichtigen Kinder erreichen nicht einmal die 6. Klasse.

4 Mädchen und Frauen

 

Laut der „Reuters Foundation“ ist Afghanistan für Frauen das gefährlichste Land der Welt, knapp vor der Demokratischen Republik Kongo.

Nur 13% der Mädchen beenden eine Schule. Ganze 30% schaffen es bis zur 6. Klasse. Nur 50% der 416 Distrikte haben eine Haupt- oder Realschule für Mädchen. Und nur 20% ein Mädchen-Gymnasium. Dort wo es Schulen gibt, schicken laut UN übrigens auch die Taliban ihre Mädchen seit Jahren zur Schule. Auch in Gebieten, die von ihnen kontrolliert werden. Ein Krieg war hierzu eigentlich nie nötig.

5 Gesundheit

 

Drei Viertel der Afghanen haben laut Weltbank keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In keinem anderen Land der Welt leiden so viele Kinder unter 5 Jahren an schwerer Mangelernährung. Afghanistan hat in dieser Altersgruppe in Asien die höchste Sterblichkeitsrate. Bei der Säuglings-Sterblichkeit liegt das Land weltweit auf Platz 1.

6 Korruption

 

Gemeinsam mit Nord Korea und Somalia gilt Afghanistan laut „Transparancy International“ als das korrupteste Land der Welt. Auch auf dem Geldwäsche-Index des Basler Instituts „ICAR“ liegt Afghanistan auf Platz 1.

In Afghanistan trifft sich die kriminelle ‚Elite‘ der Welt.

7 Justiz

 

In vielen Provinzen treiben kriminelle Privatarmeen nie entwaffneter, ja sogar neu bewaffneter Kriegsfürsten und heimlicher Verbündeter der NATO ihr Unwesen. Kriegsverbrecher wie der blutrünstige General Dostum sind beste Freunde der USA. Amerikanische Morde an Zivilisten und Gefangenen werden nicht verfolgt.

Folter ohnehin nicht. Trotz aller schönen Reden des US-Präsidenten. Der afghanische Justizapparat gilt als der korrupteste Bereich aller staatlichen Behörden. Auch auf Druck der USA. Gerechtigkeit ist in Afghanistan ein Fremdwort.

 

8 Demokratie

 

Auch Demokratie, wie wir sie kennen, gibt es in Afghanistan nicht. Die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen werden in der Regel von allen Kandidaten gefälscht. Anschließend wird der Sieger in einem schmutzigen Kuhhandel unter maßgeblicher Mitwirkung der USA ausgemauschelt.

Eine Erfolgsgeschichte!

 

Die Menschen in Afghanistan haben Besseres verdient, als die Folgen einer fehlgeleiteten und von Krieg beherrschten westlichen Außenpolitik zu erdulden.

Wir von Conflictfood wollen ausgewählten afghanischen Produkten und ihren Produzenten den Zugang zu neuen Absatzmärkten eröffnen, damit es aufwärts geht mit Afghanistan. Dazu haben wir ein Frauenkollektiv in der Provinz Herat besucht, die diesen Schritt geschafft haben:

Weg vom Opium – hin zum Safrananbau!

Solche Erfolgsgeschichten wollen wir weiter fördern.
Wir haben dem Kollektiv Safran abgekauft, gerecht und direkt bezahlt und ihn für euch mitgebracht. Wir stärken dadurch lokale Strukturen, bieten den Menschen ein echte Perspektive und bekämpfen somit Fluchtursachen an der Wurzel.

Demnächst erfahrt ihr mehr über die Gruppe von Frauen, die den kostbaren Safran kultivieren!

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Afghanistan 1973-2001

Afghanistan ist durch die jüngsten Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene wieder in das Licht der medialen und damit auch der allgemeinen Öffentlichkeit gerückt worden. Das plötzliche Interesse gründet sich bedauerlicherweise nicht in den eigentlichen Problemen, mit denen die Zivilbevölkerung Afghanistans seit fast 40 Jahren kämpft. Nicht der Terrorismus hat die Menschen Afghanistans an den Rand des körperlichen Zusammenbruchs getrieben: Nein, es sind Jahre der Besatzung und des damit zusammenhängenden Bürgerkrieges, die Tod, Krankheit, Elend und Vertreibung über die Menschen dieses mittelasiatischen Landes gebracht haben. Diese Zustände hätten Afghanistan seit 1992 schon mehrfach auf die Tagesordnung der internationalen Weltpolitik setzen müssen.Im Folgenden wird versucht dem interessierten Leser eine kurze, bei weitem aber keine umfassende Übersicht über das Geschehen des Landes zu vermitteln, damit die aktuelle Situation in Afghanistan in einen Kontext gesetzt werden kann. Will man die aktuelle Situation in Afghanistan verstehen, muss man diese in den Kontext der letzten vier Jahrzehnte setzen:

1973, Juli: Schock im Urlaub

 

Der König Zahir Shah wird während eines Erholungsurlaubes in Italien von seinem Schwager und Cousin Daud Khan aus dem königlichen Amt geputscht. Der aufgrund seiner großen Sympathien für die UdSSR als „Roter Prinz“ bekannte Verwandte des Königs gelangt mit Hilfe der kommunistischen Partei Afghanistans an die Macht. Die Monarchie wird abgeschafft und Afghanistan zur Republik erklärt. Zum ersten Präsidenten der Republik ernennt sich Daud Khan. Damit ist der erste Schritt in die bis heute andauernde Katastrophe getan!

 

1978, April: Die „Revolution“ frisst ihr erstes Kind

 

Mittels eines äußerst blutigen Putsches bringen sich die Kommunisten in Afghanistan an die Macht. Präsident Daud Khan wird mit seiner gesamten Familie umgebracht.

Noor Muhammed Taraki wird Präsident und Babrak Karmal sein stellvertretender Premierminister.

Die neue Machtelite profiliert sich durch Enteignung, Bodenreform, Massenverhaftungen und Folter. Die Spannungen zwischen den marxistisch-leninistisch orientierten Volks-Revoluzzern und dem der Religion des Islam verbundenen Volk, dessen Interessen sie zu vertreten glauben, steigern sich. Dieses historische Missverständnis zwischen diesen beiden gesellschaftlichen Gruppierungen führt auf dem Land zum Aufstand gegen die Ungläubigen in den großen Städten Afghanistans. Taraki unterzeichnet derweil einen Freundschaftsvertrag mit seinem Glaubensbruder Leonid Brezhnew in der Sowjetunion. Im Sommer nimmt der Widerstand der Afghanen gegen die Regierung in Kabul eine organisierte Form an.

1979: Räumungsverkauf im Hindukusch

 

Massenverhaftungen führen dazu, dass das bereits von Daud Khan erbaute „Pul-e-Charkhi“ Gefängnis überfüllt ist. Der amerikanische Botschafter wird ermordet, damit der politische Bruch mit dem Westen auch optisch Gestalt annimmt. Im ganzen Land intensiviert sich der aktive Widerstand gegen das kommunistische Regime in Kabul. Genosse Taraki  erliegt einem „Herzinfarkt“ und Hafizullah Amin übernimmt die Präsidentschaft. Politische Gegner werden auf Botschafterposten ins Ausland verfrachtet, auch der Führer der sowjettreuen Kommunisten, Babrak Karmal.

Das innerafghanische Durcheinander verleitet die UdSSR dazu, eine Invasion nach Afghanistan vorzubereiten. Offiziell heißt es am 27. Dezember 1979:

„Der afghanische Präsident hat seinen Nachbarn um Unterstützung gegen die Angriffe der Imperialisten aus den USA, China und Pakistan ersucht.“ Dieses Gesuch wird von Babrak Karmal eingereicht, dem Botschafter Afghanistans in Prag. Der eigentliche afghanische Präsident Amin ist zum Zeitpunkt des Einmarsches bereits 24 Stunden tot.

Der Kommentar des amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter:

„Die Vereinigten Staaten sehen keinen Anlass zum Eingreifen, solange US-amerikanische Interessen in der Golfregion nicht bedroht sind.“

 

1986: Neue Männer braucht das Land

 

Mittlerweile dauert die Revolution gegen die so genannte Volks-Revolution und die sowjetische Besatzung über sechs Jahre an. Afghanistan hat es geschafft, drei Großrevolutionäre zu verbrauchen, namentlich Brezhnew, Chernenko und Andropov. Neue Männer braucht das Land, sagt man sich nicht nur in der UdSSR, wo der im Westen allseits geliebte Mikhail Gorbatschow, zusammen mit seinen Kindern Glasnost und Perestroika, regiert. Der frische Wind in Moskau weht auch in die afghanischen Teestuben und Babrak Karmal wird durch den seit 1980 als Geheimdienstchef Unheil anrichtenden Dr. Najibullah ersetzt.

Während „Gorbi“ den Turbo in Sachen Öffnung zum Westen einlegt, spüren die Afghanen, dass dieser Freiheitsturbo für sie nicht gilt. In Afghanistan wird noch einmal in Kriegs- und Menschenmaterial kräftig investiert und die Afghanen erleben die schlimmsten Schlachten seit der Besatzung 1979.

1988-1989: Auch mit Wodka lässt sich Afghanistan nicht mehr ertragen

 

Die Amerikaner hatten bereits 1982 begriffen, dass die Sowjets am besten auf dem Umweg über Afghanistan in die Knie zu zwingen sind, ohne auch nur einen amerikanischen Soldaten im Kampf gegen das „Evil Empire“ zu opfern. Die Rechnung geht auf und 1988 wird ein Friedensvertrag in Genf unterzeichnet.

Am 15.02.1989 überschreitet der letzte Sowjetsoldat die Brücke über den Fluss Paindsch. Keiner der Soldaten blickt mehr zurück. Man ist froh wieder zu Hause zu sein, in einem Zuhause, das im Begriff ist auseinander zu brechen. Das offizielle Sowjetreich lässt verlautbaren, dass ca. 15.000 Soldaten in Afghanistan den Tod fanden. Unabhängige Experten beziffern die Verluste auf 40.000-50.000 Rotarmisten. Die afghanische Bilanz: 1.5 Millionen Tote, 5 Millionen Flüchtlinge im

Iran und in Pakistan, 1 Million Binnenflüchtlinge, 10-15 Millionen Minen, Landwirtschaft, Handel, Kleinindustrie und Handwerk am Boden.

Die Mujahideen setzen ihren Kampf gegen das kommunistische Regime Najibullahs in Kabul fort. Im Mai 1989 wird von den Mujahideen eine Exilregierung in Peschawar gebildet, aber keiner traut sich diese anzuerkennen.

 

1992: Machtwechsel

 

Die Mujahideen nehmen am 25. April Kabul ein und rufen die “Islamische Republik von Afghanistan” aus. Najibullah entflieht seinem Schicksal für die Dauer von 4 Jahren in die Obhut eines UN-Gästehauses. Für zwei Monate übt Prof. Sibgahtullah Mogaddedi das Amt des Präsidenten aus und übergibt dieses vereinbarungsgemäß an seinen Nachfolger Burhannudin Rabbani, der dieses Amt für sechs Monate ausüben soll. Danach soll durch eine Wahl das Volk entscheiden, von wem es regiert werden möchte. Doch der Kandidat „Frieden“ lässt auf sich warten.

1993: Machtgier ist das neue Motto

 

Und Rabbani hält sich an diese Maxime. Ein ratloser Rat wird gezwungen, ihn zum Präsidenten zu wählen und im Namen des Volkes übernimmt er das Präsidialamt. Der Unmut zwischen den ehemaligen Verbündeten in Zeiten des Widerstandes wächst und bricht in aller Offenheit aus. Die Weichen für den Bürgerkrieg werden gestellt. Afghanistan versinkt derweil in einem Chaos, da die Machthaber sich mehr Macht erhaltenden Maßnahmen widmen, als sich mit den Problemen des Landes und der Bevölkerung auseinander zu setzen. Individuelle Sicherheit wird zum Fremdwort. In Afghanistan etabliert sich ein zentrales Machtvakuum und Milizen im Norden, Westen und Süden widmen sich dem Selbsterhalt. Das Land droht auseinander zu brechen.

 

1994: Wer nicht hören will, muss fühlen

 

Die Verbündeten von einst kommen überein, dass der Kampf um die Macht im Lande ausgetragen werden muss, also greift man zu altbewährten Mitteln der Auseinandersetzung, der Kalaschnikow und einem bisschen mehr.

An dieser „Ménage-à-trois“ beteiligen sich General Dostum aus dem Norden, Hekmatjar aus dem Süden und Rabbani zusammen mit seinem General Massoud in der Region Kabul. Man schießt aus allen Rohren und legt so ganz nebenbei die Hälfte der Hauptstadt in Schutt und Asche. Am Status quo ändert sich kaum etwas.

Mittlerweile haben auch Europa und die USA Afghanistan als Land abgeschrieben, nicht aber als Transitweg für den Transport von wichtigen Rohstoffen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken an den Persischen Golf.

Der Kampf um Kabul wirbelt dermaßen viel Staub auf, dass die Entwicklung einer neuen Bewegung im Südosten des Landes kaum wahrgenommen wird: Die Taliban-Bewegung wird im Herbst in Kandahar geboren und kann die Milizen, die Angst und Schrecken verbreiten, aus der Region vertreiben. Es keimt Hoffnung auf, dass Afghanistan doch noch den Weg zum Frieden findet.

1995: Die Dominos fallen

 

Während sich das Geschehen in Afghanistan auf die Hauptstadt konzentriert, fällt im Westen die Stadt Herat in die Hände der Taliban. Verstärkte pakistanische und iranische Einmischung führt dazu, dass die Taliban immer stärker unter den Einfluss des pakistanischen Geheimdienstes ISI geraten und General Dostum und seine Gegner in Kabul im Iran Verbündete gegen die Taliban sehen. Doch die Entwicklung der Taliban zu einer starken innenpolitischen Kraft ist nicht mehr aufzuhalten.

 

1996: Der Feind meines Feindes ist mein Freund, auch wenn er bis gestern mein Feind war

 

Im Frühjahr fällt die Stadt Jalalabad im Süden des Landes. Die alte Garde bäumt sich noch einmal zu einem letzten Jubilieren auf, und im Juni tritt der schon seit 1993 designierte Premierminister Hekmatjar sein Amt an und trifft in dem von ihm mitzerstörten Kabul ein. Dieses “Bollwerk” gegen die Taliban muss sich nicht lange an der Macht behaupten.

Am 27. September müssen Rabbani und sein Gefolge das Weite in den afghanischen Bergen suchen. Die Taliban etablieren sich in Kabul. Jetzt fehlt nur noch die letzte verbliebene Großstadt im Norden Afghanistans, Mazar-e-Scharif, um das Glück der neuen Eroberer perfekt zu machen. Lange müssen sie nicht warten und nach einem blutigen Kampf wird auch diese Stadt eingenommen.

Dostum geht ins Exil in die Türkei, Rabbani nach Tadschikistan, Massoud verschanzt sich in seinem Pandschir-Tal und Hekmatjar muss in den Iran fliehen.

Mittlerweile haben die Vertreter argentinischer und US-Amerikanischer Erdölfirmen den Weg nach Afghanistan gefunden. Wirtschaft darf nicht ideologisch angegangen werden. Doch die politische Anerkennung bleibt der Regierung der Taliban versagt.

1996 bis 2001: Afghanistan ist nicht von dieser Welt

 

Die Taliban etablieren sich in 90% des Landes und herrschen fast unumstritten im Land. Die territoriale Integrität des Landes konnte gewahrt werden und die Entwaffnung der Milizen führt zu einer vergleichbar verbesserten persönlichen Sicherheit der Menschen. Das Fundament für eine Zukunft wäre gelegt gewesen. Die Beschränkungen individueller Freiheiten werden von der Bevölkerung zunächst in Kauf genommen, in der Hoffnung, dass es mit dem Land aufwärts geht. Doch die erzkonservative Auslegung des Islam lässt Unzufriedenheit aufkeimen.

Die neue Regierung achtet mehr auf das Jenseits als auf das Diesseits und die internationale Politik schiebt Afghanistan ins Abseits. Gespräche über Erdgas und Erdöl ja, politische Zusammenarbeit nein. Die Menschenrechte sind ein zu kostbares Gut, als dass man diese auf dem Altar der politischen Anerkennung opfern würde.

Ab und an taucht Afghanistan in den Schlagzeilen der Medien wieder auf, z. B. als die Buddhas von Bamyan gesprengt werden, als die Shelter-Now Mitarbeiter verhaftet werden und als sich eine Dürre abzeichnet.

 

Winter 2001 – Die Rückkehr der Kellerkinder

 

Die USA sind nicht bereit mit den Taliban über eine Auslieferung von Osama bin Laden zu verhandeln. Die Taliban wollen ihn, ohne Vorlage von Beweisen für seine Verwicklung in die Anschläge vom 11. September 2001, nicht der USA übergeben. In der Nacht vom 7. Auf den 8. Oktober beginnt George W. Bush mit seinem Kreuzzug und bombardiert ein am Boden liegendes Land im Namen der Freiheit, im Namen der entrechteten Frauen, im Namen von Demokratie und im Namen der Menschenrechte.

Die uneingeschränkte Solidarität mit den USA wird über die unantastbare Würde der Menschen in Afghanistan gestellt und ein deutscher Verteidigungsminister rechtfertigt den Einsatz deutscher Soldaten mit seiner Feststellung, dass die Sicherheit seines Landes auch am Hindukusch verteidigt werden müsse. Die Opfer, die die Zivilbevölkerung Afghanistans bringen muss, werden als Kollateralschaden bezeichnet. Wo gehobelt wird fallen halt ein paar Späne. Der „Krieg gegen den Terror“ wird mit Drohungen und Einschüchterungen durchgesetzt. Wer nicht mitmacht wird zum Feind erklärt,    wer zögert, dem droht man an ihn in die Steinzeit zurückzubomben. Nach ungefähr einem Monat ist der erste Spuk vorbei, das Regime der Taliban fällt. Auf ihren Panzern kehren die aus ihren Kellerlöchern vertriebenen Kriegsfürsten von einst wieder nach Kabul zurück und feiern ihren Sieg über die Taliban. Die USA lässt sie gewähren und findet in ihnen für ihre Besatzungspolitik willfährige Erfüllungsgehilfen. Hamed Karzai wird auf den Präsidentenstuhl gehievt, eine Übergangsregierung installiert, gegnerische Kämpfer in Gefängnissen zu Hunderten massakriert, geheime Gefängnisse errichtet, Guantanamo eingeweiht. Afghanische Opfer werden nicht gezählt,

We don’t do bodycounts!“

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Geschichte Afghanistans

Afghanistan – Drehscheibe der Kulturen

 

Afghanistan, das uns heute als karges Hochgebirgsland mit knappen Ressourcen und einer langen Kette von gewaltsamen Auseinandersetzungen erscheint, hat eine überaus lebhafte und abwechslungsreiche Geschichte zu bieten. In den unterschiedlichen historischen Darstellungen wird es oft als „Wiege vieler Reiche des Altertums“, „Kreuzweg der Kulturen“ und „Drehscheibe der Völker“ bezeichnet. Afghanistans einzigartige Kultur entstand tatsächlich in einem Schmelztiegel vieler Völker und Religionen zwischen Hindukusch, Seidenstraße und Wüstenregionen. In den Jahrtausenden seiner Geschichte wurde das Land und seine Bevölkerung von Zaratustra, dem Buddhismus, den Griechen und schließlich islamischen Einflüssen geprägt.

Afghanistan – Das Durchgangsland

 

Afghanistan wird oft als „Durchgangsland“ beschrieben. So fielen in der Antike und im Mittelalter immer wieder Völker aus Zentralasien in die Region des heutigen Afghanistans ein. Reiche entstanden, die selten mehr als wenige Generationen währten und häufig durch die Ankunft eines neuen Nomadenvolks wieder zerstört wurden. Erstaunlich ist die Ausdehnung, die viele dieser Imperien hatten, reichten sie doch oft von den Steppen Zentralasiens bis in die Ganges-Ebene.

Das Durrani-Reich

 

Der Paschtune Ahmad Schah Durrani gründet 1747 ein eigenständiges paschtunisches Reich, das als Durrani-Reich bekannt ist. Es gilt als Vorläufer des modernen Afghanistans. Sowohl Ahmad Schah als auch die Herrscher nach ihm bekommen das Reich nie ganz unter ihre Kontrolle und sehen sich mit inneren Unruhen konfrontiert.

Zwischen den Großmächten

 

Im 19. Jahrhundert etablierte sich der Begriff „Afghanistan“ für die aus der Sicht der Großmächte herrschaftslose Pufferzone zwischen Persien und den Kolonialmächten Russland und Britisch-Indien.

In insgesamt drei sogenannten Anglo-Afghanischen Kriegen versuchen die Briten, ihre kolonialen Interessen durchzusetzen. Der dritte im Jahr 1919 hat schließlich die völlige Unabhängigkeit Afghanistans zur Folge. Erst jetzt wird diese Bezeichnung als Staatsname etabliert.Emir Amanullah Khan, der spätere sogenannte Reformkönig, versucht in der Folge, das Land zu modernisieren. Er orientiert sich dabei am türkischen Präsidenten Mustafa Kemal Atatürk. Er wertete die Rolle der Frauen auf, führte die Schulpflicht für Jungen und Mädchen ein und trennte Staat und Religion.

Die Goldenen Jahre

 

Amanullahs Nachfolger heben die Reformen weitgehend wieder auf. 1946 tritt Afghanistan den Vereinten Nationen bei. Als neutraler Staat profitiert es in der Folge vom Ost-West-Konflikt. Mit großzügigen finanziellen Zuwendungen von beiden Machtblöcken erlebt Afghanistan die Zeit der „Goldenen Jahre”. Die Wirtschaft nimmt Fahrt auf und es kommt zu einer allgemeinen Stabilisierung.

1964 unternimmt König Mohammed Zahir Schah Maßnahmen, um das Land liberaler zu gestalten. Er erlässt eine Verfassung, die allen männlichen Afghanen das aktive und passive Wahlrecht zusichert. Außerdem erhält Afghanistan erstmals einen bürgerlichen Ministerpräsidenten.Das Land an der ehemaligen Seidenstraße war ein beliebter Aufenthaltsort für junge Reisende, Aussteiger und Hippies aus aller Welt. Es war nicht nur Landschaft und Kultur, natürlich auch die leicht erhältlichen Drogen wie Haschisch, Opium und Heroin lockten jährlich 70.000 Touristen nach Kabul.

Die Goldenen Jahre währten nicht lange, Ende der 1970er bringen sich die Kommunisten mittels eines äußerst blutigen Putsches an die Macht und läuten eine jahrzehntelange dunkle Zeit für Afghanistan ein.Jahrzehntelange Besatzung, Bürgerkrieg, Tod, Krankheit, Elend und Vertreibung folgten.

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Als erstes Land besuchten wir Afghanistan

Als erstes Land besuchten wir Afghanistan, das Land an der Seidenstraße.

In der Provinz Herat besuchten wir ein Frauenkollektiv, welches die alte, in den Kriegswirren verloren geglaubte Tradition des Safrananbaues wiederbelebt. Auf den Feldern, auf denen jahrelang Opium angebaut wurde, kultiviert das Kollektiv heute den Krokus, Crocus sativus L.

Das markante, leuchtende Rot, der süßlich-herbe, leicht erdige Duft zeichnen diese Premium-Güteklasse „Sargol“ aus. Nur die Spitzen der Narben werden verwendet.

Der Safran wird nach alten Methoden und Traditionen ohne Einsatz von Pestiziden angebaut. In Anbetracht der politischen und wirtschaftlichen Umstände ist es den Bauern allein nicht möglich ein int. Bio-Zertifikat zu erhalten. Dabei wollen wir ihnen helfen.

Von der Ernte bis hin zur Trocknung der kostbaren Safranfäden durften wir alle Schritte persönlich begleiten und dokumentieren.

Die Frauen entnehmen den Blüten die kostbaren Safranfäden

Das Kollektiv wurde von uns fair und ohne Zwischenhändler bezahlt. Das Geld wird in den Kauf von Blumenzwiebeln investiert. So können neue Felder bestellt werden und eine langfristige, nachhaltige Zusammenarbeit ist möglich.Diese Reise steht exemplarisch für weitere Konfliktregionen, die wir besuchen werden, zum Beispiel:

Kaffeebauern im Jemen

Oliven- und Mandelbauern in Palästina

kleine Salzkooperativen in Äthiopien

und mehr.

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