Dumpingpreise versus Fairer Handel

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Jeder Mensch sollte  in der Lage sein ein gutes Leben von seinem erarbeiteten Lohn zu führen. Tatsache ist jedoch, dass die Löhne besonders für Erzeuger*innen im Globalen Süden häufig nicht einmal mehr die Produktionskosten decken. Dazu kommen schlechte Arbeitsbedingungen bis hin zu Menschenrechtsverletzungen, die das Leben der Arbeiter*innen erschwert. Konkret kann das den freien Fall unter die Grenze des Existenzminimums und schwere gesundheitliche Schäden bedeuten.

Dennoch fahren globale Unternehmen exorbitante Gewinne ein. Allein durch ihre Position am Verhandlungstisch haben sie die Möglichkeit die Preise festzulegen. Bäuerinnen und Bauern haben häufig keine andere Wahl als ihr Agrarprodukt unter dem Wert zu verkaufen. Mit derartigen Dumpingpreisen wird der Ruf nach Gerechtigkeit in der gesamten Lieferkette immer noch ignoriert. Wie geht es unseren Partner*innen in Myanmar? Welche Auswirkungen haben der Militärputsch auf sie? Wir sprechen mit BuSaw, der Geschäftsführerin und Kaffeeexpertin, über ihre aktuelle Lage.

Seit einem halben Jahrhundert aktiv

 

Seit nunmehr 50 Jahren gibt es konstante und wichtige Gegenposition zu dieser Spirale aus Gier und Ausbeutung – die Weltladen Bewegung. 

Anfang der 1970er Jahre begannen junge Menschen weltweit gegen die wachsende Ungerechtigkeit im Welthandel zu protestieren, mehr als 30.000 nahmen in Deutschland an sogenannten Hungermärschen teil. Die “Aktion Dritte Welt Handel” entstand und im Jahr 1973 eröffnete der erste “Dritte Welt Laden” in Stuttgart. Schnell wuchs die Bewegung an; heute engagieren sich deutschlandweit etwa 100.000 Menschen in über 900 Weltläden!
Von ihrem eigentlichen Ziel, sich selbst überflüssig zu machen, sind sie weit entfernt, denn der Bedarf nach mehr Gerechtigkeit weltweit scheint größer als je zuvor.



Gemeinsam für globale Gerechtigkeit

 

Um die Vision einer gerechten Wirtschaft umzusetzen, erwartet der Weltladen Dachverband von seinen Mitgliedern und Lieferanten heute die Umsetzung strenger Kriterien. Dazu gehört der faire Handel mit Handelspartnern, in dem der Austausch ohne Umwege und zu gerechten Preisen geschieht. Im Vordergrund stehen die Arbeitsbedingungen der Menschen, die sich der internationalen Konvention für Arbeit fügt und unter anderem Diskriminierung, Kinder- und Zwangsarbeit verbietet.  Alle Arbeits- und Lieferprozesse müssen im Zuge eines kostenpflichtigen Prüfverfahrens offen dargelegt werden. 

Ebenso wie für den Weltladen Dachverband stehen die Arbeitsbedingungen unserer Handelspartner*innen an erster Stelle für uns. Daher halten wir ununterbrochen Kontakt zu unserem Lieferant*innen und überprüfen die Situation vor Ort regelmäßig selbst. Durch diesen direkten Handel sind wir ebenso in der Lage für faire Löhne zu sorgen, denn wir legen diese nicht fest. Unsere Erzeuger*innen wissen selbst am besten, wie die Preise ihrer Produkte gestaltet werden sollte, um die Kosten und den Lohn zu decken. Sie bestimmen den Wert ihrer Produkte selbst! Um ein Bewusstsein für diesen fairen Handel zu schaffen, stehen wir auch für absolute Transparenz ein. Ein Beispiel: Auf jeder unserer Packungen findest du einen QR-Code, der dich punktgenau zum Ort des Anbaus führt sowie den Weg und die Hintergründe des Produkts für dich erlebbar macht.

Auch wir haben uns der aufwendigen, mehrmonatigen Prüfung beim Weltladen Dachverband gestellt und erfolgreich abgeschlossen: Conflictfood ist als anerkannter Lieferant der deutschen Weltläden! Wir sind mächtig stolz, Teil dieser starken Bewegung zu sein! Vielleicht gibt es das eine oder andere Friednespäckchen auch im Weltladen in deiner Stadt. Schau mal nach!

 

INTERVIEW

Weltladen Dachverband mit Salem El-Mogaddedi und Gernot Würtenberger / Conflictfood

Weltladen:
Was sind eure Erfahrungen mit Preis- und Kostendruck? Wie gelingt es euch trotzdem
fair zu handeln?

Salem El-Mogaddedi:
Der Preisdruck ist für uns und unsere Partner*innen immer spürbar. Er ist allgegenwärtig.  Aber wir lassen uns davon nicht beeindrucken, denn wir üben keinen Druck auf unsere Handelspartner*innen aus. Sie legen den Preis für ihre Erzeugnisse selbst fest und sind in der Lage eine Kalkulation aufzustellen, die sie für fair halten und mit der sie ihre Kosten und ihren Lebensunterhalt decken können. Wir bieten unseren Handelspartner*innen  die Sicherheit, die Ware zu Preisen abzunehmen, die an anderer Stelle nicht konkurrenzfähig wären. Das machen wir nicht aus Wohltätigkeit, denn wir sind uns sicher, die Qualität der Ware, und die Arbeit, die in ihr steckt, ist es wert. Daher wollen wir auch nicht, dass unsere Produkte aus Mitleid gekauft werden, sondern für die hohe Qualität (und die Solidarität), die sie bieten. 

Weltladen:
Was ist deine Einschätzung: Warum gibt es überhaupt Preise unterhalb der Produktionskosten? Was sind die Erfahrungen eurer Handelspartner damit?

Gernot Würtenberger:
Wie schon erwähnt ist der Preisdruck immer da. Aufgrund der großen Konkurrenz auf dem Markt muss jedes Unternehmen knallhart kalkulieren, wodurch versucht wird sich gegenseitig im Preis zu unterbieten. Vor allem in Krisenzeiten, in denen wir alle Unterstützung brauchen, geht  der Griff in das Supermarktregal letztlich zum günstigeren Angebot. Damit der Verkaufspreis so günstig sein kann, und auch für den Verkäufer ein Gewinn abfällt, müssen die Einkaufspreise noch niedriger ausfallen. Trotz dieser knappen Kalkulation versuchen große Lebensmittelkonzerne, wie Nestlé, Coca Cola und Co., ihre Gewinnmarge zu maximieren und ignorieren, dass viele Erzeuger*innen durch ihre Gier unter das Existenzminimum fallen. Der Wohlstand großer Lebensmittelkonzern –  und damit unsere günstigen Preise – sind nicht verdient, sondern der Existenz anderer entrissen. 

Weltladen:
Wie laufen Preisverhandlungen innerhalb eurer Handelspartnerschaften ab? Wie
entstehen Preise bei euch?

Salem El-Mogaddedi :
Jede Partnerschaft ist individuell, jedes gehandelte Produkt hat andere Regeln. 

Zwei Beispiele: Wenn uns Frau BuSaw aus Shan State/ Myanmar ihre jährliche Kaffeeernte verkauft, kennt sie den Wert ihrer Ware. Sie ist Unternehmerin, orientiert sich am Preis für fairen Specialty Coffee. Sie kalkuliert einen Mehrpreis ein, der ihrem Team in dieser umkämpften Region Sicherheit ermöglicht und plant Investitionen für die nächste Ernte mit ein. Von uns gibt es darauf einen Handschlag und wir zahlen diesen Preis.

Der Handel mit dem Frauenkollektiv in Afghanistan ist etwas komplexer. Die Gemeinschaft besteht aus vielen Familien, manche ernten Safran im Vollerwerb, einige nebenbei. Schon früh im Jahr gehen wir in den Austausch und besprechen den jährlichen Bedarf. Nicht nur die politische Situation, auch Klima und Versorgungslage ändern sich in Afghanistan und sind extremen Schwankungen unterworfen. Seit letztem Jahr begleitet uns die Britische NGO Hand in Hand beim Aufbau von effizienteren und für die Frauen noch lukrativeren Arbeitsabläufen. Gleichzeitig stellen wir mit ihnen auf zertifiziert ökologischen Landbau. Bald gibt es also den ersten afghanischen Bio-Safran. Um den Frauen Planungssicherheit in diesen unruhigen Zeiten zu geben, zahlen wir den Preis für Bio-Safran schon seit einigen Jahren, das entspricht über  ⅓ mehr als dem Handelspreis vor Ort. Diese Sicherheit und Regelmäßigkeit wird geschätzt und wird uns als hilfreich zurück kommuniziert. 

Weltladen:
Welche Rolle spielen existenzsichernde Einkommen in euren Handelsbeziehungen und
in eurer Preisbildung?

Gernot Würtenberger:
Wenn wir von Existenzsicherung, sprechen wir von der Erhaltung des physischen und soziokulturellen Existenzminimums. Das Leben sollte aber mehr sein. Existenzsichernde Einkommen sind in unseren Handelsbeziehungen also das Minimum. Unser Ziel ist die wirtschaftliche Unabhängigkeit unserer Handelspartner. Nur so sind sie in der Lage selbstbestimmt ihr Leben zu führen und die Gesellschaft und das Land mitzugestalten. Besonders marginalisierte Minderheiten sind darauf angewiesen, um ihre Kultur zu erhalten und zukunftsfähige Perspektiven nach ihren eigenen Vorstellungen zu schaffen. 

Daher soll unser Handel auch ein Leben ermöglichen, in dem es mehr als nur ein Existenzminimum zu erfahren gibt. Alleine können wir das nicht schaffen, aber als ein Abnehmer von Vielen ist es möglich! Conflictfood ist zwar in der Regel der einzige Handelspartner in Europa, doch unsere Handelspartner:innen vertreiben ihre Waren bereits regional und überregional. Der Safran wird beispielsweise am lokalen Markt in Herat verkauft. Die gelben Enden der Safranfäden, die hier keine Verwendung haben, werden z.B. nach Indien für das Färben von Süßspeisen verkauft.

Weltladen:
Wie geht ihr – im Vergleich zum konventionellen Handel – mit den Herausforderungen der Corona-Pandemie um? Welchen Unterschied macht dies für eure Handelspartner?

Salem El-Mogaddedi :
Wie der Rest der Welt wurden auch wir nicht durch die Corona-Pandemie verschont. Auch wir hatten mit den verschiedensten Problemen zu kämpfen. Die Corona-Pandemie richtete ein Brennglas auf die soziale Ungleichheit in in der Weltwirtschaft und verschärfte bestehende Probleme. Unsere Arbeit und Sozialunternehmertum generell ist also wichtiger denn je! 

Hinzu kommen andere Krisen, die diesen Effekt verschärfen. Die erneute Machtübernahme der Taliban in Afghanistan und der andauernde Bürgerkrieg in Myanmar erschweren die Arbeit unserer Partner*innen vor Ort und drohen das Erreichte zu zerstören. Kleine Unternehmen wie wir haben keine Rücklagen gebildet und könne längere Durststrecken nicht so einfach durchtauchen wir große Strukturen das können. Der faire Warenankauf bleibt aber ein wichtiger Eckpfeiler unserer Strategie und trotz der aktuellen Herausforderungen werden wir in den nächsten Wochen neue Kooperationen mit Unternehmen in Südostasien und Ostafrika einfädeln. Es gibt also bald neue Köstlichkeiten im Conflictfood-Sortiment!

Weltladen:
Wie könnten sich eure Handelspartnerschaften in der Zukunft weiter entwickeln?

Gernot Würtenberger:
Wir werden unsere Transparenz ausbauen und versuchen andere Unternehmen zu inspirieren sich diesem Thema zu widmen. Wenn wir damit Erfolg haben helfen wir auch gerne bei der Kontaktsuche, denn unsere Handelsbeziehungen sind nie exklusiv – ganz im Gegenteil. Wir vermitteln Kontakte gerne an befreundete Unternehmen weiter, wenn wir wissen, dass die Handelspartner wachsen wollen. Eine gute Vernetzung zu anderen Sozialunternehmen ist eben besonders wichtig. 

Wir werden auch unseren Wirkungskreis, ausgeglichen auf alle Partner*innen, weiter ausbauen um die Bedeutung unserer Arbeit mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen. 

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Einblick in die afghanische Küche. Ein Gespräch mit Imraan Safi

Weißt du, wonach die afghanische Küche schmeckt?

Auf diese Frage gibt es keine einzelne wahre Antwort. Denn die afghanische Küche ist außerordentlich vielfältig. Gewürze und Rezepte aus aller Welt haben sich, dank seiner geographischen Lage an der Seidenstraße, in diesem kulturell reichen Land gesammelt und prägen die Gerichte bis heute. Der kulturelle Reichtum berührt auch die Esskultur: in Afghanistan dreht sich viel um das gemeinsame Kochen, Essen und Teilen, wie uns Imraan Safi erklärt. 

Imraan wurde in Afghanistan geboren. Er hat Kabul 2014 verlassen und lebt heute in München. Er ist Fremdsprachenkorrespondent, begeistert sich für die afghanische Küche und beteiligte sich zudem an einem afghanischen Kochbuch, in das er auch einige persönliche Geschichten einfließen ließ: Salam – Rezepte und Geschichten aus Afghanistan. Magisch. Geheimnisvoll. Überraschend. In diesem bringt er uns die afghanische Kultur ein Stück näher, sogar bis auf unseren Teller.

Salam ist ein Kochbuch, das seinem Titel gerecht wird – eines, das verzaubert. Es ist ein Buch, das es schafft die Vielfalt und raue Schönheit Afghanistans in Rezepten abzubilden.

Wir haben mit Imraan Safi ein Gespräch über Esskultur, Gastfreundschaft und die afghanische Küche geführt und spannende persönliche Einblicke erhalten:

Bei uns hat man gern gekocht. Meine Oma hat gern gekocht, meine Mama hat gern gekocht. Wir hatten immer Gäste da! Ich konnte sie stets ein bisschen dabei beobachten.

Kulinarische Kindheitserinnerungen

In Afghanistan kochen traditionell die Frauen – erzählt uns Imraan. Sie hätten die Zeit dazu, denn die meisten afghanischen Frauen seien Hausfrauen. Ein bisschen kann man das wohl auch in ihren Rezepten sehen – schließlich bedürfen viele einer langen Vorbereitung oder stehen danach noch stundenlang auf dem Herd. Allerdings gilt dies zumeist nur für festliche Gerichte. Klassische Gerichte, die viel Zeit benötigen, werden nicht täglich sondern nur zu besonderen Anlässen (Hochzeit, Geburt, Ramadan und für Besuch) zubereitet. Dazu zählt er zum Beispiel Halwat (Grießpuddding mit Kardamon und Rosinen), Elefantenohrenbrot, Qabuli Palau (Reis mit Lamm, Karotten und Rosinen; dies ist ürbigens das afghanische Nationalgericht) und Mantu (Teigtaschen mit Hackfleisch).

Bei so viel weiblicher Kochtradition, ist es für uns spannend zu erfahren, wie Imraan selbst dazu gefunden hat, den Kochlöffel in die Hand zu nehmen und sogar ein Kochbuch zu schreiben! Schon als Kind hatte er viel Zeit in der Küche verbracht und seine Mutter und Großmutter beim Kochen beobachtet, berichtet er uns. Die beiden Frauen haben sehr gern gekocht und hatten immer viele Gäste da. Als er schließlich allein nach Kabul zog, um zu arbeiten, und schlichtweg gezwungen war, für sich zu kochen, begann er schnell große Freude daran zu finden, alles Mögliche selbst auszuprobieren, was er von zuhause kannte. Später, in Deutschland, kochte er im Wohnheim für Geflüchtete und begann eigene Rezepte und Tipps online zu stellen.

Gastfreundschaft und gutes Essen

„Gastfreundschaft ist sehr wichtig. Das ist Teil unserer Tradition. Gäste werden gerne in Empfang genommen. Bei uns sagt man sogar, dass der Gast ein Geschenk Gottes ist. Alles, was man zuhause hat, teilt man gerne mit dem Gast und ihn zu bekochen bereitet Freude. Generell sind wir hier weniger zurückhaltender als die Deutschen. Wir laden sogar Leute zum Essen ein, die wir gar nicht kennen.”

Gastfreundschaft ist in Afghanistan von ganz besonderer Wichtigkeit. Der Gast wird herzlich empfangen und für ihn wird umfangreich und lange gekocht. Dabei ist es vollkommen egal, ob der Gast einem eng vertraut oder ein völlig Fremder ist. Jede*r wird gern eingeladen, und Freunde sowieso. Auch in Deutschland lädt Imraan gerne Leute zu sich ein, allerdings sind die Menschen hier oft zurückhaltender. Freuen sich dann aber sehr und sind ganz besonders überrascht so ausgiebig, aufwendig und schön bekocht zu werden.

Meine deutschen Freunde sind meist überrascht, von der Vielfalt an Gerichten, die ich auf den Tisch bringe, wenn ich sie zum Essen einlade. Sie erwarten die Gastfreundschaft nicht. Auch die Aufwendigkeit und das lange Kochen haben sie nicht erwartet. Das ist für sie oft nicht üblich.

In Afghanistan ist gutes Essen sehr wichtig – auch wenn der Gürtel enger geschnallt werden muss. Egal, ob arm oder reich, teilen die Menschen gerne miteinander und tischen für ihre Gäste stets ein reichhaltiges Mahl auf, erzählt uns Imraan. Gutes Essen sei für ihn Essen, das man einem Gast servieren könne und das wiederum kann alles mögliche sein, solange es gut gemeint ist. In Afghanistan gibt es hierfür sogar ein Sprichwort, das sehr viel Gewicht auf die innere Absicht legt:

Du kannst Brot mit Zwiebeln servieren, aber wenn du es gut meinst, ist es viel wert.

Gutes Essen hat für Imraan aber auch viel mit der Qualität der Lebensmittel zu tun: Lammfleisch ist in Afghanistan besonders teuer und der auffallend langkörnige Sella Reis – der in seiner Heimatregion im südöstlichen Afghanistan in jedem kleinen Familienbetrieb traditionell selbst angebaut und mit den Nachbarn geteilt wird – hat eine besonders gute Qualität. In Deutschland ist dies oft anders. Hochwertige Lebensmittel findet er hier seltener. Dafür muss er schon in Bioläden, beim Biometzger oder beim Landwirt direkt einkaufen. Einige afghanische Lebensmittelläden hat er in Deutschland jedoch auch schon entdeckt. 

Regionalität und Safran

Die afghanische Küche ist regional sehr unterschiedlich. So sind oft von Region zu Region andere Gewürze und Einflüsse vorherrschend. Dennoch lassen sich die verschiedenen Gerichte leicht abwandeln und variieren. Es gibt also kulinarisch eine große Vielfalt und Freiheit. So erklärt uns Imraan zum Beispiel:

In Herat, das nah an der Grenze zum Iran liegt, wird viel mit Safran gekocht. In meiner südöstlich gelegenen Region eher nicht. Hier hat die Küche mehr indische und pakistanische Einflüsse. Dennoch lassen sich meine Rezepte gut mit Safran verfeinern. Vor allem Reisgerichte eignen sich dafür gut. Etwa Chalau, ein einfacher Gewürzreis, oder Shulaesat.

Imraan kann sich eine Verfeinerung seiner Rezepte durch die Zugabe von Safran, wie es etwa im Norden des Landes üblich ist, sehr gut vorstellen. Und dabei ist auch gar nicht viel zu beachten. Vielleicht nur eine Anmerkung: Safran ist wasserlöslich und bereits 0,2 Gramm reichen locker für eine große Menge Reis aus. Die Safranfäden sollte man mind. 20 Minuten vor Verwendung in Wasser oder Alkohol einlegen, sodass Geschmack und Farbe ausreichend Zeit haben, sich zu lösen und voll zu entfalten. Anschließend kannst du ihn wie jedes andere Gewürz einfach im Laufe des Kochprozesses zum Gericht hinzugegeben, wann immer es dir beliebt.

Afghanisch - bayrischer Genuss

Zuletzt rät uns Imraan noch, uns nicht gleich verschrecken zu lassen, wenn ein Gericht nicht direkt beim ersten oder zweiten Mal gelingt. Manche Gerichte brauchen eventuell etwas länger oder sind das erste Mal noch etwas schwierig nachzukochen, wenn man die afghanische Art zu kochen noch nicht kennt. Das soll einen jedoch keinesfalls davon abhalten, es nicht wieder und wieder zu probieren. Denn der Genuss belohnt später sehr. 

Sein persönliches afghanisches Lieblingsgericht ist Dopiaza – ein Lammfleischgericht mit gaaaaanz viel Zwiebeln und Kichererbsen auf Fladenbrot. In Deutschland geht er hingegen gerne in den Biergarten und genehmigt sich typisch bayrische Speisen, zum Beispiel “Händel und Obazda”.

Das Conflictfood-Team wünscht Imraan und dir “Nosche Jan” – Guten Appetit!

Schau gerne in unserem Shop vorbei und besorge dir eine Ausgabe von Imraans Salam Kochbuch!

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Der Afghanistan-Einsatz ist beendet, doch der Krieg geht weiter

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7. Oktober 2001. Unter der Führung der USA beginnt eine Offensive gegen die Taliban-Regierung Afghanistans. Heute, knapp 20 Jahre später, endet ein Einsatz, der die Frage aufwirft: War es das wert?
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Die Vorgeschichte

Als die US-Koalition angriff, hatte Afghanistan bereits zwei Jahrzehnte Krieg hinter sich: die brutale sowjetische Besatzung von 1979 bis 1989 und den direkt folgenden Bürgerkrieg, der bis heute ungelöst ist. Gegen die Rote Armee hatten die Mudschaheddin  – auch mit US-Waffen – Widerstand geleistet, konnten sich danach jedoch nicht auf eine gemeinsame Zukunft einigen. Ihr rücksichtsloser Machtkampf zerstörte 1994 die Hauptstadt Kabul und führte zur Machtergreifung der Taliban.

Der Westen nahm auf diese Vorgeschichte keine Rücksicht. Die Zerstörer Kabuls und Gegner der Taliban wurden zu Partnern der USA. Die USA und NATO investierten viel Geld, um ein neues, demokratisches Afghanistan aufzubauen und ihre Transitwege für den Transport von wichtigen Rohstoffen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken an den Persischen Golf zu sichern. Doch schon zu Zeiten der Taliban gab es Verhandlungen mit den USA sowie einem brasilianischem Konsortium. Mit letzterem gab es sogar einen Vertrag, jedoch wurde dieser von den USA sabotiert. Bis zum Ende der Herrschaft der Taliban sollte kein neuer Vertrag mehr zustande kommen. Die Saat für neue Gewalt, neuen Terror und ausufernde Korruption war gelegt.

Am 9. September 2001 wurde einer der Anführer des afghanischen Widerstands gegen die Taliban, Ahmad Schah Massoud, ermordet. Wenige Tage später folgte der Anschlag auf die USA, der Auslöser für den Einmarsch der westlichen Truppen.

Die Nato kommt

Nach der Eroberung der Hauptstadt Kabul am 13. November 2001 gelang es US-amerikanischen Bodentruppen unter Mithilfe britischer Soldaten und den Milizen der Nordallianz, die Taliban in weiten Landesteilen zurückzudrängen.
Mit der
UN-Resolution 1386 wurde im Dezember die internationale Schutztruppe (ISAF) geschaffen, an der auch die Deutsche Bundeswehr beteiligt war. Dabei handelte es sich um eine Sicherheits- und Wiederaufbaumission unter Führung der NATO. 2002 wurde unter Hamid Karzai eine im Petersberger Abkommen (intl. bekannt als Bonn Agreement) beschlossene Übergangsregierung etabliert, im Oktober 2004 führte Afghanistan Präsidentschaftswahlen durch, bei denen er zum Präsidenten gewählt wurde. 
Obwohl es ab September 2008 mehrere Truppenverstärkungen gab, gelang es den USA und ihren Verbündeten nicht, die Taliban zu besiegen und das Land zu befrieden. US-Präsident Barack Obama plante 2009, alle US-Truppen bis 2011 aus Afghanistan abzuziehen. Tatsächlich endete die dreizehnjährige Kampfmission der NATO erst im Dezember 2014.

Im Zuge der Nachfolgemission “Resolute Support” waren bis zuletzt um die 12.000 Soldaten und Soldatinnen von NATO-Staaten in Afghanistan gleichzeitig stationiert. Gute 1000 davon Deutsche. Die Bundeswehr stationierte insgesamt rund 150.000 Soldatinnen und Soldaten, in Masar-i-Scharif und der Nähe von Kundus. Ihre vorrangige Aufgabe war die Beratung und Ausbildung von afghanischen Sicherheitskräften. Die Sicherheitslage hat sich trotz militärischer Unterstützung und finanzieller Hilfe massiv verschlechtert. Die politische Führung unter Präsident Aschraf Ghani war bis Anfang 2020, auch auf Grund des amerikanischen Einflusses, zerstritten. Die USA hatten massiven Einfluss auf das Wahlergebnis genommen, in dem sie entgegen der Verfassung Abdullah Abdullah (einen politischen Rivalen) 2014 zum Geschäftsführer der Regierung ernannten. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme belasten das Land zusätzlich schwer.

Viele Opfer auf beiden Seiten

Der Konflikt in Afghanistan zählt zu den tödlichsten der Welt. Die UN-Mission in Afghanistan dokumentiert die Zahl der zivilen Opfer erst seit 2009. Danach wurden bis Ende 2020 fast 111.000 Zivilisten getötet oder verletzt. Nach Schätzungen vieler Nichtregierungsorganisationen ist die tatsächliche Zahl deutlich höher. Im Mai und Juni 2021 sind laut UN fast 2400 Zivilisten verletzt oder getötet worden. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen ist das die höchste je erfasste Zahl ziviler Opfer für diese zwei Monate seit dem Beginn der Zählungen im Jahr 2009. Für die meisten zivilen Opfer sind die Taliban und andere extremistische Gruppen verantwortlich. Doch auch die internationalen Truppen haben den Tod von vielen Zivilisten zu verantworten – vor allem durch den Beschuss afghanischer Dörfer mit Kampfflugzeugen und Drohnen. Unter dem Friedensnobelpreisträger Obama gab es die meisten Drohnenangriffe überhaupt, er persönlich unterzeichnete die sogenannte “Kill List”. Die US-Armee selber verlor 2442 Soldaten, die Bundeswehr 59. Wie viele afghanische Soldaten und Polizisten getötet wurden, ist nicht bekannt. Die Zahl wird schon seit einigen Jahren aus Sicherheitsgründen geheim gehalten. Im Januar 2019 erklärte dann Präsident Ashraf Ghani beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos, dass seit seinem Amtsantritt 2014 mehr als 45.000 afghanische Sicherheitskräfte ihr Leben verloren hätten.

Über die Zahl der getöteten Taliban-Kämpfer und anderer Extremisten liegen ebenfalls keine gesicherten Erkenntnisse vor. Man geht von deutlich mehr als 50.000 Toten aus.

Money, money, money

Das Costs of War Project der Brown University hat evaluiert, dass die Vereinigten Staaten zwischen 2001 und 2021 mehr als zwei Billionen, also 2000 Milliarden Dollar, für den Afghanistan-Krieg ausgegeben haben. Etwa die Hälfte der Summe entfiel danach auf den Einsatz der US-Armee. Nach Angaben des Weißen Hauses investierten die USA im gleichen Zeitraum 144 Milliarden Dollar in den Wiederaufbau Afghanistans. Der Großteil dieser Summe, mehr als 88 Milliarden US-Dollar, sei in den Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte geflossen und auch das weitere Geld ist ging fast ausschließlich an Projekte, die eine militärische Relevanz hatten. 
Laut Auswärtigem Amt in Berlin hat Deutschland zwischen 2002 und 2020 mehr als 18 Milliarden Euro für den Afghanistan-Einsatz aufgewendet. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums entfielen 12,5 Milliarden Euro auf den Einsatz der Bundeswehr.
Nach Recherchen der Deutschen Welle hat das Auswärtige Amt seit 2001 zivile Unterstützung in Höhe von 2,4 Milliarden Euro geleistet. Der Aufbau staatlicher Institutionen sei zwischen 2002 und 2019 mit rund 950 Millionen Euro unterstützt worden.
Es gibt aber auch ganz andere Zahlen. Das „Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung“ beispielsweise schätzte die gesamten Kosten allein für die ersten zehn Jahre des Krieges schon auf etwa 36 Milliarden Euro.

Was hat die internationale Intervention erreicht, wo hat sie versagt?

Als die Intervention im Oktober 2001 begann, war Afghanistan ein isoliertes und zerstörtes Land. Nur drei Länder erkannten das fundamentalistische Emirat der Taliban an: Pakistan, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Heute ist Afghanistan eine Islamische Republik mit einer demokratischen Verfassung und einer international anerkannten, gewählten Regierung. Frauen sitzen im Parlament, Mädchen besuchen die Schule. Es gibt eine junge, bildungshungrige Generation, die mit Leidenschaft die Angebote der neuen Schulen und Universitäten nutzt. Es gibt eine lebendige Medienlandschaft und neue Krankenhäuser. Doch das Land hat keinen Frieden gefunden und ist sozial tief gespalten. Ein Großteil der Hilfe kam nur den städtischen Eliten zugute. Über die Hälfte der afghanischen Bevölkerung lebt weiter in bitterer Armut. Besonders betroffen: die umkämpften Gebiete im Süden und Osten des Landes – das Kernland der Taliban.

Gibt es eine Chance auf Frieden?

Zeitnah nicht. Nach ihrem Sturz im Winter 2001 waren die Taliban in einer Position der Schwäche, doch die USA lehnten Gespräche damals kategorisch ab. Das rächt sich jetzt, denn heute fühlen sich die radikalen Islamisten als Sieger – spätestens seit der Unterzeichnung des Doha-Abkommens im Februar 2020 mit den USA, dessen Verhandlung ohne Beteiligung der afghanischen Regierung stattgefunden hat. 
Seit September 2020 finden inner-afghanische Friedensverhandlungen in Doha zwischen Taliban und der afghanischer Regierung statt, jedoch gibt es bis heute keine konkreten Erfolge.

Die Taliban haben eines ihrer Hauptziele aber schon erreicht: den bedingungslosen Abzug der internationalen Truppen. Sie sind militärisch in der Offensive und rücken landesweit auf urbane Zentren vor. Forderungen nach einem Waffenstillstand ignorieren sie. Sie lehnen die afghanische Verfassung ab und wollen sie durch ein “wahrhaft islamisches System” ersetzen.
In der ersten Hälfte dieses Jahres hat die Zahl der zivilen Opfer zugenommen. Vor allem Journalistinnen, Richterinnen und Aktivistinnen wurden durch gezielte Attentate getötet. Eine neue Welle von Gewalt rollt über Afghanistan. Es scheint als ob die Taliban den Sieg vor Augen haben.
Genauso wie der US-geführte Krieg im Irak hat auch der Konflikt in Afghanistan weltweit für mehr, nicht weniger Terror gesorgt. Er hat eine Region, in der die beiden Atommächte Indien und Pakistan miteinander rivalisieren und Iran, China und Russland nach mehr Einfluss streben, aufgewühlt. 
Der Truppenabzug ist ein Eingeständnis für das eigene Versagen.

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Kostbarkeit der Seidenstraße – Was macht afghanischen Safran zum besten der Welt?

Das teuerste Gewürz der Welt

Safran, wissenschaftlich Crocus Sativus, ist das teuerste Gewürze der Welt. Ein hochwertiges Gramm kostet um die 15,00 Euro. Und für dieses eine Gramm muß man über 200 Safranblüten zupfen, sie vorsichtig öffnen und die drei Stempelfäden entnehmen, behutsam und alles von Hand. Im Iran haben Anbau und Ernte eine lange Geschichte: Ungefähr 95% der weltweiten Produktion stammen von dort. Der Nachbar Afghanistan spielt auf dem Weltmarkt eine sehr bescheidene Rolle. Es wird nicht viel produziert – die Qualität des afghanischen Safrans ist jedoch unschlagbar! 

Der “Ernte-Trick” der afghanischen Bäuerinnen

Für die Bäuerinnen des Shakiban-Frauenkollektivs, vom dem unser Safran kommt, steht Qualität an oberster Stelle. Das heisst: ernten bevor die Sonne aufgeht. Nur die Bäuerinnen dieses Kollektivs gehen weit vor Sonnenaufgang auf die Felder, um die noch geschlossenen Krokusblüten zu ernten. Dadurch stellen sie sicher, dass kein Sonnenstrahl die geöffneten Blüten trifft, kein Insekt oder Staubkorn die filigranen Fäden beeinträchtigt. Das macht den Conflictfood-Safran so besonders!
Die fast kargen Felder des Kollektivs haben uns auf den ersten Blick überrascht, waren wir Bilder von blühenden Safranfelder gewohnt. Aber das sind beliebte Motive mancher Firmen und der Werbeindustrie, Güte und Gewürz-Eigenschaften dieser Anbieter sind oftmals niedrig.

Wie prüft man die Qualität von Safran?

Über Geschmack läßt sich bekanntlich streiten. Doch wie kann man objektiv herausfinden, ob ein Gewürz nun wirklich von höchster Qualität und Klasse ist?

Damit du die Qualität und den authentischen Geschmack von echtem Safran erkennen kannst haben wir drei Methoden für dich zusammengetragen: 

Der Test Im Labor

Die intensive Arbeit der afghanischen Bäuerinnen und ihr hoher Anspruch lässt sich sogar im Labor nachweisen. 
Dabei wird die Qualität vor allem an drei Werten festgemacht: Crocin, Safranal und Picrocin. 
Crocin sagt etwas über die Färbekraft des Safrans aus. Je höher der Wert, desto intensiver ist die gold-gelbe Farbe sichtbar, beispielsweise im Risotto oder Gebäck. 
Safranal ist das Aroma des Safran. Das wunderbare Aroma erinnert an Honig, blumige Vanille und salzige Erde. Ein Geschmack schwer zu beschreiben.
Picrocin ist für die Bitterkeit des Safrans verantwortlich. Guter Safran duftet süßlich aber schmeckt angenehm bitter, dafür sorgt der hohe Picrocingehalt. 
Conflictfood-Safran erreicht in allen drei Kategorien die Qualitätsstufe 1, den allerbesten möglichen Wert, den die sogenannte ISO-Norm 3632-2 dafür kennt.

Der Chefkoch-Test

Jedes Jahr treffen sich die 200 besten Chefköch*innen und Sommeliers der Welt in Brüssel, wenn es darum geht, das geschmacklich beste Produkt zu küren.

Die professionellen Geschmacksexpert*innen verkosten zahlreiche Produkte blind nach einer streng vorgegebenen Norm. Jedes Produkt wird nach einem systematischen Ansatz auf seine organoleptische Qualität hin bewertet. Das heisst, es wird ohne weitere Hilfsmittel nur mit den eigen Sinnen und Organen geprüft. Und basiert auf den fünf Kriterien der International Hedonic Sensory Analysis: Erster Eindruck, Aussehen, Geruch, Geschmack, Beschaffenheit (Nahrungsmittel) oder Nachgeschmack (Getränke).

Zum wiederholten Male wurde auch dieses Jahr der “Superior Taste Award ” der Geschmacksexpert*innen des Instituts gleich viermal an afghanischen Safran vergeben. Der Safran aus Afghanistan wurde in allen Kriterien mit drei Sternen bewertet. Das macht die Provinz Herat zum besten Anbaugebiet der Welt. 
Die nachweislich exzellente Qualität des afghanischen Safrans stellt für das von Kriegen gezeichnete Land Afghanistan einen enormen Gewinn an Prestige dar und eine Stärkung der Handelsbeziehungen weltweit.

Der Test mit den eigenen Sinnen

Die eigenen Sinne sind letztlich der beste Maßstab. Wenn Du dir bei der Qualität von Safran nicht sicher bist, probiere folgende Tests einfach selbst aus:

Aussehen

Nimm ein paar Safranfäden in die Hand und schau sie dir ganz genau an.
Echter Safran hat ein besonderes Aussehen. Die Fäden sind zwischen 1 und 2 cm lang und haben ein nach oben hin trichterförmiges Ende. Auch die Farbe ist einzigartig. Hochwertiger Safran verliert seine ursprüngliche Farbe nicht, wenn dieser in etwas Wasser gelegt wird. Das Wasser mit dem reinen Safran wird honiggelb. Echter Safran wird seine ursprüngliche Farbe behalten, wenn man den Faden aus dem Wasser nimmt

Geschmack

Safran (in Fäden oder gemahlen) schmeckt nie süß. Hochwertiger Safran hat, auf die Zunge gelegt, einen bitteren und leicht trockenen Geschmack – ehrlich gesagt, nicht besonders lecker. Das hat einen Grunde: Pur verkostet kann sich das vollmundige, blumige Aroma nicht voll entfalten. 

Duft

Eine weitere Eigenschaft ist das Aroma, denn Safran hat einen starken Eigengeruch. Die kleinste Menge an echtem Safran hat einen charakteristischen und intensiven Duft. Um das Aroma zu identifizieren, musst du zuerst wissen, wie echter Safran riecht. Merke dir einfach diese Regel: Der Duft von echtem Safran ist immer blumig-süß, der Geschmack aber nie.

Conflictfood Safran aus Afghanistan

Der Safran im Conflictfood Onlineshop hat selbstverständlich alle Testverfahren durchlaufen – und das mit Auszeichnung!

Die Tests im Labor erzielen die Kategorie I, die geschulten Gaumen von Köchinnen und Köchen in Europa schätzen die hohe Qualität. Und zu guter Letzt erreichen uns regelmäßig Rückmeldungen von Kundinnen und Kunden, die mit dem betörenden Geschmack, der kräftigen Färbung und dem vollen Aroma glücklich und zufrieden sind. Dieses Lob freut uns enorm. Natürlich reichen wir dieses gerne und regelmäßig den Bäuerinnen in Afghanistan weiter. Für sie ist die Anerkennung aus dem fernen Deutschland ein Ritterschlag. 

 

Probiere den afghanischen Safran gleich selber aus! Hier geht es zum Shop:

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KAFFEE STATT OPIUM IN MYANMAR

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Wenn man Konflikte und Kriege näher beleuchtet, trifft man oft auf eine Drogenökonomie. Das Land Afghanistan ist weltweit der größte Exporteur von Opium. Einige wenige Erfolgsbeispiele zeigen, dass es auch anders geht: wie das Frauenkollektiv Shakiban, welches den Umstieg von Opium- auf Safranproduktion gemacht hat. Ihren Safran kannst du hier kaufen.

A man lances a poppy bulb to extract the sap, which will be used to make opium, at a field in the municipality of Heliodoro Castillo, in the mountain region of the state of Guerrero January 3, 2015. According to local media, 42% of the poppies produced in Mexico come from the state of Guerrero, where impoverished farmers in the mountain cultivate opium poppies as cash crop due to the extreme poverty in where they live. Picture taken January 3, 2015. REUTERS/Claudio Vargas (MEXICO - Tags: DRUGS SOCIETY POVERTY AGRICULTURE) - RTR4OXFT

Angebot und Nachfrage

Der Anbau von Schlafmohn hat auch im Goldenen Dreieck eine lange Geschichte. Eingeführt aus China und befördert durch die Kolonialmächte ist der Anbau und Handel mit Opium zum lukrativen Geschäft für verarmte Bergvölker wie die Akha geworden – so lukrativ, dass die reguläre Wirtschaft kaum eine Chance gegen ihn hat. Besonders während und nach des Vietnamkriegs entstand der Ruf der Grenzregion zwischen Laos, Thailand und Myanmar als Zentrum für Opium- und Heroinherstellung – sie wurde zum “Goldenen Dreieck”, ein Name, der bis heute die Region prägt. Aufgrund steigender Nachfrage im Westen schossen die Produktionszahlen Ende der Achtziger weiter in die Höhe. Durch die niedrigen landwirtschaftlichen Anforderungen an die Pflanze konnte der Anbau derart große Ausmaße erreichen. 

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Schattenwirtschaft hinter der Mohnpflanze

Doch nicht nur von Armut bedrohte Bergvölker, die im Drogenhandel meist ihre einzige Einkommensquelle finden, sind am Handel beteiligt. Auch lokale Milizen, ethnische Widerstandsgruppen sowie Teile von Polizei, Militär und Verwaltung, ja sogar Klöster und Mönche sind in ihn verstrickt. Häufig werden die Grenzkontrollen von eben jenen Gruppen durchgeführt, die sich mit dem Drogenhandel finanzieren. So wird ein klarer Zusammenhang zwischen anhaltenden Konflikten in der Region und der Drogenproduktion sichtbar: Die Konflikte schaffen und befördern die Bedingungen, die den illegalen Drogenhandel erleichtern und sein Fortbestehen ermöglichen – die bewaffneten Gruppierungen können sich durch ihn finanzieren.

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Auf Platz zwei nach Afghanistan

Besonders Myanmar, das Land der goldenen Tempel und roten Roben, hat heute noch sehr mit dem Anbau und Handel von Opium zu kämpfen. Seit 2014 nimmt die Größe der Anbauflächen zwar kontinuierlich ab und auch die Produktionszahlen fallen zusehends. Trotzdem verbleibt Myanmar auf Platz 2 der weltweit größten Opiumproduzenten, direkt hinter Afghanistan, einer weiteren Schwerpunktregion von Conflictfood. Im Jahr 2019 wurden laut einer Studie der UNODC 508 Tonnen Opium auf 33.100 Hektar in Myanmar produziert. Bis zu 87% davon im nördlichen Shan-Staat, am Grenzbereich zu Laos und Thailand. Die Bergvölker, die den Schlafmohn anbauen, sind dabei selbst ihre besten Kunden. Das Rauchen von Opium hat Eingang in ihren kulturellen und medizinischen Gebrauch gefunden und hat viele somit nicht nur wirtschaftlich, sondern auch körperlich abhängig gemacht. Auch ihre Landwirtschaft leidet unter der pink blühenden Blume: Die Monokultur sorgt für eine verschlechterte Bodenqualität, welche sich durch mangelnde Nährstoffe und geringere Resistenz gegenüber klimatischer Veränderungen bemerkbar macht. 

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© GIZ 

Kaffee statt Opium

Eines der Völker, das für den Anbau von Opium gar berühmt-berüchtigt ist, ist das der Akha.  Wir wollen ihnen Wege raus aus der Abhängigkeit und Armut ermöglichen. Gemeinsam mit Coffee Circle und der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) haben wir eine viel wertvollere und nachhaltigere Kostbarkeit auf den bergigen Feldern der Akha entdeckt: Kaffeebohnen. Inmitten grüner Wäldern wachsen die hochwertigen Arabica-Bohnen. Der traditionelle Schattenanbau von Kaffeepflanzen bringt nicht nur ökologische Vorteile mit sich – er verleiht den Bohnen einen ganz besonderen, einzigartigen Geschmack, welcher den Kaffee zu einer wahren Spezialität macht. Diesen Spezialitätenkaffee wollen wir nun auf europäische Märkte bringen und den Akha ein faires, stabiles und vor allem legales Einkommen garantieren. So unterstützen wir sie bei der Erschaffung neuer, zukunftsfähiger Arbeitsplätze und friedlicher Perspektiven auf dem Weg raus aus der Drogenökonomie.

Im zweiten Teil erfährst du wie sich der Drogenhandel in Myanmar seit dem Militärputsch entwickelt. 

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DIESE DREI FILME DES HUMAN RIGHTS FILM FESTIVALS SOLLTEST DU NICHT VERPASSEN!

40 internationale Dokumentarfilme aus 42 Ländern: Das Human Rights Film Festival Berlin präsentiert sein außerordentliches Programm. Aufgrund der Corona-Pandemie muss das Festival neue Wege gehen: Durch eine hybride on- und offline Strategie werden alle Filme, Expert*innentalks sowie Veranstaltungsformate – jetzt bis zum 20. Oktober 2020 verlängert – deutschlandweit online verfügbar sein. 

Mit dabei sind drei spannende und zugleich herzergreifende Dokumentarfilme über die Herkunftsregionen unserer Partnerbäuerinnen und -bauern in Afghanistan, Myanmar und Palästina. Uns von Conflictfood gingen sie besonders unter die Haut.

Learning to Skateboard in a Warzone (If You’re a Girl)

Unvorstellbar: Mädchen lernen Skateboard fahren in Afghanistan. Das ist nicht nur für sie eine Herausforderung, sondern erst Recht für die Gesellschaft. Mit jeder Übungsstunde in der Turnhalle nehmen die Mädchen Fahrt auf: Ihr Körpergefühl wächst, ihr Selbstbewusstsein steigt. Plötzlich ist ein Studium keine abwegige Vorstellung mehr für zwei Schwestern. Für diesen beschwingenden Film, der ein anderes Afghanistan zeigt, wurde die in Hamburg lebende Regisseurin Zamarin Wahdat in diesem Jahr mit einem Oscar geehrt.

 

Exiled: The Rohingyas 

Die Rohingya in Myanmar – die am meisten verfolgte Minderheit der Welt: Warum wurden 2017 ihre Dörfer niedergebrannt, warum Hunderttausende vertrieben, obwohl die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi de facto das Land regiert? Kaum ein Konflikt ist so kompliziert wie die Rohingya-Krise. EXILED leuchtet die Geschichte der muslimischen Minorität im buddhistisch geprägten Myanmar in der Tiefe aus. Burmes*innen und Rohingya sprechen über die historischen Wurzeln der Gewalt und berichten von Ausgrenzung und Hass.

 

Gaza

GAZA nimmt uns mit an einen einzigartigen Ort jenseits der medialen Berichterstattung und zeigt uns eine Welt voller eloquenter und starker Charaktere.  Der Film entwirft ein bereicherndes Porträt von Menschen, die versuchen, ein sinnvolles Leben jenseits der Trümmer des ewigen Konflikts zu führen. Frei von den Klischees der Nachrichtenreportage enthüllt der Film einen Ort der Schönheit inmitten der Verwüstung – durch das außergewöhnliche Leben seiner Bewohner*innen.

LICHTBLICKE AN DER SEIDENSTRAßE

Einst ein Sehnsuchtsort...

Gold, Edelsteine, teure Stoffe und kostbarer Safran – auf der sagenumwobenen Seidenstraße wurden allerlei wundersame Güter umgeschlagen. Das Netz aus Handelsrouten erstreckte sich vom fernen Peking bis hin nach Venedig. Das Herzstück dieser Route war das heutige Afghanistan. Karawansereien prosperierten und Reisende erzählten sich an den Lagerfeuern endlose Geschichten – die Märchen und Sagen aus 1001 Nacht.

Viele Jahrhunderte war Afghanistan ein Sehnsuchtsort für Künstler und Poeten, magisch zog das Land noch bis in die 1970er zahlreiche Reisende, Aussteiger und Hippies aus aller Welt an. Bis das Blatt sich wendete und dunkle Zeiten eingeläutet wurden, die bis heute andauern sollten.

Seit vier Jahrzehnten herrscht in Afghanistan Krieg.

Afghanistan ist mittlerweile das ärmste Land Asiens. Weltweit liegt das Land an letzter Stelle, was den Export betrifft – vom Opium abgesehen. Gefahr und Unsicherheit sind Teil des Alltags. Die Mehrheit der Jugendlichen ist ohne Arbeit und ohne Perspektive.

Und dennoch scheint in Afghanistan von der goldenen Zeit noch etwas übrig geblieben zu sein!

Die Menschen in den Straßen tragen ein stolzes Lächeln in ihren Gesichtern. Auf den Bazaren findet geschäftiges Treiben statt und die Menschen zelebrieren eine Gastfreundschaft, die einen beinahe beschämt. Aus den Kochtöpfen duftet es köstlich nach dem edlen Gewürz Safran. Genau jenes Gewürz, mit dem früher auf der Seidenstraße schon gehandelt wurde. In Herat, im Westen des Landes, baut ein unabhängiges Frauenkollektiv diesen kostbaren Safran an. Vor ein paar Jahren blühte noch der Schlafmohn auf ihren Feldern aber heute ernten sie das „Rote Gold“ nach alter Tradition und in reiner Handarbeit.

Auch du kannst zu dieser friedvollen Zukunft beitragen. Unterstütze die Frauen in Herat bei ihrer Arbeit: Ihr hochwertiger Safran ist nun bei Conflictfood erhältlich.

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FOTOAUSTELLUNG – DREI BLICKE: AFGHANISTAN

Die Vielfalt Afghanistans vor der Linse

Die drei Fotograf*innen Rada AkbarChristina Feldt und Gernot Würtenberger werfen in ihren sehr persönlichen Fotografien einen Blick auf die tiefe Verletztheit und aufstrebende Hoffnung des Landes am Hindukusch. Ihre Arbeiten bringen besondere Momente voller Lebensfreude inmitten des afghanischen Alltags vor die Linse. 

Die Wanderausstellung “Drei Blicke – Afghanistan” wird von Cultivating Peace e.V. veranstaltet und reist seit 2018 durch Deutschland und wird regelmäßig durch eine virtuelle Reise nach Afghanistan ergänzt. Mittels VR-Technologie ist es dabei den Besucherinnen und Besuchern möglich, durch das trubelige Kabul zu flanieren, historische Stätten Herat zu erkunden oder am Bazaar in Mazar-e-Sharif einzukaufen. 

Wir stellen dir die drei Künstler*innen vor !

Rada Akbar

Rada Akbar ist freiberufliche Fotografin, sie lebt und arbeitet in Kabul. Schon immer nutze sie die Kunst als Medium um sich selbst auszudrücken und die Geschehnisse um sie herum zu erklären. Die Karriere der visuellen Kunst Rada Akbars begann als malende Künstlerin. Ihre Gemälde hingen in diversen Ausstellungen national und international. Später tauschte sie Pinsel und Palette ein gegen die Fotokamera ein. Dabei entdeckte sie ihre Leidenschaft, das Alltagsleben der Menschen in Afghanistan festzuhalten und zu dokumentieren. Von ihrer Kunst sagt Rada selbst, sie fotografiere keine Objekte, sondern das Gefühl, dass sie ihr vermitteln. 2015 gewann sie den UNICEF Fotowettbewerb „Foto des Jahres“. Teile dieser prämierten Fotostrecke hat die Künstlerin für die Ausstellung „Drei Blicke: Afghanistan“ als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Christina Feldt

Christina Feldt ist freiberufliche Fotografin und lebt in Berlin. Sie absolvierte ihr Studium in  International Business, war aber seit ihrer Jugend von der Fotografie fasziniert. In Barcelona belegte Christina einen Fotojournalismus Kurs an der Schule RUIDO Photo, es folgten weltweite Foto Expeditionen mit renommierten Fotografen. Mittlerweile hat Christina mehr als 40 Länder weltweit mit ihrer Kamera bereist. Ihre großen Leidenschaften sind Fotoreportagen und Dokumentationen aus der ganzen Welt, insbesondere die Schicksale und Geschichten von Menschen interessieren sie sehr. Christina hat für zahlreiche Medien und internationale Organisationen – wie die Vereinten Nationen, Save the Children, Care, Handicap International, etc. – bewegende Themen in Afrika, Asien und auch Afghanistan fotografiert. 2014 reiste sie für 2 Wochen nach Afghanistan, wo sie im Auftrag der Vereinten Nationen fotografierte. Sie blickt auf ein wunderschönes Land mit bewegenden Momenten und besonderen Menschen zurück.

Gernot Würtenberger

Gernot Würtenberger hat in Wien und Berlin viele Jahre als Architekt gearbeitet. 2015 gründete er das Sozialunternehmen Conflictfood mit der Idee, Handelsbeziehungen zu Bauern in Konfliktregionen aufzubauen. Die Kamera im Gepäck begleitete ihn zu Flüchtlingslagern in Palästina, Rohingya-Ghettos in Myanmar und zu Opiumfelder in Afghanistan.
An der Fotografie begeistert ihn der eine und unwiederbringliche Moment, das Schmunzeln im Gesicht oder die Hoffnung in den Augen. Diese Begeisterung zeigt sich in seinen Bildern.

Möchtest du die Ausstellung auch in deiner Stadt zeigen? Dann schreib eine Mail an Cultivating Peace e.V.!

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BESUCH IM GARTEN DER PALASTRUINE

Wir treffen den ehemaligen Gärtner des Königspalastes

Würde es florierenden Tourismus in Afghanistans Hauptstadt Kabul geben, so wäre vermutlich der Palast „Darul-Aman“ die Touristenattraktion schlechthin. Aber der Königspalast in Kabuls Zentrum ist ein Trümmerhaufen. Hierhin zieht es nur wenige Touristen. Uns von Conflictfood verschlägt es dennoch in die zerstörte Ruine. Wir treffen auf den betagten Mohammed Kabil, den ehemaligen Gärtner des Palastes. Königsgarten gibt es keinen mehr, dennoch gärtnert Mohammed seit Jahrzehnten mit Leidenschaft in den Gemäuern:

„Ich habe selbst erlebt , wie König Amanullah Khan diesen Palast und Garten im westlichen Stil in den 1920er Jahren planen und errichten ließ. Zwei mal hat mir der König persönlich für meine Arbeit in seinem Garten gedankt.“

Der Palast war später als Verteidigungsministerium umgenutzt worden. Mohammed kümmerte sich um den Gemüsegarten, der die dort residierenden Soldaten ernährte.

Blühende Blumen zwischen zerschossenen Gemäuern

Auch noch heute steckt der ältere Herr sein ganzes Herzblut in die Hege und Pflege der unterschiedlichsten Pflanzen und Blumen. Er befördert die Samen der wildesten und farbenfrohesten Pflanzen in die sonst so trockenen Böden, bewässert die Erde und betreut mit wachendem Auge ihr Wachstum. Dies schafft ein eindrucksvolles und zugleich surreales Bild: Blühende Blumen zwischen zerschossenen Gemäuern.

Historisch gesehen, sollte an dieser Stelle eigentlich Prunkvolles entstehen. Zu Zeiten von Ammanullah Kahn, König Afghanistans von 1926-1929, sollte „Darul Aman“, zugleich zukünftige Heimat des afghanischen Parlaments und repräsentative Zentrum eines modernen, unabhängigen und progressiven Afghanistans werden. Diese kühnen Pläne fanden jedoch bald ein jähes Ende, als  König Kahn von der politischen Bühne zurücktrat. Stattdessen ist der Palast heute Symbol für ein Land in  Schutt und Asche. Jahrzehntelang war er nämlich Schauplatz von Gefechten, Feuer & Bombardements. Der Palast brannte 1969 vollkommen aus und auch nach der kommunistischen Machtübernahme 1978 stand er erneut in Flammen. Darüber hinaus hinterließen verschiedenste rivalisierende Truppen ihre Spuren.

Die afghanische Regierung hat durch Fundraising in den letzten Jahren bereits über 20 Millionen Euro für den Wiederaufbau gesammelt und plant unter anderem ein Museum, einen Park und ein Parlamentsgebäude. Rechtzeitig zum 100 jährigen Jubiläum der  afghanischen Unabhängigkeit soll das Gebäude und der Park im August 2019 wieder eröffnet werden.  Dies ist wohl auch der Traum des eifrigen Gärtner:

„Es ist mein sehnlichster Wunsch den Palast wiederaufgebaut zu sehen, durch die Gärten zu spazieren und die grüne Umgebung, die Früchte meiner Arbeit zu bewundern“

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SALTOS AUF DEN RUINEN VON KABUL

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Ein Kontrastprogramm zur Tristesse des Krieges

In Kabul bewegt sich etwas: Eine Gruppe Jugendlicher weigert sich, Arbeitslosigkeit und eine aussichtslose Zukunft zu akzeptieren. Die Kabul Parkour Boys sind afghanische Pioniere der Sportart Parkour und haben sich die Ruinen des ehemaligen Parlamentspalastes zum Spielplatz gemacht. Als Kabuls kleine Sensation sind sie sogar schon im nationalen Fernsehen aufgetreten. Während unserer Afghanistan-Reise haben wir einen beeindruckenden Tag mit den Bewegungs- und Überlebenskünstlern verbracht.

Beim Parkour werden urbane Hindernisse durch akrobatische Bewegungen überwunden, um möglichst schnell und kreativ von A nach B zu kommen. Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit wirbeln die Jungs in ihren bunten Sweatshirts durch die verlassenen Gebäude, springen die bröckelnden Wände hoch und schlagen Saltos – ein Kontrastprogramm zu wirtschaftlicher Stagnation, Hoffnungslosigkeit und Tristesse des Krieges.

Seit fünf Jahren trainieren die Gruppe der Jungs in unterschiedlichen Ecken der Hauptstadt. Am liebsten treffen sie sich aber in den Ruinen des Darul Aman Palastes. Der Prunkpalast wurde in den 1920er Jahren von König Amanullah errichtet und sollte ursprünglich das Parlament beherbergen. Aber der Aufstieg der Gegner der Monarchie vereitelte Amanullahs Modernisierungspläne. 1969 wurde das Gebäude durch einen Brand schwer zerstört und danach nie wieder in Betrieb genommen. Der Name des Palastes bedeutet so viel wie ‚Wohnsitz der Hoffnung’ – das Motto der Parkour Boys.

Aufwachsen in Perspektivlosigkeit

Afghanistan hat – gemessen an westlichen Standards – mit den klassischen Problemen der weltweit am wenigsten entwickelten Länder zu kämpfen: Eine chronisch schwache Wirtschaft, ein schnelles Bevölkerungswachstum und ein mangelhaftes Sozialsystem. Für viele junge Afghanen sieht die Zukunft alles andere als rosig aus. Zwei Drittel der Bevölkerung sind unter 25 Jahren alt, fast acht von zehn Jugendlichen nennen Arbeitslosigkeit als eine ihrer größten Sorgen. Dass diese Perspektivlosigkeit dramatische Folgen haben kann, zeigt ein Bericht der afghanischen Regierung und der UN: Nirgendwo auf der Welt blühen so viele Mohnfelder, nirgendwo sind so viele junge Menschen von den national produzierten Drogen abhängig.

Mobilität als Überlebensstrategie

Mobilität und Bewegung sind seit Jahrzehnten afghanische Überlebensstrategien, um vor den Zerstörungen des Krieges und der daraus resultierenden Unsicherheit zu entkommen. In einer Umfrage der TV-Sender ARD, BBC und ABC gab die Hälfte der Bevölkerung an, dass sie sich bereits während der Stationierung von internationalen Truppen nicht ausreichend vor den Taliban geschützt fühlten. Nach dem schrittweisen Abzug der internationalen Truppen seit 2011 hat sich laut United Nations Assistance Mission in Afghanistan die Sicherheitslage im Land noch verschärft. Auch deshalb stoppten ausländische Investoren und Handelsunternehmen ihre Kooperation mit afghanischen Unternehmen, international gespeiste Geldquellen versiegten und die Arbeitslosigkeit stieg drastisch an.

Anders als im von westlichen Medien verbreiteten Szenario der drohenden Flüchtlingswellen gen Europa, entspricht die afghanische Bevölkerungsbewegung größtenteils einer Binnenmigration. Denn den höchsten Zustrom erfahren die afghanischen Städte selbst. 30 Prozent der afghanischen Bevölkerung leben derzeit in Städten. Obwohl die Lage der jungen – insbesondere weiblichen – Bevölkerung in ländlichen Regionen am aussichtslosesten ist, erhöht sich auch in den urbanen Zentren die Konkurrenz um rare Arbeitsplätze. Die Lebensbedingungen verschärfen sich. Jamil, der Gründer der Kabul Parkour Boys erzählte uns: „Die Hälfte von uns ist arbeitslos, studiert oder geht noch zur Schule. Unsere finanzielle Situation ist extrem schlecht“. Was die Zukunft bringt? Das weiß keiner von ihnen.

Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht

Trotzdem wollen sie der Welt zeigen, dass es hier in Kabul auch etwas anderes gibt als Terror, Krieg und Drogenhandel, so wie es sonst täglich in den Medien vermittelt wird. Mit ihrer Akrobatik wollen die Boys sich und die Welt bewegen. Jamil: „Jeden Tag trainieren wir hart in diesem gefährlichen Umfeld. Wir wollen jungen Afghanen die Möglichkeit bieten Sport zu machen, ohne ständig zu fürchten, das Opfer von Anschlägen zu werden. Parkour ist unser Leben. Wir wollen die Jugend hier inspirieren, ihre eigene Zukunft in die Hand zu nehmen.“

Bis dahin hatte die Gruppe noch keinen Sponsor. Deshalb war und ist es ein wichtiges Ziel, Spenden zu sammeln, um Equipment zu kaufen und unabhängig von widrigen Wetterverhältnissen in einer Sporthalle trainieren zu können. Dann können in Zukunft auch Parkour Girls mitmachen. Den Auftakt der Spendenreihe Make Saltos Not War machte das Benefiz-Dinner „Make Saltos Not War“ im Berliner „To Beef Or Not To Beef“ am 5. Februar 2017. Den Reinerlös wurde den Kabul Parkour Boys in Afghanistan von Conflictfood im November 2017 übergeben.

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SAFRAN KAUFEN UND GUTES TUN

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Ein Warmer Winter für die Kids von „Paiwand-e-noor“ in Kabul

Mit dem Kauf jedes Conflictfood-Produktes förderst du nicht nur den direkten und fairen Handel sondern unterstützt auch ein Bildungsprojekt in den Partnerländern. Diese suchen wir sorgfältig aus und überzeugen uns persönlich vor Ort von den Standards. Jede unserer Reisen nach Afghanistan führt uns somit auch immer an den Stadtrand Kabuls zu „Paiwand-e-Noor”: Einem Kinderheim, Waisenhaus, Schule und Schutzraum zugleich, welches kriegsversehrten Kindern ein Zuhause bietet, sie zugleich fördert und fordert. Ungefähr 110 Mädchen und Jungen haben hier ihr Zuhause gefunden. Nicht umsonst trägt das Friedenshaus den Namen „Paiwand-e-Noor“ – auf Deutsch bedeutet das „Quelle des Lichts“ – es bietet Kindern einen Zufluchtsort jenseits der Schatten des Krieges.

Im Herbst 2016 durften wir den Spendenanteil aus den Verkäufen des Safrans zum ersten Mal an eine Bildungseinrichtung in Afghanistan übergeben. Das war ein wunderschönes Gefühl zu wissen, dass das Geld direkt dahin geht, wo es am nötigsten gebraucht wird. Man stellt sich selbst öfter die Frage, ob eine Spende auch wirklich ankommt, sie etwas bewirkt oder ob sie in dunkle Kanäle versickert. Wir können mit ein wenig Stolz berichten: Ja, die Spende kommt an! Mit dem Geld wurde das Holz für diesen Winter sowie ein Warmwasserboiler für eines der Waschräume gekauft und angeschlossen. Denn auch wenn man es kaum glauben mag, die Wintertemperaturen in Kabul erreichen oft Minusgrade. Ein afghanisches Sprichwort besagt: Möge Kabul ohne Gold sein, aber nicht ohne Schnee!

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Eine kleine Überraschung und ein großes Dankeschön!

Eine kleine Überraschung wartete an diesem Tag auch noch auf die Kinder: Jedes der Kinder bekam den Abzug eines Fotos, das wir von ihm im Jahr zuvor aufgenommen haben. Schnell begann ein Vergleichen, tauschen und stolzes Herzeigen der Bilder, gemeinsam wurde gekichert und gelacht.

Im Namen der Mädchen und Jungs des Kinderheimes „Paiwand-e-Noor“  möchten wir uns bei jeder Käuferin und jedem Käufer von ganzem Herzen bedanken!

Du möchtest die Mädchen und Jungs in Kabul auch unterstützen? – Das kannst du mit dem Kauf jedes Produktes im Conflictfood Online Shop tun!

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KURIOSE FAKTEN ÜBER AFGHANISTAN – TEIL 2

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Kultur, Kohle und Kommunikation

Conflictfood möchte eine andere Perspektive auf Krisenregionen jenseits des dominanten Krisenimages bieten. In unserer Reihe Kuriose Fakten versorgen wir euch mit spannenden, amüsanten und skurrilen Infos aus allen Lebensbereichen unserer Partnerländer. Teil 1 gibt es hier zu lesen.

In Teil 2 geht es nun um Kultur, Kohle und Kommunikation. Neugierig? Dann unbedingt weiterlesen!

Die Heimat des Poetry Slams

Dichtungen und Gedichte spielen eine ganz wichtige Rolle in der afghanischen Kultur. Seit über Tausend Jahren erzählen Afghanen ihre außergewöhnlichen Geschichten in poetischen Versen.

In Herat kommen seit Jahrzehnten jeden Donnerstag alle zusammen – Männer, Frauen und Kinder – um bis spät in die Nacht hinein alte und moderne Gedichte auszutauschen, um gemeinsam den traditionellen Klängen der Herati Musik zu lauschen und dabei süßen Tee und köstliches Gebäck zu naschen. Das ist Poetry Slam at it’s best!

Afghan*innen oder Afghanis?!

In Afghanistan lebt eine Vielzahl von ethnischen Gruppen – aber wie bezeichnet man sie alle gemeinsam? Vorsicht! Bitte nicht als Afghanis, denn das ist die afghanische Währung! 100 Afghanis sind umgerechnet etwa 1,40 Euro – damit kann man eine Hand voll feinster Mandeln kaufen.

Achja, und außerdem gibt es dort keine Cents, die kleinste Geldeinheit nennt man Puls. In Bezug auf die aktuelle desaströse wirtschaftliche Lage vieler Menschen in Afghanistan erscheint diese sprachliche Bezeichnung des kleinen Geldes zutreffend – viele Menschen leben leider am „Puls der Zeit“.

Ständig am Handy...

Schätzungen zufolge besitzen 90 Prozent der Bevölkerung ein Handy, gleichzeitig ist der Anteil der afghanischen Bevölkerung mit einem regelmäßigen Zugang zu Elektrizität einer der niedrigsten der Welt!

Sogar die Taliban nutzen Skype via Handy. Wie überall auf der Welt verändern auch in Afghanistan mobile Netzwerke die Alltagskultur. Handys haben einen Statussymbol-Charakter – wenn man genügend Geld hat, kann man sich eine besondere Rufnummer zuteilen lassen – zum Beispiel mit den Buchstaben des eigenen Namens oder einer persönlichen Glückszahl. Conflictsfood’s Nummer wäre dann die: 73223, P-E-A-C-E!

Ihr wollt mehr? Hier geht es zu Kuriose Fakten – Teil 1!

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MOMENTAUFNAHMEN VON HOFFNUNG UND REALITÄT

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Sie schafft es die Lebensfreude und Hoffnung Afghanistans einzufangen – trotz dunklen Alltags und täglicher Gewalt

Rada Akbar ist eine außergewöhnliche Frau. Sie sucht einen Weg sich auszudrücken, eine Geschichte zu erzählen und die Hoffnung eines Landes widerzuspiegeln.

Bis zum Jahr 2001 ist kaum Fotokunst aus Afghanistan aufzufinden. Der Ausdruck von Identität, Kultur und Geschichte mittels der Fotografie war zu Zeiten der Taliban verboten. Freier Journalismus und Fotografie sind nun eine neue und frische Bewegung Afghanistans, die begonnen hat die Geschichte seines Landes zu erzählen. Während unsere Medien nach berichtenswerten Ereignissen selektieren, bleibt ein großer Teil des Landes, wie seine Kultur, das Leben und die Herzlichkeit, der restlichen Welt verborgen. Mit ihren Bildern erzählt sie ihre Geschichte und die eines Landes.

“Ich fotografiere keine Motive. Ich fotografiere das Gefühl, das sie mir vermitteln.”

Rada Akbar ist in Afghanistan geboren. Nachdem sie zunächst eine Karriere als malende Künstlerin begann, widmete sie sich schnell ihrem derzeitigen Lebenswerk: Das alltägliche Leben der Menschen in Afghanistan mit der Kamera zu dokumentieren. Immer auf der Suche nach neuen Wegen mit denen sie den Menschen ihre Gefühle vermitteln kann, begann sie die Realität vieler Afghanen darzustellen. Doch es geht nicht nur um Kunst, es geht darum jeden die Seele der einzelnen Bilder fühlen zu lassen.

Sie schafft es die Lebenslust der Menschen in Afghanistan festzuhalten und eine faszinierende Welt, voller Freude und Farben einzufangen und gleichzeitig die dunkle, politische Situation und die herrschende Gewalt zu thematisieren. Rada Akbar nutzt die Fotografie als ein Medium um auf die Situation in Afghanistan aufmerksam zu machen und zu bekämpfen. Als Frau eigenständig in Afghanistan zu arbeiten ist nicht leicht und mit vielen Anfeindungen und Herausforderungen verbunden. Während die Taliban in Afghanistan vorherrschten, waren die Rechte der Frauen stark eingeschränkt. Die Möglichkeiten Universitäten oder Schulen besuchen und Berufe auszuüben wurden stark erschwert. Genau wegen dieser extremen Prägung der vergangen Jahre will Rada Akbar der Gesellschaft und vor allem den afghanischen Frauen zeigen, dass es auch für sie möglich ist ihre Berufung auszuleben. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für ihr Land treibt sie weiter an – egal wie verflochten die Situation zum derzeitigen Zeitpunkt auch sein mag.

Kunst, die Gutes tut

Rada Akbars Bilder werden national und international ausgestellt. Eine Selektion ihrer schönsten Arbeiten, einschließlich aller Bilder in unserem Blogbeitrag, kannst du bei Photocircle als Wandbilder kaufen! Ähnlich wie Conflictfood, stellt auch Photocircle hohe soziale Ansprüche an sich. Das weltweit einzigartige Konzept von Photocircle ist es, den Menschen, die auf den wunderbaren Motiven zu sehen sind, etwas zurückzugeben. Mit jedem Kauf fließen bis zu 50% des Gesamtpreises in ein Bildungs- oder Entwicklungsprojekt in der Region, in der das Bild entstanden ist.  So schaffen wir es hochwertige Kunst zu genießen und gleichzeitig einen Beitrag zu leisten!

Rada Akbar wurde 1988 in Afghanistan geboren. Sie ist Fotografin und dokumentiert das alltägliche Leben in Afghanistan. Sie produzierte bereits zwei Dokumentarfilme um auf das Leben und die Herausforderungen afghanischer Frauen aufmerksam zu machen. Der Film „Shattered Hopes“ wurde im Jahr 2009 sogar für das Panorama Hindukusch-Filmfestival in Köln ausgewählt. 

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WILLKOMMEN IN HERAT – DIE PERLE KHORASANS

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Wenn dich jemand fragt, welche die schönste der Städte ist,
du magst ihm richtig antworten, dass es Herat ist.

Denn die Welt ist wie das Meer,
und die Provinz Khorasan wie eine Perlenauster darin.

Die Stadt Herat, als Perle, in der Mitte der Auster.

Bereits der ruhmreiche Poet Rumi wurde in den Bann der Stadt Herat gezogen – nicht umsonst beschrieb er sie als „Perle Khorasans“. Heute erinnern nur noch wenige Gebäude an die ruhmreiche Geschichte von Herat. Reichtum und Schönheit wurden der Stadt an der Seidenstraße zum Verhängnis und machten sie zum umkämpften Terrain von zahlreichen Eroberern.

Trotz jahrtausendelangen Konjunkturen der Blüte und Zerstörung, hat die Stadt im Westen Afghanistans einen besonderen Charme behalten: Als wir Herat besuchten waren wir hingerissen von ihrer einzigartigen kulturellen Atmosphäre. Wir wollen diese unvergesslichen Eindrücke teilen und nehmen euch mit auf eine kleine Zeitreise und eine Entdeckungstour durch Herat.

Konjunkturen des Glanzes

Im 11. Jahrhundert herrschten die Könige von Ghor in Herat. Sie waren große Kunstmäzene und Förderer der persischen Literatur aber auch der Architektur und verwandelten die Stadt in eine prächtige Metropole – über 12.000 Geschäfte, prall gefüllt mit Waren aus aller Welt und 6000 Badehäuser, Karavansereien und Mühlen, eine halbe Million Häuser und 359 Schulen zierten das Stadtbild. Diese Blütezeit fand jedoch mit dem Einfall der Mongolen unter Dschingis Khan ein jähes Ende – die Stadt wurde damals praktisch dem Erdboden gleich gemacht.

Einige Zeit später im 15. Jahrhundert wurde das Stadtbild wiederbelebt als sich die mächtigen Herrscher der Dynastie der Timuriden dazu entschieden ihren Reichtum von Samarkand nach Herat zu bewegen. Unter ihrer Herrschaft wurde Herat für knapp ein Jahrhundert zur Hauptstadt Khorasans, bis die Stadt erneut von den Usbeken und Safawiden erobert wurde.

Nach diesem Muster wuchsen und schwanden Königreiche in Herat. Unter den jüngsten Konflikten wurde die Stadt schwer zerstört. Ihre Ruinen erinnern an die Gewalt britischer und russischer Invasoren und die Brutalität des ‚War on Terror‘ gegen die Taliban.

Herat heute

Die letzten Jahrzehnte der Unruhe und des Krieges haben tiefe Spuren hinterlassen. Der einst rege kulturelle und touristische Verkehr durch die Stadt ist zum Stillstand gekommen. Bei unserer Erkundungstour waren wir meistens die einzigen „Fremden“, die sich für die Kulturschätze interessierten.

Darauf, dass in der Stadt ein unglaubliches kulturelles Potential schlummert, verwies die UNESCO im Jahr 1974, als sie die Altstadt Herats als Weltkulturerbe einstufte. In jeder anderen Stadt wären Bauwerke, Straßen und Plätze von einer solchen kulturellen Vergangenheit wahre Touristenmagnete, Attraktionen auf dem Jahrmarkt der Weltgeschichte.

Die Freitagsmoschee

Die Freitagsmoschee in Herat ist über 800 Jahre alt. Sie ist eines der schönsten islamischen Bauwerke in Afghanistan und eines der größten in Zentralasien.

Die Moschee ist klassisch angelegt. Sie liegt auf vier Iwans – das ist arabisch und beschreibt eine offene Halle, welche von einem Tonnengewölbe überdeckt wird. Die Arkadenwände umschließen einen fast 100 Meter langen Innenhof. Zwei riesige Minarette flankieren den Haupt-Iwan. Die Minarette, mit ihren sich wiederholenden Bändern von stilisierten Blumen, Arabesken und geometrischen Mustern waren für uns einfach schwindelerregend.

Wie ein Chamäleon veränderte das Gebäude sein Äußeres. Im Zuge der Machtwechsel wurde das Erscheinungsbild an die jeweilige Dynastie angepasst. Ursprünglich wurde sie von dem Ghuriden Sultan Ghiyasuddin angelegt. So zierten zunächst typischen Ghuriden Ziegel und Stuckdekorationen das Bild der Moschee. Später folgten die hellen Mosaike der Timuriden-Herrscher. Die aufwendigen Mosaike, die jetzt das Bauwerk schmücken, sind das Produkt der moscheeeigenen Werkstatt und einem seit den 1940er Jahren laufenden Restaurierungsprojekts, das die timuridische Mosaiken mit eigenen Designs, Farben und Kaligraphien verband.

Dieser „Traditionell-trifft-Modern“-Ansatz machte die Moschee zu einem der Schmuckstücke des zeitgenössischen islamisch-abstrakten Expressionismus. Atemberaubende Mosaike bestimmen das Bild, umgeben von blauen Bändern mit Koranversen. Die leuchtenden Farben, die detailreichen Verzierungen sind eine Hymne, eine überbordende Lobpreisung an Allah. Die schlichten, weißgetünchten Iwans fügen dem Ganzen einen Hauch von Bescheidenheit hinzu.

Die Zitadelle von Herat

Mit ihrer 2000 Jahre alten brachialen Geschichte wurde die Zitadelle von Herat zum Symbol der Stadt. Man geht davon aus, dass die Zitadelle (das älteste Gebäude in Herat), auf den Fundamenten einer Festung steht, die von Alexander dem Großen ungefähr 330 v. Chr. erbaut wurde. Seit ihrer Erbauung diente sie als Machtsitz, war militärische Garnison und Gefängnis zugleich.

Im Jahre 2005 übergab die afghanische Armee den Komplex dem Ministerium für Information, Kultur und Tourismus und seit dem stehen auch Außenstehenden die Türen für einen Besuch offen. Dennoch, auf unserer Entdeckungstour waren wir praktisch allein – keine Eintrittschlangen und in dem ganzen riesengroßen Komplex befanden sich keine fünf Besucher.

Die Zitadelle wurde auf einem künstlichen Hügel errichtet. Die 18 Türme ragen über 30 Meter über dem Straßenniveau, mit bis zu 2 Meter dicken Wänden. Die derzeitige Struktur wurde weitgehend von Shah Rukh im Jahre 1415 erbaut. Zu dieser Zeit wurden die Außenmauern mit monumentalen Gedichtversen in kufischen Schriftzügen geschmückt. Sie verkündeten die Erhabenheit der Burg, die „nie von den Erschütterungen der umlaufenden Zeit beeinflusst wurde“.

Leider setzte sich dieses Motto nicht weiter durch. Im Jahr 1953 konnte der damalige König Zahir Shah nur knapp den kompletten Abriss verhindern. Die folgenden unruhigen Zeiten und Jahrzehnte der Vernachlässigung haben unweigerlich große Schäden an der Zitadelle verursacht. Immer wieder plünderten Siegermächte das Gebäude und Einheimischen veräußerten die wertvollen Dachbalken und gebrannten Ziegel. Allerdings haben kürzlich hunderte afghanische Handwerker das Gebäude mit Hilfe der finanziellen Unterstützung aus Deutschland und den USA restauriert. So wurde das wunderschön restaurierte Artefakt für alle Heratis wieder zum Symbol der Hoffnung.

Vom so genannten „Timuriden Turm“, einem der wenigen Plätze, der noch von antiken wunderbaren Mosaiken geziert wird, hatten wir einen fabelhaften Blick über das bunte Stadtleben, mit all seinen verwinkelten Gassen und den trubeligen Bazaren.

Der Musalla Komplex und das Mausoleum der Gawhar Shad

Der Gawhar Shad Musalla-Komplex wurde einst unter der Führung von Königin Gawharshad, fertiggestellt. Sie war die Frau des 1447 verstorbenen Timuriden-Herrschers Shah Rukh und herrschte nach seinem Tod über sein Imperium vom Fluss Tigris bis hin nach China. Der Komplex beinhaltet heute ein Mausoleum zu Ihrer Ehre.

Fünf Minarette und spärliche Überreste stehen noch auf dem gesamte Gelände – der Komplex ist ein Schatten seiner selbst. Der einst wunderschöne Bau wurde 1885 von den Briten zerstört. Mehrere Erdbeben taten außerdem ihr übriges.

Heute haben sich Opiumabhängige in die Höhlen und Katakomben häuslich eingerichtet. Ihre Sucht, so erzählt man, finanzieren sie sich durch den Verkauf von Artefakten und anderen Kunstgegenständen. Eigentlich würden solche antike Stücke ins Museum gehören – aber hier hat man andere Sorgen.

Gazar Gah

Für das Freitagsgebet machten wir uns auf den Weg zu einem der schönsten spirituellen Gebäude in Herat: dem 5 Kilometer vom Stadtkern entfernten Schrein Gazar Gah. Er ist bei weitem nicht so groß und auch nicht so überfüllt wie die Freitagsmoschee.

Hier befindet sich das Grab des Sufi-Dichters und Heiligen Khwaja Abdullah Ansari, der im 11. Jahrhundert in Herat gelebt hat. Täglich kommen hunderte Pilger aus dem ganzen Land um zu beten und sich zu reinigen. Gazar Gah bedeutet soviel wie, “Ort der Entfärbung” und ist eine mystische Anspielung auf die Reinigung der Seele bevor man vor Allah tritt.

Aktuell wird der Grabkomplex restauriert, damit er wieder in alter Pracht erstrahlen kann.

Die Welt ist wie das Meer – sie muss die Auster nähren…

Obwohl die gut erhaltene Altstadt heute noch immer vom früheren Glanz erzählt, hält zunehmend die Moderne Einzug – historische Denkmäler zerfallen und die Perle droht ihren Glanz zu verlieren. Dass die Heratis trotz Geldmangel und Jahren des Konfliktes immer wieder weiter renovieren, zeugt von ihrem unermüdlichen Kampfgeist.

‚Die Provinz Khorasan ist wie eine Perlenauster’ sie hat das Potential wunderschöne Perlen zu produzieren. Mit dem Kauf unseres Safrans unterstützt du die Provinz und die Menschen wirtschaftlich – damit auch ihre Perle Herat irgendwann wieder in vollem Glanz erstrahlen kann!

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KURIOSE FAKTEN ÜBER AFGHANISTAN – TEIL 1

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Sport, Diversität und Bling Bling

Conflictfood möchte eine andere Perspektive auf Krisenregionen jenseits des dominanten Krisenimages bieten. In unserer Reihe Kuriose Fakten versorgen wir euch mit spannenden, amüsanten und skurrilen Infos aus allen Lebensbereichen unserer Partnerländer.

Teil 1 kombiniert Sport, Diversität und Bling Bling – schon gespannt? Los geht’s, mit den ersten drei Fakten…

Habt ihr gewusst, dass beim afghanischen Nationalsport eine tote Ziege eine Rolle spielt?

Buz“ ist das Wort für „Ziege“ in Dari. Der Sport Buzkashi meint also wortwörtlich „Ziege ergreifen“.

Der Sport ähnelt einer wilden Form des Rugby, ausgetragen auf dem Rücken von Pferden. Ziel ist es den von Wasser durchtränkten, kopflosen Kadaver einer Ziege von der einen Seite des Spielfeldes zur einem festgelegten Punkt auf der anderen zu bringen.
Vor dem Spiel wird die tote Ziege in Wasser eingeweicht, damit der Körper härter und zäher wird. Dann wird sie in einem Kreidekreis auf dem Boden platziert. Nach dem Startschuss versuchen beide Teams den Kadaver zu ergattern und zu einer Kreidemarkierung auf der anderen Seite des Feldes zu bringen. Gewonnen hat das Team, dass den größten zusammenhängenden Teil der Ziege zuerst dorthin bringt.

Man munkelt, dass sich Buzkashi bei der Invasion von Dschingis Khan 1219-21 entwickelt hat, als die plündernden Mongolen auf ihren Pferden im Galopp durch die afghanischen Gemeinden fegten.

Viele Afghanen würden Buzkashi gerne bei den Olympischen Spielen sehen. Schon einige Male wurde der Sport dem Olympischen Komittee vorgestellt. Aber, obwohl erst kürzlich neue Regeln aufgestellt wurden und Buzkashi von Afghan Airlines und verschiedenen Geschäftsleuten gesponsert wird, sieht es wohl nicht danach aus, dass das Reiterspiel in naher Zukunft in den olympischen Kanon aufgenommen wird.

Fliegende Hufe, scharfe Peitschen, wildes Gerangel und ein Gemenge von großartigen arabischen Pferden – beim knallharten Sport gewinnen nur die rauhesten Reiter.

Ein Staat mit großer ethnischer Vielfalt

In Afghanistan leben vielfältige ethnische Gruppen mit unterschiedlichen linguistischen und religiösen Identitäten. Lange Zeit sorgte die afghanische Topografie dafür, dass Gemeinschaften voneinander isoliert blieben. Dies änderte sich jedoch durch den zunehmenden Verkehr auf der Seidenstraße. So wurde Afghanistan zum Transitland für Händler, die ihre Waren von China in die westliche Welt brachten. Die Straße förderte eine nomadische Entwicklung im Land, wodurch sich Menschen von unterschiedlicher Identität miteinander vermischten. Mit dem Ausbau des Kommunikations- und Straßensystems und der Konsolidierung des Staats verstärkte sich der Kontakt zwischen den Gruppen im Laufe des 20. Jahrhunderts. Trotz der zunehmenden Gewalt und der Stagnation der Entwicklung während des jahrzehntelangen Konfliktes blieben die diversen Ethnien miteinander verbunden.

Paschtunen bilden die größte Stammesgemeinde weltweit und sind auch in Afghanistan die größte ethnische Gruppe. Etwa 40% der afghanischen Bevölkerung sind Paschtunen. Die meisten von ihnen sind Sunniten. Bereits seit dem 18. Jahrhundert sind sie in Afghanistan an der Macht.

Tadjiken sind ebenfalls größtenteils Sunniten, aber sie sprechen Dari. Sie machen 30% der afghanischen Bevölkerung aus. Für eine lange Zeit waren sie die am stärksten urbanisierte Gruppe. Heute leben viele jedoch sehr verstreut in nord und nord-östlichen Gebieten, wie Badakhstan und in der Provinz Herat entlang der Grenze zum Iran.

Hazaras folgen an dritter Stelle (15% der Bevölkerung). Die Mehrheit lebt in Hazarajat, einer Region in den zentralen Hochgebirgen, die sie bis zum Ende des 19 Jahrhunderts autonom regierten. Viele gehören den Schiiten (Zwölferschiiten) an. Sie sprechen Hazaragi, einen Dialekt, der Dari nahesteht und viele türkische und mongolische Ausdrücke verwendet.

Usbeken und Turkmenen bilden 10% der afghanischen Bevölkerung. Sie sind Suniiten und stammen ursprünglich von nomadischen Stämmen aus Zentralasien ab. Ihre Sprache entwickelte sich aus der türkischen Sprachfamilie. Traditionell werden sie mit dem Areal nordwestlich des Hindu Kusch, in der Nähe der Grenze zu Usbekistan und Turkmenistan assoziiert.

Aimaqs bilden mit 5% der Bevölkerung die kleinste Gruppe. Sie sind Sunniten und sprechen Dari, verwenden jedoch viele Begriffe, die dem Türkischen entlehnt sind. Ihre Gemeinden sind hauptsächlich im Westen des Hindu Kusch angesiedelt, östlich von Herat und westlich von Hazarajat.

Farsiwanen leben im Westens Afghanistans, in der Nähe der iranischen Grenze. Sie sprechen einen persischen Dialekt, ähnlich dem Dari und gehören zu den Zwölferschiiten.

Nuristani siedeln in den östlichen afghanischen Gebirgen. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit der Landwirtschaft und Viehzucht. Sie sind Sunniten und sprechen eine sehr alte Sprache, die Elemente aus dem Persischen und Hindi miteinander verbindet. Ihre Heimat sind die isolierten Täler und unwegsames Gelände. Ursprünglich haben Nuristanis eine besondere Kultur basierend auf einer politheistischen Religion, aber Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie von einfallenden Stämmen dazu gezwungen zum Islam zu konvertieren.

Kirgisen sind eine türkisch-sprachige Gruppe. Vor dem Krieg lebten die meisten im Pamir Wakhan Korridor – dem langen dünnen Streifen, der sich von der nordöstlichen Provinz Badakshan bis zur Grenze zu China zieht. Sie züchten Yaks, Ziegen und Kamele. Leider leben nur noch wenige Kirgisen heute in Afghanistan, da viele im Zuge der sowjetischen Besatzung in die Türkei, China und Pakistan flüchten mussten.

Daneben gibt es noch weitere kleinere ethnische Gruppen, wie die Pashayi, Baloch, Pamiris, Brahuis, Mongolen, Qizilbash, Hindus, Kohistani, Gujars und Sikhs.

Lapislazuli - das afghanische Bling Bling als Liebling ägyptischer Pharaonen

Der dunkelblaue Lapislazuli ist einer von Afghanistans einzigartigsten und schönsten Schätzen. Die Pharaonen im alten Ägypten liebten es sich mit Juwelen aus diesem kostbaren Material zu schmücken. Deshalb fanden sie Wege um die Edelstein aus den fernen Minen zu importieren. Man findet den Edelstein im Kalkstein des Kokcha Flusstales in der Badakhshan Provinz im Nordosten des Landes, dort wo die Sar-e-Sang Minen seit mehr als 6000 Jahren arbeiten. Afghanistan war dabei nicht nur für antike ägyptische und mesopotamische Zivilisationen die Quelle des Lapilazulis, sondern auch für die Griechen und Römer. 

Weiterhin verfügt Afghanistan auch über natürliche Ressourcen an Zink, Gold, Kupfer und Eisen, die zumeist im Südosten abgebaut werden. Außerdem wurden kürzlich Erdöl und Gasvorkommen im Norden gefunden, die sich als wichtige Quelle erweisen könnten. Weitere Ressourcen des Landes sind unter anderem Uran, Kohle und Salze.

Ihr wollt mehr? Hier geht es zu Kuriose Fakten – Teil 2!

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POPPY TRAILS – ABHÄNGIGKEITEN VON AFGHANISCHEM MOHN

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Eine rosa Blütenmeer und die dunkle Seite der Globalisierung

Poppy, das englische Wort für Mohn, klingt harmlos, beinahe niedlich und das weiß-rosa bis knallrote Blütenmeer eines Mohnfeldes, vermittelt eine romantische Atmosphäre. Dass die Realität nach der Ernte der Mohnfelder brutal anders aussieht, zeigen Robert Knoth und Antoinette de Jong mit ihrer Kunst-Installation ‚Poppy – Trails of Afghan Heroin’, die derzeit im c/o Berlin Ausstellungshaus für Fotografie Interessierten die Augen öffnen soll.

Über zwei Jahrzehnte lang haben die beiden Künstler die Routen des afghanischen Heroins verfolgt, die von Afghanistan in alle Himmelsrichtungen verlaufen, über Russland nach Westeuropa und China, nach Ostafrika und Dubai. Ihre multimediale Installation dokumentiert die dunkle Seite der Globalisierung: brutale Bandenkriege, illegale Geldwäsche, Korruption, Frauenhandel und tödliche Sucht – ein beeindruckendes Kaleidoskop von Kriminalität, Krise und Chaos.

Einst war die durch Afghanistan verlaufende Seidenstraße ein berühmter Handelsweg über den Güter, Kulturen und Religionen ausgetauscht wurden. Heute werden über die Trasse vielmehr Drogen geschmuggelt und Chaos geliefert. Dort wo Konflikt und Kriege herrschen gedeiht auch der Opiumhandel, „er liebt smuta, das russische Wort für Chaos und Verwirrung. Wo immer die Heroin-Karawane vorbeikommt, entsteht organisiertes Verbrechen. Es wird so viel Geld damit gemacht, dass ganze Nationalstaaten untergraben werden“ erklärt eine resigniert wirkende Frauenstimme zu den wechselnden Bildern von Dealern, Gefangenen, Prostituierten, Grenzsoldaten, Polizisten und Kindern. In Konfliktregionen regiert Smuta und Drogen sind ein integraler Antrieb der Unordnung.

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Afghanistans Abhängigkeiten

Afghanistan produziert über 90 % des gesamten Opiums weltweit, es ist ein Zentrum des globalen Drogen-Netzwerkes. 50 Milliarden US-Dollar werden jährlich mit afghanischem Heroin verdient. Den Löwenanteil sahnen dabei definitiv nicht die Kleinbauern ab, die den Mohn produzieren. Am meisten profitieren korrupte Staatsbeamte, mächtige Warloards und in Afghanistan die Taliban. Nichtsdestotrotz bildet die Opiumproduktion die Lebensgrundlage vieler Landwirte. Obwohl ihre Lage in der Schattenökonomie alles andere als rosig ist, würde der Alltag ohne die rosaroten Blumen wohl momentan noch düsterer aussehen. Denn, wie ein Gouverneur aus Kandahar, einer der Hochburgen des Schlafmohnanbaus und der Taliban, im Jahr 2014 der ARD erklärte:

„Der Bauer profitiert vom Mohnanbau mehrfach. Für Mohn braucht er keine Straße, kein Kühlhaus, keinen Traktor, die Bauern können ihre zehn Kilo Schlafmohn selber zu ihren Lagern tragen oder wo immer sie die Ware verkaufen wollen. Und das Beste: Die Einkäufer kommen sogar zu ihnen, um den Mohn zu kaufen.“ 

Opium und Heroin sind wirtschaftlich potente Güter, die in harten Deals verhandelt werden, aber mit dem Gebrauch Gesellschaft und Menschen schwächen und in unwiderruflich in Abhängigkeiten führen. Insgesamt konsumieren weltweit etwa 15 Millionen Menschen Heroin, produziert aus afghanischem Mohn. Laut des UN-Büros für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung (UNODC) sind acht Prozent der afghanischen Bevölkerung drogenabhängig, das sind etwa eine Million der 15- bis 64-Jährigen und damit doppelt so viele wie der weltweite Durchschnitt. Viele Nutzen Heroin und Opiate als Medikation gegen die Tristesse des Lebens in der Krise. 

Bereits seit Jahrhunderten wird Opium als Beruhigungs- und Schmerzmittel verwendet. Aber erst im Laufe der 1980er Jahre stieg Afghanistan als Drehscheibe der globalen Versorgung auf. Während der sowjetischen Besatzungszeit wurden Heroin und Opium geschmuggelt, um mit dem Erlös Waffen im Krieg gegen die Sowjetunion zu finanzieren. Nach dem Ende der Besatzungszeit kämpften verschiedene Mujaheddin-Gruppen um die Handelswege. Wer den Opiumhandel kontrollierte sicherte sich Macht. 1999 sorgte eine Reform der Taliban für die Zerstörung von 90% der Anbauflächen, künstlich erhöhten sie dadurch die Preise der Droge. Erst mit dem Fall der Taliban nach dem 11. September und der amerikanischen Intervention in Afghanistan stieg die Produktion wieder rasant an. Zwischen 2001 und 2007 erhöhten sich die Ernten von 185 Tonnen auf 8200 Tonnen.

Das globale Netzwerk

Diese Zunahme der Produktion verdeutlicht auch, dass Afghanistan eine steigende internationale Nachfrage bedient. Mit einer riesigen Infografik veranschaulichen Knoth und de Jong, dass die Drogen-Route sich keineswegs auf die ehemalige Seidenstraße beschränkt, sondern über ein komplexes Netzwerk verläuft. 

Die darauf abgebildeten Handelsbeziehungen stehen musterhaft für den Zusammenhang von Konflikt, Schattenökononomie und Drogenhandel. Länder, die historisch an dem Afghanistan-Konflikt beteiligt waren, sind auch heute noch maßgeblich in den Drogenhandel involviert. Gegenwärtig ist Russland stärkster nationaler Abnehmer, mit 21% afghanischen Heroins, und auch nach Ostafrika fließen etwa 10% der Ernten (Hintergrund: Somalische Kämpfer unterstützten die Mujaheddin damals im Kampf gegen die Sowjets).Die in der Kunstinstallation dargestellte Komplexität des Drogennetzwerkes verdeutlicht, dass ein eindimensionaler War-on-Drugs, der einzig auf die Verhaftung der Dealer und Zerstörung von Ernten abzielt, keinen Erfolg haben kann. Als Teil der Schattenseite der Globalisierung ist der Heroin- und Opiumhandel historisch gewachsen und stark vernetzt, zu viele Puzzleteile ergeben das Gesamtbild, zu viel hängt von den bunten, berauschenden Mohnblüten ab.

Safran statt Opium!

Aber, man kann den afghanischen Kleinbauern eine Alternative bieten: Safran! Safran ist der perfekte Ersatz für Mohn, weil sein Anbau die gleichen Vorteile für die Bauern bietet: die Blüten bringen hohe Gewinnspannen und erfordern geringe landwirtschaftliche Infrastrukturen.

Deshalb importiert Conflictfood afghanischen Safran – um die Mohnproduktion zu entwurzeln. Mach mit und hilf uns dabei die Konfliktökonomie Afghanistans zumindest teilweise zu entwaffnen!

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„A NATION STAYS ALIVE WHEN ITS CULTURE STAYS ALIVE“

Gernot vor dem Nationalmuseum

Was machst du an einem verregneten Wochenende denn so? In Berlin gehen Salem und Gernot, die Gründer von Conflictfood, ganz gerne mal ins Museum. Aber in Kabul? Gibt es überhaupt Museen in Afghanistan? Ja – und zwar eines mit einer Geschichte, die spannender ist, als jeder Krimi, den du je gelesen hast! Begleite das Team von Conflictfood bei einem Spaziergang durch das Nationalmuseum Kabul.

Nationalmuseum Afghanistans und im Hintergrund der zerstörte Präsidentenpalast

Die Schätze des Afghanischen Nationalmuseums

Einen Steinwurf entfernt vom komplett zerbombten Präsidentenpalast steht das ehrwürdige, knapp 100 Jahre alte Museumsgebäude des Afghanischen Nationalmuseums. Unser Wagen ist der einzige auf dem weitläufigen Parkplatz vor dem Haus, auch im Museum werden wir an diesem Tag, neben 5-6 Schülern des naheliegenden Gymnasiums, die einzigen Gäste sein. Die Eingangshalle ist großzügig gestaltet und auch sonst ist das Gebäude sehr weitläufig. Allerdings ist es beinahe leer. Nur wenige Exponate der eigentlich sehr reichen Geschichte des Landes sind zu sehen. Ein Raum widmet sich einem sehr kuriosen Objekt, zu sehen ist Präsident Hamid Karsais altes Nokia Handy. Im ersten Augenblick erschien uns das als absurd, doch wenn man die Geschichte des Hauses kennt, ergibt es Sinn.

Präsident Hamid Karsais altes Nokia Handy

Kaum haben wir unseren Rundgang begonnen überrascht uns ein Stromausfall, der das ganze Museum ins Dunkel taucht. Nichts ungewöhnliches in Kabul, das Netz ist einfach überlastet. Hier im Museum aber hat das noch weitreichendere Folgen, auch das Sicherheitssystem wird lahmgelegt. Bis zum Schluß leuchten wir uns nun den Weg durch die Räume mit unseren eigenen Handys.

Salem guckt sich mit einer Taschenlampe im Nationalmuseum von Kabul um

In den späten 1970er Jahren stellte das Nationalmuseum Afghanistans noch über 100’000 Objekte aus. Aber der jahrzehntelange Bürgerkrieg und Konflikte hatten fatale Auswirkungen auf den Bestand der Ausstellung. Zu Zeiten der sowjetischen Besatzung wurde das Haus vom Militär überwacht, zahlreiche seiner Schätze fanden schleunigst ‚neue’ Besitzer. Es sollte noch schlimmer kommen. Während des Bürgerkrieges wurden das Dach und die Lagerräume bei einem Raketenangriff völlig zerstört. Tausende Artefakte sind danach abhanden gekommen und wurden geplündert. Bis Mitte der 1990er Jahre konnten nur noch 4’000 sichergestellt werden. Danach kamen die Taliban mit einer Verordnung von 2001 welche die Zerstörung von abgöttischen, unreligiösen Werken befahl. Die Folgen waren verheerend – 2’500 Kunstwerke sind verloren.

Ein goldenes Zeitalter für Afghanistan

Damals, in 1978, war Kabul mit rund einer halben Million Einwohnern eine belebte Drehscheibe Zentralasiens. Genau in diesem Jahr begann der Direktor des Nationalmuseums Dr. Omara Khan Masoudi hier zu arbeiten. Er ließ die Wörter am Eingang in den Stein meißeln – für die Ewigkeit. Spannende Jahre des Aufbruchs sollten folgen. Nur zwei Jahrzehnte zuvor wurde Kabuls Flughafen in Betrieb genommen, 1975 fand das allererste Rockmusik-Festival statt und die afghanische Frauenrechtsorganisation ‚The Revolutionary Association of the Women of Afghanistan’ wurde gegründet.

Im Nationalmuseum von Kabul

Ein goldenes Zeitalter für die Archäologie

1966 regte die Entdeckung von goldenen Schalen mesopotamischen Designs weitreichende archäologische Exkursionen in der Region an, während derer die Bedeutung Afghanistans auf antiken Handelsrouten untermauert wurde. 1978 brachte der Archäologe Viktor Sarianidi einen der weltweit wichtigsten Funde ans Licht. An den Berghängen von ‚Tillya Tepe’ im nördlichen Afghanistan grub er den Schatz der Baktrier aus: mehr als 20’000 Fundstücke aus Gold und Edelmetallen, inklusive der Krone einer nomadischen Prinzessin, Goldspangen, Brosche und Tausenden von Juwelen, die den unglaublichen kulturellen Reichtum des Landes belegen.

Das Ende des goldenen Zeitalters

Trotzdem wandte sich das Blatt noch im selben Jahr für die Afghanen. In den frühen Morgenstunden des 28. April 1978 ermordeten die Truppen der kommunistischen Demokratischen Volkspartei den Präsidenten Mohammad Daoud Khan und einen Großteil seiner Familie. Der Putsch wurde bekannt als ‚Saur Revolution‘, obwohl die Tat nichts mit einem bürgerlichen Aufstand gemein hatte. Im Dezember 1979 marschierten die sowjetischen Truppen ein, um das kommunistische Regime in ihrem Kampf gegen die Mujahideen zu unterstützen – dies war der Beginn einer Dekade des Guerillakrieges.

Ein sicherer und geheimer Ort

Aus gegebenem Anlass sollte die wertvolle Sammlung kurzfristig in Sicherheit gebracht werden. Unbezahlbare Artefakte, einschließlich von hellenischen Marmor- und Bronze-Statuen, Goldschalen, zerbrechlichen Glasarbeiten, frühen islamischen Schnitzereien, buddhistische Elfenbeinskulpturen und eine umfangreiche Sammlung an antiken Münzen wurden vorübergehend umgelagert. Hastig, ohne die erforderliche Sorgfalt, wurden die Kunstwerke abgebaut, verfrachtet und in das Haus des ehemaligen Ministers Sardar Mohammad Naim Khan gebracht. Im Oktober 1980 gab die kommunistische Regierung das Gebäude zurück und baute das Museum wieder auf.

Als sich die Sowjet Truppen nach zehn Jahren des Krieges bereit zum Abzug machten, sah sich das Museum mit einer zunehmend schlechteren Sicherheitssituation konfrontiert. Deshalb wurde gemeinsam mit dem Ministerium für Kultur entschieden, die wertvollsten Artefakte in der Stadt an unterschiedlichen Orten zu verteilen, um die Chancen von Diebstahl zu verringern. Die teuersten Stücke wurden in geheimen Tresoren im Keller der Kabul Bank verschlossen – diese Schätze wurden zu Legenden.

Die langen Jahre des Krieges machten das Leben von Kabuls Bevölkerung zur Hölle. Kulturstätten lagen in Schutt und Asche und Privateigentum wurde geplündert. Tausende afghanische Familien mussten das Land verlassen und ein desaströses Zeitalter für das Museum wurde eingeleitet. Das Museum wurde erneut zum Militärstützpunkt und die Gebäude wurden von zahlreichen Mujahideen-Gruppierungen besetzt. Jedes Mal, wenn gegnerische Soldaten vertrieben wurden, plünderten sie bei ihrem Abzug alles was sie tragen konnten. Bis heute weiß niemand was mit der gestohlenen Kunst passierte. Wahrscheinlich wurden viele auf dem Schwarzmarkt verkauft oder eingeschmolzen. Schließlich, in einem Anschlag im Mai 1993 beschädigten Raketen obere Teile des Gebäudes, was dazu führte, dass das Dach einstürzte.

Poster "AFGHAN CULTURE IS IN DANGER"

1996 kamen die Taliban an die Macht. Überraschenderweise schützten sie zunächst die Sammlung. Die Türen des Museums blieben zwei Jahre verschlossen. Schließlich begann eine kleine, zurück gebliebene Gruppe an Museumsangestellten 1996 mit einer Inventarisierung, in der sie die 4’000 Objekte katalogisierten – nur noch 4 % von der ursprünglichen Kollektion.

2001 veranlassten die Taliban die Zerstörung von abgöttischen, unreligiösen Bildern. Unter dem Einsatz von Raketenwerfern und Panzern wurden 2’500 Werke sowie zwei enorme Buddha Statuen aus dem 6. Jahrhundert zerstört. Diese barbarische Vorgehensweise erfüllte die Herzen vieler Afghanen mit Wut. Weder die kommenden Generationen von Afghanen, noch die Geschichtsbücher werden diese Ära der Tyrannei jemals vergessen.

Glücklicherweise lagen die Herzstücke des Kunstschatzes sicher versteckt im Untergrund.

Straße vor dem zerstörten Präsidentenpalast

Der Beginn eines neuen Weges

Am 11. September 2001 krachten zwei entführte Flugzeuge in das World Trade Centre in Manhattan. Weil sich die Taliban beharrlich weigerten, Osama bin Laden und weitere Schlüsselfiguren von Al-Qaida an die USA auszuliefern, starteten die USA ihren Einmarsch in das Land im Oktober des gleichen Jahres. Der anschließende Fall des Regimes machte die Rückkehr nach Kabul für einige Einwohner sicherer, schnell wuchs die Bevölkerung der Hauptstadt auf fünf Millionen Menschen an. Obwohl die Sicherheitslage prekär blieb, ermöglichte internationale Hilfe den Wiederaufbau des Museums und seiner Sammlung.

Im Jahr 2003 beschloss das Ministerium für Information und Kultur die verborgenen Schätze wieder auszustellen und eine Delegation wagte sich wieder in die Tresore. Damals erklärte Präsident Hamid Karzai: “Es war wie in einem Film. Wir mussten mit dem Aufzug drei Stockwerke unter den Palast fahren, ein Tunnelsystem mit eingebauten Fallen passieren und dann durch eine Tür mit sieben oder acht Codes, die alle von unterschiedlichen Leuten behalten wurden.“ Der Schatz war erhalten geblieben! 324 Artefakte, die Herz und Seele von Afghanistan, wurden in den Boxen gefunden. Doch nicht einmal 0,3 % des 100’000 Stücke umfassenden Schatzes aus Gold, Silber und Edelsteinen war erhalten geblieben.

Auch wenn es nicht mehr viel zu sehen gibt, die wenigen Stücke sind von unschätzbarem Wert und haben uns sehr beeindruckt und stehen für einen Neubeginn des Landes. Wir verlassen das Museum und entdecken eine Inschrift die unsere Hoffnung zum Ausdruck bringt. Am Tor des Museums sind auf Arabisch und Englisch folgende Worte in Stein graviert: ‘a nation stays alive when its culture stays alive.’

Die 324 wunderbaren Kunstwerke in Kabuls Museum bereichern nicht nur verregnete Wochenenden – ihre unglaublichen Geschichten sind es wert, jeden Tag in der Woche erzählt zu werden!

Tafel "A NATION STAYS ALIVE WHEN IT´S CULTURE STAYS ALIVE"

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DAS FRIEDENSHAUS PAIWAND-E-NOOR

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In Bildung investieren

Kinder sind die Zukunft eines jeden Landes. Deshalb gehört die Bildung von ihnen zu den nachhaltigsten Projekten, die eine Gesellschaft leisten kann – wenn sie es sich leisten kann. Conflictfood fördert mit einem Teil der Einnahmen Bildungsprojekte in den Herkunftsländern. Diese suchen wir sorgfältig aus und überzeugen uns persönlich von den Standards. Mit Conflictfood wird dein Kauf zu einem Schritt in Richtung Frieden!

In Afghanistan haben wir ein ganz besonderes Projekt besucht – ein Kinderheim, das zugleich Waisenhaus, Schule und Schutzraum ist und kriegsversehrten Kindern ein Zuhause bietet, sie fördert und zugleich fordert. 103 Mädchen und Jungen haben an einem lichtdurchfluteten Ort am Rand von Kabul ihr Zuhause gefunden. Nicht umsonst trägt das Friedenshaus den Namen „Paiwand-e-Noor“ – auf Deutsch: „Quelle des Lichts“ – es bietet Kindern einen Zufluchtsort jenseits der Schatten des Krieges.

Vom Krieg gezeichnet

Das im Jahr 2005 errichtete Haus beherbergt nicht nur Waisen, sondern auch Kinder, die in ihren Familien nicht ausreichend versorgt oder gefördert werden können. Knapp die Hälfte der Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren hat keine Angehörigen mehr, oder stammt aus weit entfernten Provinzen. Die andere Hälfte der Mädchen und Jungen übernachtet noch bei ihren Familien. Sie werden morgens vom hauseigenen Fahrdienst abgeholt und abends wieder zurück gebracht.

Alle Kinder die hier spielen und lernen, sind schwer vom Krieg gezeichnet. Geboren in einem Land, in dem seit 38 Jahren Krieg herrscht, erlebten sie tagtäglich die dunkle Seite des Konflikts. Viele sind aufgrund von Kriegsverletzungen körperlich behindert und seelisch traumatisiert. Einige sind auf Minen getreten oder wurden durch Granaten versehrt, andere wurden von durch die, von der Sowjetarmee eingesetzten Schmetterlingsbomben verstümmelt – Bomben, die auf eine perfide Weise als Spielzeug oder Kugelschreiber getarnt sind, damit sie Kinder anlocken, die sie beim Spielen auslösen.

Wegen ihrer körperlichen und seelischen Probleme ist vielen Kindern und Jugendlichen eine Integration in die Gesellschaft erschwert. Ziel des Projektes ist, diese Kinder aufzufangen, ihnen ein familiäres Umfeld zu bieten und eine schulische und berufliche Ausbildung zu ermöglichen, damit sie ein selbstbestimmtes Leben führen können.

Bildungswege in eine unabhängige Zukunft

Konkret setzt sich „Paiwand-e-Noor“ dafür ein, dass die Kinder und Jugendlichen am regulären Schulunterricht in staatlichen Schulen teilnehmen und einen national anerkannten Schulabschluss erreichen. Danach können sie sich für eine handwerkliche Ausbildung oder einen höheren Bildungsweg entscheiden. Dabei achten die Betreuer darauf, dass Kinder mit physischen und psychischen Einschränkungen besonders gefördert werden. Sie und ehrenamtliche Nachhilfelehrer der privaten Universität Kabul begleiten ihre Schützlinge beim Lernen über den normalen Schulunterricht hinaus. In „Paiwand-e-Noor“ können sie Tischlern, Schreinern oder Schneidern lernen, handfestes Wissen, das ihnen einen Lebensunterhalt ermöglichen wird.

Träumen statt Traumata

Bei gutem Wetter tummeln sich die Kinder draußen auf dem kleinen Spielplatz oder dem Rasenfußballplatz. Durch eine Kooperation mit einem nationalen Sportclub können sie dessen Räumlichkeiten kostenlos nutzen und ihre Lieblingssportart dort ausüben. Bewegung ist ein emotionales Ventil und eine Möglichkeit der Verarbeitung ihrer traumatischen Vergangenheit. Egal, welche Einschränkungen sie durch den Krieg erleiden mussten – hier sind sie ein Team.

Um den Kindern bei der Bewältigung ihrer psychischen Traumata aktiv zu helfen, bekommt „Paiwand-e-Noor“ regelmäßigen Besuch von der Psychotherapeutin Karin Struck aus Deutschland. Während ihres Aufenthaltes in Kabul wohnt und arbeitet sie zusammen mit den Kindern. Da sie die lokale Sprache Dari spricht, kann sie sehr schnell Kontakt zu den Kindern knüpfen und helfen ihre psychische Verfassung zu stabilisieren und zu verbessern.

Gleichzeitig werden die Kinder von dem Arzt Dr. Gulab Gul betreut. Dr. Gul war selbst ein vom Krieg betroffenes Flüchtlingskind. Daher ist er mit Herz und Seele für die Kinder von „Paiwand-e-Noor“ da.

Gemeinschaft wird groß geschrieben

Die Vermittlung wichtiger Werte wie Verständnis, Freundschaft, Toleranz und geschlechtliche Gleichberechtigung sind Grundpfeiler der Erziehung von „Paiwand-e-Noor“. Familiäre Strukturen und Gemeinschaft bilden die Basis des Zusammenlebens. In den belebten Gemeinschaftsräumen ist immer viel los. Zusammen wird hier gebastelt, gehäkelt und gespielt. Die Schlafsäle sind so eingerichtet, das jedes Kind sein eigenes kleines Reich mit einem Bett und einem Schrank hat – das ist nicht viel, aber trotzdem mehr, als die meisten Familien ihnen zu Hause bieten könnten.

Trotzdem waren bis vor einigen Jahren die Lebensbedingungen im Haus nicht optimal. Das Dach war undicht, die Fenster zugig und der Putz bröckelte von den Wänden. Die eindringende Feuchtigkeit und Kälte begünstigten typische Wintererkrankungen, wie die Grippe. Im Jahr 2015 liefen endlich neue Renovierungsarbeiten an und die Kinder waren aktiv daran beteiligt und es wurde gemeinsam angepackt: Sie durften die neuen Farben aussuchen und bei den Handwerkern hospitieren, um praktisches Fachwissen für ihre Zukunft zu lernen. Jetzt ist das Haus für die stark schwankenden afghanischen Wetterbedingungen im Winter und Sommer gewappnet.

Der Beginn einer Erfolgsgeschichte

Zum Ende des Jahres 2014 haben 14 von den 111 Kindern die Schule erfolgreich abgeschlossen. Drei von ihnen haben ein Studium begonnen und eine arbeitet bereits in einer Gemeinschaftspraxis als Zahnärztin. Die anderen elf Absolventen haben ebenfalls erfolgreich ein Beschäftigungsverhältnis gefunden. Sie alle kommen ab und zu auf einen Besuch vorbei und fühlen sich immer noch ganz wie zu Hause.

Das Projekt „Paiwand-e-Noor“ ist ohne zeitliche Begrenzung angelegt. Abdul Saboor, der Projektleiter, ist verpflichtet in regelmäßigen Abständen Berichte an den Verein für Afghanistan Förderung Bonn zu senden. Damit, und durch regelmäßige Besuche, prüft der Verein die Entwicklung des Hauses. Dank der Förderung der Else Kröner-Fresenius-Stiftung hat sich „Paiwand-e-Noor“ seit 2014 hervorragend entwickelt. Durch drei verschiedene Ausstrahlungen im afghanischen Fernsehen ist das Projekt im Land sehr bekannt und beliebt geworden – bereits 200 Kinder stehen auf der Warteliste.

Allerdings ist der Förderungszeitraum im Frühjahr 2016 abgelaufen und die Zukunft des Hauses unsicher. Die finanzielle Zuwendung aus den Erlösen des Safran-Verkaufes von Conflictfood kommt also genau im richtigen Moment. Conflictfood möchte „Paiwand-e-Noor“ unterstützen, damit den Kindern auch in Zukunft ein stabiles Zuhause geboten werden kann. Neben der Deckung von Personal und Instandhaltungskosten soll auch in eine neue Computerausstattung investiert werden.

Projekte wie „Paiwand-e-Noor“ sind Gold wert, wenn wie im Fall von Afghanistan die finanziellen Mittel oder schlichtweg der soziale Rahmen fehlen, um Kinder angemessen zu fördern.Genau deshalb fördert Conflictfood den Fluss von finanziellen Mitteln nach „Paiwand-e-Noor“, damit die Quelle des Lichts nicht versiegt.

Mit den Kindern und den Betreuern drei Tage verbringen zu können, war eine enorme Bereicherung für uns! Wir durften mit den Kids Fußball spielen, sie beim Handarbeiten begleiten und uns zwei wunderbare Schals stricken lassen. Wir freuen uns auf das nächste Mal mit euch!

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GAME OF DRONES

Kampfdrohneneinsätze zwischen Videospiel und realer Brutalität

Zwei Sergeants der US-Airforce sitzen in gemütlichen Kunstledersesseln in einer klimatisierten Kabine im Fort Knox in Kentucky / USA. Das Steuerungspult wirkt wie das Cockpit eines Kampfjets. Im Unterschied zu regulären Kampfpiloten befinden sie sich jedoch in totaler Sicherheit. Die zahlreichen hochauflösenden Bildschirme zeigen eine Liveübertragung vom fernen Einsatzland Afghanistan aus der Vogelperspektive. Gerade überfliegen ihre Drohnen süd-östliche Provinzen nahe der Grenze zu Pakistan. Ihr Ziel: ‚bugsplat’ (Ungeziefer klatschen) – im gegenwärtigen US-Militärjargon eine gängige Bezeichnung für Drohnenschläge. Gejagt werden Terroristen im Rahmen der US Anti-Terrormission ‚Freedom’s Sentinel’.So oder ähnlich könnte sich die Situation vor dem gezielten Drohnenanschlag auf den Chef der afghanischen Taliban Akthar Mansur abgespielt haben, den das Pentagon vor knapp drei Wochen bekannt gab.

Afghanistan im Visier

Seit geraumer Zeit feuern die USA jede Woche mit ferngesteuerten Kampfdrohnen Bomben auf afghanische Provinzen, um Gegner wie Mansur zur Strecke zu bringen. Solche sog. “strategische Treffer”, sind von der US-Regierung bejubelt. Dafür werden zivile Todesopfer als Kollateralschäden gleichmütig hingenommen.

Derzeit ist Afghanistan das am meisten durch Drohneneinsätze zerbombte Land der Welt. Aufgrund seiner geopolitisch strategischen Lage im mittleren Osten ist das Land seit jeher eine Drehscheibe von internationalen Konflikten. Jahrzehntelang stand deshalb die afghanische Zivilgesellschaft unter Beschuss. Die Liste der Opfer ist endlos, das eingesetzte Arsenal an unmenschlichen Waffen sprengt jedes Vorstellungsvermögen. Seit der sowjetischen Besatzung ist das Land noch immer völlig vermint und ihre übriggebliebenen Schmetterlingsbomben, getarnt als Spielzeuge, zielten auf die Verwundung der Jüngsten ab.

Zielgenau? Treffsicher? Effektiv?

Drohnen werden seitens der USA – und anderer Befürwortern – als die humanitäre Waffen charakterisiert, weil sie im Gegensatz zur traditionellen Kriegsführung angeblich eine äußerst effektive, präzise Tötung einzelner Personen zulassen.

Einmal abgesehen von der grundsätzlichen ethischen Infragestellung der Legitimität der staatlich gesteuerten Tötung von Menschen, ist es ebenso fragwürdig, ob man vermeidliche Bösewichte im Angriffsfall überhaupt aus solchen großen Distanzen zuverlässig erkennen kann? Die von Präsident Obama geleitete Jagd nach Terroristen basiert auf einer Kategorisierung von Lebensmustern, wonach Personen als verdächtig eingestuft werden. Offiziellen Vertretern Obamas zufolge ist im Ernstfall jede männliche Person im kampffähigen Alter, die sich in den Drohneneinsatzgebieten aufhält, so lange potentiell verdächtig, bis ihre Unschuld bewiesen werden kann. Meistens jedoch sind die Kampfjets schneller als die Ermittlungen.

Mit der Veröffentlichung von geheimen Papieren über die drohnenbasierte US-Militärstrategie deckte das Nachrichtenportal “The Intercept” auf, dass die Drohnenmorde alles andere als präzise sind. 90% von den Opfern der US-Drohnenoperation in Afghanistan waren keine militärischen Ziele. Allein im Jahr 2015 wurden in nur sechs Monaten mindestens 400 Menschen von Drohnenanschlägen getötet, darunter mehrheitlich Zivilisten. Diese hohe Anzahl von zivilen Opfern spricht gegen die Zielgenauigkeit und Treffsicherheit der Drohnenschläge. Auch ihre Effektivität gegen den Terror ist anzuzweifeln – nach Mansurs Tod wurde das vorübergehende Machtvakuum seitens der Taliban schnell wieder gefüllt, zukünftig übernimmt sein Stellvertreter Haibatullah Achundsada die Leitung.

Aufstieg der Drohnen, Fall des Völkerrechts

Nach dem Startschuss der US-Mission “Freedom’s Sentinel” unter Friedensnobelpreisträger Barack Obama hat sich der Einsatz von Drohnen zwischen 2011 und 2015 von 5% zu 56% aller US-Operationen erhöht. Dieser Anstieg lässt sich mit den zunehmenden Legitimitätsproblemen der politischen Führungsgarden erklären: Kriege zu rechtfertigen ist grundsätzlich ein ethischer Balanceakt, insbesondere gegenüber der eigenen Bevölkerung. Wegen ihres vermeidlich minimal-invasiven Charakters passt die Drohne nun perfekt in den Rahmen der US-amerikanischen Doktrin der ‚guten Kriegsführung’, in der die USA als ‚Global Cop’ für Recht und Ordnung sorgt.

Aber, dahinter steckt ein klares Kalkül: die Drohne dient dem Schutz der eigenen Nation. Da Drohnen bequem von zu Hause aus gesteuert werden können, geht der Staat zumindest bezüglich der eigenen Bürger geringere Risiken ein. So wirbt auch die US-Air Force für eine Ausbildung zum Drohnenpiloten mit einem Video, dass den Drohnenkrieg, wie ein Computerspiel darstellt. In der Realität haben oftmals weder die entsprechenden Regierungen noch die betroffenen Gesellschaften eine Ahnung, wo genau gegenwärtig akute Gefahr aus der Luft heraus herrscht. So machen Drohnen, laut dem französischen Philosophen Grégoire Chamayou, die gesamte Welt zum Kriegsraum und den Krieg potentiell allgegenwärtig. Genau genommen sind damit die Grundprinzipien des Völkerrechts und der Kriegsethik umgeworfen: nationale Souveränität wird angegriffen und nicht der Schutz von Zivilisten, sondern vielmehr der Schutz der eigenen, involvierten Streitkräfte steht im Vordergrund des Kampfeinsatzes.

Folgenreiche Fernsteuerung

Letztlich sind die unbemannten Waffen möglicherweise auch für ihre Piloten gefährlich. Die extreme geografische Distanz täuscht eine eigene Unverwundbarkeit vor. Damit fördern Drohnen eine Videospielmentalität. Physisch mag das zutreffen, per Knopfdruck werden Morde ohne eigene körperliche Involvierung abgewickelt. Unklar ist allerdings derzeit noch inwieweit die Psyche der Soldaten langfristig angegriffen wird.

Klar ist, dass die Angriffe für eine Entfremdung der Opfer sorgen und Hass schüren. Die zunehmende Betroffenheit der Zivilgesellschaft und ausbleibende Gegeninitiativen seitens der aktuellen afghanischen Regierung unter Ashraf Ghani erhöhen die Rekrutierungsmöglichkeiten der bewaffneten Opposition, sprich: auch der Taliban. Vielleicht bieten Drohnen Alternativen zur allgegenwärtigen Zerstörung im totalen Krieg. Aber, durch Drohnenschläge getötete Terroristenführer allein eröffnen definitiv keine Wege in Richtung Frieden. Der Fall Mansur verdeutlicht, dass er sozusagen nur der ‚Kopf der Hydra’ ist – ein neuer führender Kopf bildet sich schnell heraus und erfährt womöglich noch mehr Solidarität. Dass Drohnen tatsächlich auch für humanitäre Zwecke eingesetzt werden können, zeigen junge Unternehmen wie Zipline International, deren Drohnen zukünftig überlebenswichtige Medikamente in Kriegsregionen wie Ruanda liefern sollen. So werden die unbemannten Kriegsflieger zu Friedensboten!

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KRIEGSTEPPICHE

Geknüpfte Geschichte

Nomadische Völker des heutigen Afghanistans haben die Kunst des Teppichknüpfens perfektioniert – der afghanische Teppich ist jedem ein Begriff. Invasionen und Kriege brachten jedoch eine ganz neue und skurrile Variante der Knüpfkunst hervor! Was haben Kalaschnikows und Bomben auf Teppichen zu suchen? Und was hat das mit Conflictfood zu tun?

Das Teppichknüpfen ist in Afghanistan eine jahrtausendealte Tradition. Afghanische Teppiche wurden weltweit geschätzt, sie waren ein wichtiges Exportgut des Landes. Die ersten gewobenen Kelims und geknüpften Teppiche wurden damals von Nomaden als Ersatz für Tierfelle hergestellt. Sie waren ein praktisches und vielfältiges Möbelstück weil man sie gut einrollen, aufs Pferd oder Kamel packen und am neuen Rastplatz sofort wieder als gemütlichen Boden, “Wand” oder “Eingangstür” benutzen konnte.

Jeder Stamm hat seit Generationen sein eigenes Muster und seine eigene Farbgebung, vergleichbar mit europäischen Familienwappen.

Die traditionelle Kunst des Teppichknüpfens gehört zu den ältesten kulturellen Leistungen der Menschheit und wurde 2010 sogar in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen.

Entstehung und Entwicklung der Teppichmuster

Die ersten Muster von Web- und Flechtwerken waren denkbar einfach. Die rechtwinkelige Struktur von Schuss und Kette im Webrahmen gibt – im Gegensatz zur Buchmalerei oder Keramik – alle Grundformen vor: Streifen, Quadrate, Rechtecke, Sechs- und Achtecke dominierten Jahrtausende lang die Grundformen von Teppichen. Lauter Formen, die geflochtene Bänder als Bild wiederholen und deren reziprok entstehenden Zwischenräume (also deren Löcher und freien Stellen, Sechs- oder Achtecke im Flechtwerk) darstellen. Ein Blick auf das Geflecht eines Stuhles genügt, um dieses Prinzip zu verstehen. Die über Jahrhunderte und Jahrtausende nur geometrischen und durchgemusterten Teppiche integrierten mit der Zeit Merkmale des jeweiligen Klimas sowie Gedankengut aus Mythologie und Religion, aber auch aus dem täglichen Erfahrungs- und Lebensbereich der Künstler. Für den schriftkundigen Nomaden wird der Teppich mehr und mehr zum lesbaren Piktogramm, zum Kultobjekt oder Kulturgegenstand.

Die Vielfalt an Mustern und Motiven, die Vernetzung vieler Kulturen, die ethnologischen, aber auch klimatischen Eigenheiten führten zur traditionellen Verwendung bestimmter Farben, Motiven, sogar zur Verwendung bestimmter Techniken und Proportionen eines jeden Stammes oder Gebietes.

Im Laufe der Zeit erweiterte sich der Motivkanon. Das persische und osmanische Reich verwendete Designs, die aus der Buchmalerei und Keramik entsprungen sind – floraler, höfischer Prunk, üppige Kurven und Rosetten wurden dargestellt, Jagd- und Gartenmotive waren beliebt, erstmals wurden auch Seide und Baumwolle verarbeitet. Auch die kleinen, typischen Zeltformate wurden zum Teil durch riesige Palastformate ersetzt. Beide Seiten, die höfische und die traditionell nomadische Tradition bereicherten sich gegenseitig in ihrem Stil und ihrer Formensprache. Mit dem Niedergang der Osmanen und der afghanischen Invasion in Persien endete der höfische Stil abrupt.

Vom Luxus zur Massenware

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam es zur zweiten entscheidenden Wende: Nicht zuletzt durch die Wiener Weltausstellung von 1873 wurde der Orientteppich weltweit auf breitester Basis vorgestellt. Der Handel und die Bestellungen erreichten bis 1900 ein unvorstellbares Ausmaß – der Orientteppich wurde zum Statussymbol, Material und Muster wurden von nun an vom Markt diktiert. In den 1920ern wurden Nomaden zum großen Teil sesshaft. Teppiche wurden seitdem bei großen Manufakturen bestellt und als Massenware gehandelt.

Ab 1960 entstanden Kopien traditioneller Muster auch in europäischen Drittländern wie Rumänien und Bulgarien, etwas später, circa ab 1970, in orientalischen Drittländern, und zwar in Pakistan und Indien, noch später sogar in China.

Somit stand und steht neuen Entwicklungen an Muster und Farbe nichts mehr im Wege. Mittlerweile entstehen alljährlich neue Teppicharten mit dem Versuch, Marktnischen zu nutzen und dem Kundengeschmack zu entsprechen.

Geknüpfter Krieg

In den 1980ern, während des sowjetisch-afghanischen Krieges, starben zwischen einer und anderthalb Millionen Menschen, fünf Millionen waren wegen des Krieges aus dem Land geflohen. Viele gingen nach Pakistan, wo eine Möglichkeit der Lebenssicherung das Teppichknüpfen war.

Dieser Krieg brachte auch eine neue, außergewöhnliche Kategorie der Gegenwartskunst. Auf afghanischen Knüpfteppichen erschienen nach der sowjetischen Invasion in den 1980ern erstmals radikal neue Bildmotive: Die Kriegsteppiche bzw. „War Rugs“ entstanden. Statt Granatäpfeln zeigen sie Handgranaten, statt Blumen Flugzeuge und Kalaschnikows. Bildeten die Waffen zunächst die Bordüre, so rückten sie bald als Hauptmotiv in die Mitte, um schließlich die ganze Fläche eines Teppichs zu bedecken.

Photo credit: Kevin Sudeith/Warrug.com ( https://www.warrug.com/index1.php?idr=1669 )

Die Teppiche heroisieren nicht nur die eigenen Taten, sie führen oft die erdrückende Übermacht des Feindes der Weltöffentlichkeit vor Augen: Eine Moschee wird von einer Rotte von Kettenfahrzeugen eingekreist; ein Stadtviertel ist von feindlichen Truppen besetzt und schweren gegnerischen Angriffsgeräte stehen die eigenen leichten Feuerwaffen gegenüber.

Wie stark der Kriegsalltag mit der Kunst interagiert wird klar, wenn man sich die schnelle Weiterentwicklung der Motive genauer ansieht: Nach 2001 findet sich der Einmarsch der NATO auf den Teppichen wieder und ganze Editionen bilden den Anschlag auf die Zwillingstürme des World Trade Centers ab. Seit einigen Jahren ergänzen Drohnen und Drohnenangriffe den Bilderkanon der Teppiche. 

Photo credit: Kevin Sudeith/Warrug.com ( https://warrug.com/November.php)

Obwohl diese geknüpften Bilder die Allgegenwart todbringender Waffen bezeugen und vom Leid der Menschen und ihren seelischen Verletzungen berichten, verweisen sie auch auf traditionelle Werte, die Hoffnung geben sollen und Frieden verheißen. Mit dieser “Kunst im Widerstand“ haben die Menschen eine Ausdrucksform gefunden, um sich mit den furchtbaren Kriegserlebnissen und ihrer Flucht aus der Heimat auseinanderzusetzen und sie zumindest ansatzweise psychisch zu verarbeiten. Psychogramme und Bilder gegen das Vergessen werden zu geknüpften Zeitdokumenten und halten diese neue Form der Teppichkunst am Leben.

Conflictfood führt die Tradition weiter

Auf unserer Reise durch Afghanistan fanden wir immer wieder Kriegsteppiche auf den Märkten und in Teppichläden. Allesamt waren bei genauerer Betrachtung maschinell gefertigte Billigware. Die älteren und somit wertvolleren Originale sind längst in den Händen von Sammlern weltweit und erzielen hohe Preise auf Auktionen.

Ob Kriegsteppiche Kitsch oder Traditionshandwerk sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf uns übten sie jedenfalls eine eigenartige Faszination aus und waren Inspiration für die grafische Umsetzung der Conflictfood Safran–Verpackung. In der Tradition der Kriegsteppiche haben wir, gemeinsam mit unserer Grafikerin Lisa Baur, das Thema neu aufgegriffen. Viele Varianten sind dabei entstanden, wurden immer wieder verändert und verbessert, bis wir uns für den Druck dieses Motives entschieden haben: Auf den ersten Blick erscheint das Muster ähnlich einer traditionell afghanischen Teppichstruktur. Erst auf dem zweiten Blick sieht man Granaten, Gewehre, Flugzeuge und Safranblüten.

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DAS FRAUENKOLLEKTIV VON HERAT

Der Frauenrat im Westen von Herat

Das afghanische Institut für ländliche Weiterentwicklung gründete 2008 die Vereinigung zur Kultivierung von Safran. Dieser wurde zunächst von Männern dominiert. In dem kleinen Örtchen 45 km von der Provinzhauptstadt Herat entfernt, wurden diese Männer von der Shura, dem Rat, gestellt. Ein kleine Gruppe von fünf Frauen waren Teil dieser Shura, denn sie wollten ein Mitsprachrecht in Angelegenheiten, die auch sie betrafen und sie hatten großes Interesse, die soziale Entwicklung ihrer Region aktiv mitzugestalten.Um die sozio-ökonomische Situation der Frauen zu verbessern, begann die NGO HELP e.V. mit einer Erhebung und Bewertung der aktuellen Lage. Nach vielen Sitzungen und Gesprächen mit Männern der Shura, mit dem Ziel eine autonome Frauen-Shura zu bilden, gelang es den Frauen tatsächlich sich abzutrennen. Sie formierten sich neu und unabhängig, zum ersten Frauenrat!

Von Frauen für Frauen

Die Frauen-Shura bedeutet Zugang zu Bildung, Arbeit und Information: Nun konnte dauerhaft ein Ort entstehen, an dem sich Frauen unabhängig austauschen können, wo Konferenzen abgehalten werden, wo Workshops und Fortbildungen nur für Frauen stattfinden. An dieses Frauenzentrum sollen ein Kinderspielplatz und ein Kindergarten angeschlossen werden sowie ein Internetcafé und ein Tee-Garten. Geschaffen wurde eine Vertriebsmöglichkeit für Agrarprodukte, im speziellen für Gemüse und für den Verkauf von Milcherzeugnissen. Der Safran gehört selbstverständlich auch dazu. Die Waren werden im vereinseigenen Shop und auf dem Markt gehandelt. Darüber hinaus gibt es Literatur-, Englisch- und Fotografiekurse, Ausbildungsmöglichkeiten am Computer und einen Schönheitssalon. Die Shura ist jetzt von der afghanischen Regierung als unabhängige Vereinigung offiziell anerkannt. 

Salem probiert die noch frischen „Quruti“
Ein Mann aus dem Dorf sammelt Feuerholz

Wünsche, Hoffnungen, Ängste

Wir haben die Frauen-Shura nach ihren Visionen für die Zukunft gefragt: Sie haben ganz konkrete Ziele. Sie wollen den Gewinn wieder investieren, neue Geräte kaufen, mehr Land bestellen, um mehr Safran zu kultivieren. Aber mit Sorge schauen sie auf die jüngsten Entwicklungen im Land. Die wachsende Unsicherheit und ein Erstarken der Taliban-Milizen würde all das Erreichte wahrscheinlich vernichten. Wir von Conflictfood tun, was wir können, um den Menschen zumindest eine wirtschaftliche Perspektive zu bieten. Unser Ziel ist es, für die Menschen vor Ort eine sichere Existenz und ein gutes Einkommen zu schaffen. Damit sie einfach ein gutes Leben führen können. Im Länderranking der Weltbank belegt Afghanistan beim grenzüberschreitenden Handel den letzten Platz. Conflictfood eröffnet den Bauern neue Absatzmärkte – „made in Afghanistan“. Durch den Kauf von Safran kannst du das Frauenkollektiv aktiv unterstützen.

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AFGHANISTAN – EINE TRAURIGE BILANZ

Friede, Freude, Eierkuchen?

Eine Bilanz der vergangenen 15 Jahre Besatzung und Krieg offenbart, wie grandios die USA und ihre Verbündeten in Afghanistan gescheitert sind. Der Krieg gegen Afghanistan hat die Welt nicht sicherer gemacht, sondern ist, wie auch der im Jahr 2003 gegen den Irak geführte Krieg, bis heute ein einziges Terrorzuchtprogramm. Und wie ist die Situation in Afghanistan jetzt?

Frieden

Von Frieden kann in Afghanistan keine Rede sein. Das Land war 2013 nach dem Weltfriedens-Index der angesehenen britischen Zeitschrift The Economist das unfriedlichste Land der Welt. Unfriedlicher als der Irak, Syrien und Somalia.
Unter den “gescheiterten Staaten” (Staaten in denen grundlegende Funktionen nicht erfüllt werden) nimmt Afghanistan in Asien Platz 1 und weltweit Platz 7 ein.
Über 100.000 Afghanen wurden laut „Ärzte gegen den Atomkrieg“ getötet. Unter anderem mit 1.228 Streubomben und mit je 295.000 Einzelsprengsätzen, die allein im ersten Kriegsjahr zum Einsatz kamen.

Taliban

Ähnlich wie beim Abzug der Sowjets im Jahr 1989 beherrschen die Taliban die ländlichen Regionen des Landes. Die nationalen afghanischen Truppen aber sitzen verunsichert in den großen Städten. Jedes Jahr desertiert ein Drittel. Die Taliban können fast nach Belieben zuschlagen.

Bildung

Die Lage im Bildungssektor ist katastrophal. Afghanistan hat den schlechtesten Durchschnittswert in Sachen Schulbesuchsdauer in ganz Asien.
47% der Schulen haben kein Schulgebäude, 75% keine Toiletten. Über zwei Drittel der schulpflichtigen Kinder erreichen nicht einmal die 6. Klasse.

Mädchen und Frauen

Laut der Reuters Foundation ist Afghanistan für Frauen das gefährlichste Land der Welt, knapp vor der Demokratischen Republik Kongo.
Nur 13% der Mädchen beenden eine Schule. Ganze 30% schaffen es bis zur 6. Klasse. Nur 50% der 416 Distrikte haben eine Haupt- oder Realschule für Mädchen. Und nur 20% ein Mädchen-Gymnasium. Dort wo es Schulen gibt, schicken laut UN übrigens auch die Taliban ihre Mädchen seit Jahren zur Schule. Auch in Gebieten, die von ihnen kontrolliert werden. Ein Krieg war hierzu eigentlich nie nötig.

© Rada Akbar
Gesundheit

Wähle eine Lieferadresse, an der du oder eine Vertrauensperson das Paket auch tatsächlich entgegennehmen kann. Falls das nicht klappt, kannst du auch an eine Packstation liefern lassen oder direkt ins Büro – unsere Erfahrung zeigt, hier klappt die Zustellung meist beim ersten Versuch.
Drei Viertel der Afghanen haben laut Weltbank keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In keinem anderen Land der Welt leiden so viele Kinder unter 5 Jahren an schwerer Mangelernährung. Afghanistan hat in dieser Altersgruppe in Asien die höchste Sterblichkeitsrate. Bei der Säuglings-Sterblichkeit liegt das Land weltweit auf Platz 1.

Korruption

Gemeinsam mit Nord Korea und Somalia gilt Afghanistan laut Transparancy International als das korrupteste Land der Welt. Auch auf dem Geldwäsche-Index des Basler Instituts ICAR liegt Afghanistan auf Platz 1. In Afghanistan trifft sich die kriminelle “Elite” der Welt.

Justiz

In vielen Provinzen treiben kriminelle Privatarmeen nie entwaffneter, ja sogar neu bewaffneter Kriegsfürsten und heimlicher Verbündeter der NATO ihr Unwesen. Kriegsverbrecher wie der blutrünstige General Dostum sind beste Freunde der USA. Amerikanische Morde an Zivilisten und Gefangenen werden nicht verfolgt. Folter ohnehin nicht. Trotz aller schönen Reden des US-Präsidenten. Der afghanische Justizapparat gilt als der korrupteste Bereich aller staatlichen Behörden. Auch auf Druck der USA. Gerechtigkeit ist in Afghanistan ein Fremdwort.

Demokratie

Auch Demokratie, wie wir sie kennen, gibt es in Afghanistan nicht. Die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen werden in der Regel von allen Kandidaten gefälscht. Anschließend wird der Sieger in einem schmutzigen Kuhhandel unter maßgeblicher Mitwirkung der USA ausgemauschelt.

Eine Erfolgsgeschichte!

Die Menschen in Afghanistan haben Besseres verdient, als die Folgen einer fehlgeleiteten und von Krieg beherrschten westlichen Außenpolitik zu erdulden.

Wir von Conflictfood wollen ausgewählten afghanischen Produkten und ihren Produzenten den Zugang zu neuen Absatzmärkten eröffnen, damit es aufwärts geht mit Afghanistan. Dazu haben wir ein Frauenkollektiv in der Provinz Herat besucht, die diesen Schritt geschafft haben: Weg vom Opium – hin zum Safrananbau!

Solche Erfolgsgeschichten wollen wir weiter fördern. Wir haben dem Kollektiv Safran abgekauft, gerecht und direkt bezahlt und ihn für euch mitgebracht. Wir stärken dadurch lokale Strukturen, bieten den Menschen ein echte Perspektive und bekämpfen somit Fluchtursachen an der Wurzel.

Im nächsten Blogpost erfahrt ihr mehr über die Gruppe von Frauen, die den kostbaren Safran kultivieren!

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